Logo
SVG News
Zeitungsfotograf und Zeitzeuge
12.01.2018
Es begann mit einem Bericht im Sportschipper: Am 6. Januar wird eine Ausstellung mit Werken von Helmut Schröder, dem „Fotografen der Segler“, in Schloss Schönebeck eröffnet.

Ein Mann und sein Arbeitsgerät: Helmut Schröder nannte sich selbst „Fotograf der Segler“, hat aber tatsächlich mit seinen Fotos umfassende Zeitgeschichte dokumentiert. (Foto: privat)

Nicht nur seine Fotos sind bis heute beeindruckend – vielen Menschen aus Bremen-Nord ist auch der Mensch Helmut Schröder in bleibender Erinnerung geblieben: „Wenn wir wussten, dass er eine unserer Regatten fotografiert hatte, ging man nachher zu ihm aufs Schiff, klönte und bekam als Jungspund zum fairen Kurs einen Abzug in Postkartengröße. Da war man stolz, das hatte schon was,“ erinnert sich Arend Noack, der nun mit Schröders Sohn Kai Röcker eine Ausstellung mit Fotografien von Helmut Schröder im Schloss Schönebeck organisiert hat, die am 6. Januar eröffnet wird.

So an die 120 Fotografien des Vegesacker Zeitungsfotografen und „Fotografen der Segler“, wie Schröder sich selbst nannte, passen wohl für die Sonderausstellung ins Erdgeschoß des Schlosses, überschlägt Arend Noack. Noack ist seit Jahren auch im „Freundeskreis Klassische Yachten“ aktiv. Diese heute so bewunderten historischen Segelboote hat Helmut Schröder in Aktion fotografiert, als sie noch frisch vom Werfthelgen kamen. Die Auswahl der Fotos aus dem Riesennachlass des Vaters sei gar nicht so leicht gewesen, findet Kai Röcker, der noch hunderte weitere Motive hätte beisteuern können. Der Nachlass ist ein wahrer Schatz, auf den Arend Noack vor zwei Jahren durch das Porträt des Fotografen im Sportschipper aufmerksam geworden ist. Diesmal gibt es allerdings mehr als nur Schiffe zu sehen. Kai Röcker: „Es gibt Gesellschaftsfotografie aller Art aus den frühen 1950ern aus Vegesack. Später dann Fotos von allen Werften der Region. Aber klar werden wir im Schloss Schönebeck auch Fotos von Segelboote zeigen. Das war schließlich die große Spezialität meines Vaters.“

Andererseits ist das Kurator-Duo Noack/Röcker aber mit Holger Schleider als Vorsitzendem des Vereins Heimatmuseum Schloss Schönebeck übereingekommen, auch die Arbeit des Zeitzeugen Helmut Schröder zu zeigen. Der war für Auftraggeber wie den Weser-Kurier praktisch immer im öffentlichen Leben präsent. Wo etwas passierte, war Schröder dabei. Arend Noack: „Er hat nicht nur Bilder gemacht, er hat Zeitgeschichte dokumentiert.“ So hat auf den Fotos die „Strandlust“ noch einen Strand und einen Anleger vor der Tür. Die stolze Nachkriegs-„Bremen“ rauscht mit Schlepperbegleitung den Fluss hinunter. In Aga Khans Salon räkelt sich eine Vorzeigeblondine. Und keine Einheit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger wurde getauft, ohne dass Helmut Schröder dabei war.

Der seinerzeit sehr erfolgreiche Regattasegler Arend Noack ist aber heute noch besonders beeindruckt von Helmut Schröders Leistungen bei den Hochseeregatten von Helgoland. Eines der berühmtesten Schröder-Fotos zeigt den Schattenriss der Insel vor sturmgepeitschter See. Tatsächlich steckte der Fotograf mittendrin in diesem Schlamassel auf einer Nussschale von Acht-Meter-Boot, das er sich selbst ausgebaut hatte. Noack: „Man muss sich vorstellen: Helmut Schröder steuerte mit einer Hand das Boot durch drei Meter hohe Wellen und fotografierte mit der anderen. Seine Frau saß im Niedergang und reichte ihm eine seiner mechanischen Kameras nach der anderen und lud neue Filme nach – unglaublich, dass dabei solche Fotos entstanden.“

Wenn in den 1950er und 60er Jahren dann auf der Insel gefeiert wurde, sei Schröder immer voll akzeptiert „mittenmang“ gewesen: „Der gehörte einfach dazu“, so Noack. Helmut Schröder sei eigentlich erst durch die Fotografenlegende Peter Neumann in den 1970er Jahren in seinem Job als Regattabeobachter abgelöst worden, als es ihm langsam genug war mit der Dauerschaukelei „da draußen“, wie sich Kai Röcker lächelnd erinnert.

Noack und Röcker gehen noch einmal die Bauweise der Familienboote als Fotoplattformen durch. Röcker ist gelernter Bootsbauer: „Als offene Rettungsboote waren diese Boote für 65 Leute ausgelegt. Entsprechend mussten da 3,8 Tonnen Gewicht unten in das Schiff rein, damit es halbwegs stabil fuhr.“ Die Folge von Gewicht ganz unten im runden Kiel kann Nautiker Noack leicht einschätzen: Das Boot müsse sehr kurze Rollperioden gehabt haben, und Kai Röcker nickt zustimmend: „Das kann ich so bestätigen.“

Segelgebirge folgt auf Spinnakerhetzjagden und Gleitfahrten berühmter Boote: Mit jedem historischen Schröder-Bild geht bei den beiden Schiffsliebhabern die Definition von Typ, Baujahr, Besitzern und ersegelten Trophäen bis zur Jetztzeit los. Arend Noack entdeckt auf einem Foto sogar den Eintonner „Optimist“, auf dem er als junger Taktiker Ende der 1960er Jahre zwei Weltmeisterschaften mit einfuhr und erst beim dritten Anlauf gegen die Neuseeländer den Kürzeren  zog. Jedes Ausrüstungsdetail, jedes Manöver lässt sich auf den gestochen scharfen Fotos bis heute nachvollziehen.

Es lohnt sich, zur Ausstellungseröffnung am 6. Januar um 15 Uhr dabei zu sein: Dann werden Kai Röcker und Arend Noack nicht nur mehr zu den Fotos sagen, als auf den kleinen Texthinweisen zu erfahren ist. Beide planen als Bonbon für den Tag auch noch die Projektion weiterer ungezeigter Schröder-Fotos. Ob die Ausstellung dem 2007 friedlich verstorbenen Helmut Schröder wohl gefallen hätte? Sein Sohn Kai ist da ganz sicher: „Hundert Prozent: Das wäre voll sein Ding gewesen, so wie ich meinen alten Herrn kenne.“ (Volker Kölling)

 

Dieses  und vieles mehr aus Ihrer Region lesen Sie im Sportschipper, dem Fachmagazi n für Bremen und umzu. Das Abo lohnt sich. Ganze 1,50 Euro kostet das Heft, das dann jeden Monatsanfang in Ihrem Briefkasten liegt. Tel: 0451-898974, gewerbe(at)sport-schipper.de