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Saubere Mast-Arbeit
10.05.2018
In monatelanger Arbeit hat die Bootswerft Winkler einen neuen Großmast für die „Grönland“ gebaut – Jetzt wurde der 22 Meter hohe Holzkoloss gestellt

Letzte Handgriffe: Am Steg vor der Bootswerft Winkler wurde der neue Großmast der „Grönland“ gestellt. Ab sofort ist sie wieder als Boschafter unter Segeln für das Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven unterwegs. (Foto: Kölling)

Der neue Mast und der Bugspriet glänzen in der Abendsonne: Deutschlands erstes Polarforschungsschiff „Grönland“ legt frisch aufgeriggt von der Bootswerft Winkler in der Lesum ab. Seit Oktober haben die Bootsbauer in Lesumbrok aus fast drei Kubikmetern Oregon-Hartholz den 22 Meter messenden Großmast gebaut. Trotz einigem Wind von der Seite klappt das Maststellen problemlos.

„Der Mast hat ja soviel Eigengewicht, dass er von selbst ruhig im Kran hängt,“ meint Werftchef Hans Stützle angesichts von vollen vier Windstärken immer noch in der ihm eigenen Seelenruhe. Alles ist geplant: Die nordische Jagd liegt mit dem letzten auflaufenden Wasser auf der Slippbahn der Werft. Um 16 Uhr geht‘s los, mit Hochwasser um 19 Uhr soll alles fertig sein. Ganz einfach. Komplizierter ist da schon die Verständigung hin zum Kranfahrer, der bei dem extremen Hochwasser am Tag des Manövers hinter den geschlossenen Fluttoren der Werft praktisch blind agieren muss. Hans Stützle: „Da ist gute Kommunikation wichtig. Aber auch das hat prima geklappt. Wir haben da einen ganz erfahrenen Mann.“

Auch die Krabbelei auf dem fünf Meter aus dem Bug ragenden Spriet sieht alles andere als leicht aus. Dieser Baum bewegt sich eben. Und dann wollen hier auch noch die Stagen festgelascht werden, die anfangs von hoch oben herunterbaumeln wie die losen Wanten. Aber es fehlt nicht an fittem Personal: Mit Stützle hat die Werft fünf Mann am Start, die Mannschaft vom Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven noch einmal acht. Das alte Schätzchen soll schließlich durch die neue Palme keinen Schaden nehmen. 

Anders als der Ursprungsmast auf Deutschlands ältestem Seeschiff von 1867 ist der neue Segelträger nicht ein echter Baum, sondern innen hohl, um die komplette moderne Sicherheitstechnik für Seereisen heute aufnehmen zu können. Ganz viel Technik konnte die Werft auch in dem grünen Krähennest verbergen, aus dem oben im Mast auf der ersten deutschen Arktismission 1968 die Männer von Kapitän Carl Koldewey auf ihrem Weg ins Eis Ausschau hielten. Heute schauen von allen Seiten maritime Papparazzi mit ihren Kameras zu.

Auf der kurzen Werftfahrt darf Winkler-Chef Stützle die Kommandos geben. Aber anders als sein berühmter Vorgänger hat er zum Manövrieren nicht nur die Segel, sondern die Unterstützung einer kräftigen Hauptmaschine. Er sei schon 100-Meter-Tanker gefahren, da komme er wohl auch mit knapp 30 trotz Bugspriet klar, meint Stützle: „Natürlich hat das Schiff auch Leute mit den nötigen Scheinen hier, um es zu fahren. Aber wenn es hier um Angelegenheiten im Werfthafen geht, dann mache ich das doch lieber selbst. Hier gibt es einige tückische Strömungen, und auch mit den Wassertiefen sollte man sich auskennen.“

Ein paar Schraubenstöße vor und zurück mit jeweils gelegtem Ruder, und die „Grönland“ schwimmt mitten im Fluss. Die Crew kann die Fender in ruhiger Fahrt auf der Lesum schon wieder für das Anlegemanöver am Hauptsteg der Werft raushängen. Hans Stützle lobt am Ende alle Beteiligten: „Das hat super geklappt.“ Für das Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven kann die „Grönland“ jetzt wieder als Boschafter unter Segeln unterwegs sein. Und die Werft hofft natürlich auf Nachfolgeaufträge aus der Traditionsschiffsszene. Hans Stützle: „Es ist einfach toll, an solch einem Schiff gearbeitet zu haben. Und natürlich bringt uns das Renommee, wenn wir sagen können: Den neuen Mast der ‚Grönland‘, den haben wir gebaut.“ Wer gerne mehr Infos zur Nordischen Jagd „Grönland“ hätte und etwas über ihr Jahresprogramm wissen möchte, ist auf folgender Internetseite richtig: nj-groenland.de (vk)

 

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