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Sportschipper-Serie: Nordlichter
26.11.2014
Der Leuchtturm als verlässlicher Freund der Seeleute ist heute ein nostalgisches Klischee. Dennoch wird er auch weiterhin als unverzichtbarer Orientierungspunkt benötigt, ja es entstehen auch noch neue Leuchtfeuer, so aktuell 2012 an der Jade und an der Elbe. Gleichwohl prägen Leuchttürme als markante, architektonisch unvergleichlich schöne Bauwerke das Bild unserer Küste. Jeder Turm ist für sich gesehen einmalig, von der Stellung, der Bedeutung und Farbgebung. Der „Sportschipper“ stellt in lockerer Reihenfolge die schönsten Leuchttürme an Nord- und Ostsee vor. In dieser Ausgabe: das Oberfeuer Eversand in Dorum-Neufeld.

Markante Silhouette: Das Eversand-Oberfeuer in Dorum-Neufeld. (Foto: Thomas Koch, Dorum)

Der Altenteiler vom Deich

2003 versetzten Seezeichen-Enthusiasten das Oberfeuer Eversand aus dem Wurster Watt nach Dorum-Neufeld.

 

In Dorum-Neufeld im Land Wursten steht vor dem Deich seit gut zehn Jahren ein schwarzer, bakenähnlicher Turm: Der ehemalige Leuchtturm Eversand-Oberfeuer, rund 35 Meter hoch, der gemeinsam mit drei weiteren ebenfalls ausgedienten Leuchttürmen ein gutes Jahrhundert lang die Silhouette des Wurster Watts östlich der Außenweser geprägt hat.

Das Oberfeuer Eversand wurde 1886/87 im Auftrag der Hansestadt Bremen bei der AG Weser gebaut. Zusammen mit dem Unterfeuer Eversand leitete das Seezeichen bis 1923 den Schiffsverkehr durch den Wurster Arm. Dort verlief damals die Hauptwasserstraße. Mit der Richtfeuerlinie wurde eine Befeuerungslücke von See nach Bremerhaven geschlossen. Zwei Leuchtfeuerwärter teilten sich den Dienst auf Obereversand, wie der höchste der Wurster Wattenleuchttürme bald genannt wurde. Durch die Verlagerung von Stromrinnen und Sänden in der Weser musste das Hauptfahrwasser 1922 in den Fedderwarder Arm verlegt werden. Damit verloren die Türme ihre Funktion und erloschen. Danach diente Eversand-Oberfeuer noch als Rettungsbake für Schiffbrüchige und wurde als solche bis 1995 instand gehalten. Dann beschädigte Eisgang die Unterkonstruktion: Ein Einsturz drohte. Im März 2003 erfolgte die Versetzung vom Eversandwatt nach Dorum-Neufeld.

Dadurch, dass Eversand-Oberfeuer nur eine relativ kurze Zeit als Leuchtfeuerträger genutzt wurde, ist er äußerlich und innerlich von entstellenden Umbauten verschont geblieben und ist damit ein in seiner Ursprünglichkeit nicht zu übertreffendes Zeugnis vom Stand der Seezeichenentwicklung im ausgehenden 19. Jahrhundert. Am Ende der Dorumer Seebrücke führt ein Treppenturm mit 84 Stufen auf die erste Galerie des Leuchtturms. Hier beginnt die Reise der Besucher in die Arbeits- und Lebenswelt der zwei Leuchtfeuerwärter mit Küche als Lebensmittelpunkt, dem Dienstzimmer und darüber dem Laternenraum, wo die Wärter das Leuchtfeuer zünden und löschen mussten. Von der oberen Galerie bietet sich ein imposanter Blick auf den Dorumer Kutterhafen, die Außenweser und die Elbe.

Zur Vorgeschichte: Um die Jahrtausendwende wollte der Bund aus Kostengründen Obereversand abgeben. Eine Rettungsbake muss nach dem heutigen Stand der Technik nicht mehr vorgehalten werden. Der von Seezeichen-Enthusiasten gegründete Förderverein Leuchtturmdenkmal Oberversand e.V. wollte das Leuchtturm-Denkmal erhalten und ließ das gesamte Bauwerk an die Küste transportieren, um es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gleichzeitig entwickelte die Samtgemeinde Land Wursten mit der Nationalparkverwaltung ein Konzept zur Förderung des maritimen Tourismus‘.

Nachdem Eversand-Oberfeuer im März 2003 seinen neuen Platz in Dorum-Neufeld gefunden hatte, lag der Schwerpunkt der Vereinsarbeit auf der Sanierung der historischen Turmausstattung und dem Aufbau der Ausstellung.

Nachdem Orkan „Xaver“ im Herbst letzten Jahres Turm und Seebrücke schwer beschädigt hatte, sind Turm und Ausstellung zurzeit geschlossen. Mittlerweile sind die größten Schäden aber behoben, so dass der Förderverein für August 2015 einen Turmgeburtstag plant.

Frühere Position: 53° 45' N

8° 21' E

● Info: www.obereversand.de