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Wassersport zu Kaisers Zeiten
25.04.2018
Vor 125 Jahren, am 5. Februar 1893, gründeten 17 Herren den Verein Wassersport e.V. Vegesack (VWV)

Viele historische Postkartenansichten von Vegesack zeigen oft ein schwimmendes hölzernes Bootshaus vor der Strandlust im Bildvordergrund: das Herz des Vereins Wassersport Vegesack, der vor 125 Jahren gegründet wurde.

Die historischen Postkartenansichten von Vegesack zeigen oft ein schwimmendes hölzernes Bootshaus vor der Strandlust im Bildvordergrund: Es ist damals das Herz des Vereins Wassersport e.V. Vegesack (VWV), den vor 125 Jahren am 5. Februar 1893 17 Herren gegründet haben. Der heutige Vereinsvorsitzende Carsten Collrep hat die Vereinsgeschichte fleißig gebüffelt, um die Gäste beim Festakt im Grohner Bootshaus mit auf eine Zeitreise nehmen zu können.

Kaiserzeit, überall Aufbruch, im selben Jahr, aber ein halbes Jahr nach dem VWV, gründet sich der Bremer Vulkan. Seine Majestät betreibt selbst Wassersport. Was die Boote angeht in vergleichsweise kleinerem Maßstab wollen sich auch seine Untertanen auf dem Wasser verlustieren. Der neue Vereinsstander zeigt ein weißes Hanseatenkreuz auf Weiß umrandetem blauem Grund. Das neue schwimmende Bootshaus kommt schon im Mai und bekommt seinen Liegeplatz in der Lesum, etwa dort, wo heute der Dreimaster „Schulschiff Deutschland“ liegt.

Solche großen Schiffe will der Verein gar nicht betreiben: Insgesamt fünf Boote, vier Ruderboote und das Segelboot „Alma“, werden angeschafft. Die Vermietung dieser Boote ist lange Zeit die wichtigste Einnahmequelle des noch jungen Vereins. Aber der Verein hat gar nicht erst die Zeit, in der Lesum richtig heimisch zu werden. Carsten Collrep: „Da am 31. Januar 1895 die Bremen-Vegesacker Fischerei-Gesellschaft gegründet wurde, musste das Bootshaus im Frühjahr 1895 an einen anderen Liegeplatz verholt werden.“ Hoyers Loch an der Weser befindet sich ungefähr dort, wo heute die Signalstation auf der Maritimen Meile steht. Collrep hat recherchiert, dass es selbst die Strandlust zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gegeben hat: Deren Planung begann demnach erst in diesem Jahr 1885, bevor sie dann 1898 fertiggestellt wurde. Eine Spundwand wie heute gibt es damals noch nicht. Die Strandlust und auch das Bootshaus des VWV liegen direkt am weißen Sandstrand von Vegesack. 

1899 löst sich die Ruderriege aus dem VWV und gründet am 15. Dezember 1900 den Vegesacker Ruderverein VRV, dessen Vereinsstander noch ein wenig von der Herkunft zeigt. Neben der kleinen Flotte der Vereinsboote gibt es im VWV auch damals schon private Ruder- und Segelboote, die an einer Bojenreihe direkt vor Vegesacks Postkartenansicht auf der offenen Weser liegen. Größere Yachten machen die Vereinsmitglieder ganz ähnlich auf der anderen Flussseite an Mooringbojen fest. Nach Collreps Recherchen sah man die Vegesacker Vereinsboote aber praktisch im ganzen Revier: „Andere Eigner konnten ihre Boote in der Nähe ihres Wohnsitzes unterbringen , so dass man flussabwärts bis Blumenthal und flussaufwärts bis Lesum überall am Strom Fahrzeuge des Vereins Wassersport unter dem blauen Stander mit dem weißen Kreuz liegen sehen konnte.“

1902 führt die erste offizielle Regatta nach Brake und zurück. Zweimal im Jahr geht es so um die Wette über den Fluss, gerne gegen die Konkurrenz aus dem „Bremer Yachtclub“. Ende Mai 1906 regattieren so 61 Boote gegeneinander. Ganz eng verbunden ist der VWV mit der Entwicklung der „Abteilung Segelsport“ innerhalb des Weser-Yacht-Clubs“, die sich mit 16 Mitgliedern im Juni 1907 gründet, wie Collrep herausgefunden hat: „Die Verbindung beider Vereine bestand darin, dass die Mitglieder der Segelabteilung des Weser-Yacht-Clubs auch gleichzeitig Mitglieder des Vereins Wassersport waren.“

In den alten Vereinsschriften ist auch festgehalten, wie zunehmend schwierig die Situation der Liegeplätze am Fahrwasser der Weser wird. Die Weser ist jahrhundertelang ein langsam vor sich hin fließender Strom mit vielen Flachs und Sandbänken allerorten gewesen. Mit der durch Ludwig Franzius 1878 eingeleiteten Weserkorrektur ist die Weser für Schiffe mit einem Tiefgang von fünf Metern ausgebaggert und begradigt worden. Die Schiffe kommen in Massen, und auch die Strömung nimmt zu. Immer häufiger reißen sich Boote los oder gehen mit ihrem Grundgeschirr auf Drift. Vom Spätsommer 1908 ist notiert , dass die VWV-Mitglieder mit ihren „Bojenbooten“ Schutz im Vegesacker Hafen suchen mussten.

Zwei Jahre später –1910 – weihen die Freunde vom Weser-Yacht-Club ihren eigenen Yachthafen in Lemwerder ein und ziehen viele Boote von der anderen Weserseite in ihre Reihen. Carsten Collrep hat festgestellt, dass der Segelsport im Revier damals immer größere Bedeutung gewinnt. Der Grund: „In diesem Gebiet lieferten gleich drei Yachtkonstrukteure, die später Weltruhm erlangten, ihre Erstlingsboote ab: Da ist einmal die von Lürssen erbaute „Tell“, zum Zweiten die von Max Oertz gezeichnete „Drüber“ und drittens die von Henry „Jimmy“ Rasmussen entworfene und gezeichnete „Durch“ zu nennen.“

Das Bootshaus direkt am Fahrwasser ist die perfekte Aussichtsplattform für den Wettstreit der Segler auf dem Strom. Manch ein Jugendlicher wird auch nur Mitglied im VWV, um die Anlage als Badeplatz nutzen zu können. Eine schwimmende Tankstelle zieht noch mehr Boote an. Aber 1936 muss das Bootshaus in den Vegesacker Hafen umziehen. 1954 kommt die letzte Verlegung mit dem gesamten VWV in den neu gebauten Grohner Hafen. Das Bootshaus reißt sich hier bei der Sturmflut 1962 los, treibt auf die Böschung und wird zum Totalschaden. Daraus hat der VWV gelernt: Das aktuelle steinerne Bootshaus überragt selbst die Masten der 135 Boote, die heute mit dem VWV-Stander im Hafen liegen.  (Volker Kölling)

 

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