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Zukunft ungewiss
22.05.2017
Der City-Port Bremerhaven ist Geschichte. Zumindest weitgehend. Noch bis Ende September 2018 dienen die dortigen Hallen am nördlichen Geesteufer gegenüber der Marineschule als Winterlager für drei Wassersport-Vereine und einige private Bootseigner. Schon jetzt sind die „Steganlagen an den City-Port-Hallen und vor dem Historischen Museum“ laut der Internetseite www.bremerhaven.de „außer Betrieb“.

Verwaist: Die Steganlagen an den City-Port-Hallen und vor dem Historischen Museum sind laut der Internetseite www.bremerhaven.de „außer Betrieb“. (Foto: Buschmann)

Damit verabschiedet sich Bremerhaven von der Idee, in Innenstadt-Nähe Dienstleistungen rund um den Wassersport sowie für Touristen anzubieten. Die Zukunft des rund 1,6 Hektar großen Areals ist völlig offen. Darüber machen sich die Bremerhavener Politiker, der Landesverband Motorbootsport Bremen (LMB) und Vertreter der kommunalen Bremerhavener Gesellschaft für Innovationsförderung und Stadtentwicklung (BIS) und nicht zuletzt die Wassersportvereine selbst Gedanken. Die BIS ist noch für die Vermarktung und Verpachtung der City Port-Hallen zuständig.

Mit der Gesellschaft haben die DLRG, der Wassersport-Verein (WSV) Neptun, der WAV „Untere Geeste“ und der WSV „Geeste“ in den 1990er Jahren einen Pachtvertrag für die Hallen des City Port abgeschlossen. Sie dienen seitdem als Winterlager für die Boote. Die DLRG hat dort ihre Geschäftsstelle, Schulungsräume sowie sämtliche Fahrzeuge und Geräte. Dieser Vertrag läuft am 30. September 2018 aus und soll nicht verlängert werden. So hat es der Magistrat in einer nicht-öffentlichen Sitzung am 26. Oktober 2016 beschlossen. Ob davon auch die DLRG betroffen ist, war nicht zu erfahren.

Damit endet erst einmal eine Geschichte, deren Anfänge bis in die 1970er Jahre zurück reicht. Damals gab es mehrere Versuche, diesen Teil Bremerhavens städtebaulich neu zu sortieren. Hierzu gehörten unter anderem in den 1970er Jahren Pläne, die dortigen Wassersportvereine umzusiedeln. Das Vorhaben scheiterte. In den 1980er Jahren folgte der nächste Schritt: Bremerhaven leitete das Bauleitverfahren „Deichstraße“ ein. Es sah unter anderem eine Verbreiterung der Straße und Grünflächen vor.

Gleichzeitig gab es eine Grundsatzentscheidung, den „vereinsgebundenen Wassersport“, wie es in den Unterlagen der Stadt heißt, am nördlichen Geesteufer zu belassen und den ganz großen Wurf zu wagen. Eine Arbeitsgruppe entwarf das „Entwicklungskonzept City Port Bremerhaven“. Es „beinhaltet die Errichtung eines Wassersport-Servicecenters, unter anderem mit Steganlage (Wasserparkplätzen), Bootslagerhalle, weiteren Dienstleistungsangeboten rund um das Boot, Porthaus inklusive Gastronomieangebot und einen Informationspavillon sowie die Gestaltung der Geesteterrassen, die als gastronomischer Ausrichtungspunkt in räumlicher Nähe zum City Port Bremerhaven konzipiert wurden und über den Geestewanderweg bzw. die Geestepromenade zu verbinden waren“, heißt es im Internet.

Diese Informationen sind auf der Seite www.efre-bremen.de nachzulesen. EFRE steht für Europäischer Fonds für regionale Entwicklung. Aus ihm können Städte und Gemeinden Geld bekommen, wenn Investitionen für eine moderne Wirtschaftsstruktur sorgen sollen. Nach Bremerhaven sind demnach genau 3.150.836 Euro für den City Port geflossen. Die andere Hälfte der Gesamtkosten in Höhe von 6.301.672 Euro mussten Bremen und Bremerhaven berappen. Das Programm lief vom 1. Juli 1997 bis 31. Dezember 1998.

In den folgenden Jahren zeigte sich, dass sich die Hoffnungen der Wirtschaftsförderer Bremerhavens und der Stadtplaner trotz allem vorhandenen Komfort für Wassersportler und Wassertouristen nicht erfüllen sollten. Der City Port wurde immer mehr zum Problemkind. Während die Lloyd-Marina mit Dienstleistungen wie dem modernen Boardinghaus seit ihrer Eröffnung erfolgreich ist, hat sich rund um den City-Port bis heute gar nichts getan.

Im Jahr 2014 stand der City Port schließlich kurz davor, dicht gemacht zu werden. Als Retter erwies sich Hans Jaich. Er ist Betreiber der Lloyd-Marina sowie zahlreicher weiterer Anlagen entlang der Küste und an der Mecklenburgischen Seenplatte. Jaich pachtete die Hallen von der BIS und vermietete die Stellplätze an die Bootseigner und Vereine weiter – jedoch von vorne herein mit der Option, jederzeit wieder aus dem Geschäft aussteigen zu können. Jaich nutzte sie, nachdem die eingefahrenen Verluste für ihn geschäftlich nicht mehr zu vertreten waren.

Damit sollte eigentlich auch für den Magistrat und die BIS das Ende des City Port gekommen sein: Anfang des Jahres flatterte den Mietern der Hallen die Kündigung auf den Tisch. Per 1. April sollten sie ihre Winterlager für immer räumen. Eigentlich. Denn die Kündigung hat die Betroffenen einschließlich des LMB auf den Plan gerufen. Dessen Vorsitzender, die drei Vereine und als dritte Partei im Bunde einige Privatleute, die ihre Winterlagerplätze direkt bei Jaich gemietet hatten, versuchen seitdem, eine Lösung für die Wassersportler zu finden.

Und die zeichnet sich nach einem Ortstermin Ende März sowie mehreren Gesprächsrunden zumindest bis Ende September 2018 ab. „Die Vereine haben bis 2018 ein Bleiberecht“, sagt Sönke Allers, Vorsitzender der SPD-Stadtverordneten-Fraktion. Thorsten Raschen, Chef der CDU-Fraktion und Koalitionspartner, freut sich über ein „sehr vernünftiges Gespräch“ mit den Betroffenen. Selbst Marina-Betreiber Jaich ist nach eigenen Worten „bereit, am Ball zu bleiben.“ Er ergänzt: „Die Richtung muss sein, den Betroffenen Zeit zu verschaffen, damit wir eine sinnvolle Lösung hinkriegen.“ Wie sie aussieht, wird sich nach Auskunft von Allers Ende Anfang Mai zeigen. Bis dahin, so die Einigung, müssten die Beteiligten ein Konzept vorlegen.

Damit ist allerdings noch nicht klar, was nach dem endgültigen Auszug der Wassersportler mit dem City-Port geschehen wird. Hierzu möchte sich offiziell noch niemand äußern. Hintergrund ist unter anderem, dass die Kaje dort marode ist. Keiner kenne im Augenblick den genauen Zustand. Wenn sie denn ein Sanierungsfall sei, müsse die Stadt Bremerhaven dafür in ihre ohnehin leere Kasse greifen, meinen Allers und Raschen. Die Stadt Bremerhaven selbst äußert sich auf Nachfrage in Sachen Perspektiven einsilbig. „Hierüber befinden wir uns in politischen Abstimmungen“, heißt es in einer E-Mail.

Unumstritten ist, dass die Bausubstanz der Hallen gut ist. Zu dieser Einschätzung kommen Vertreter der Mieter. Aus ihrem Kreis ist deshalb zu vernehmen, dass sie für ihren Erhalt sind. Über einen Abriss ließe sich in zehn Jahren diskutieren. Derweil bemüht sich auch der LMB darum, eine Lösung für den City-Port im Sinne seiner Mitglieder zu finden. Wie die aussieht, möchte LMB-Vorsitzender Michael Brassat mit Rücksicht auf „laufende Gespräche“ zurzeit noch nicht verraten. (Ulf Buschmann)

 

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