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Traditionsschiffer atmen auf
29.08.2017
Bundesverkehrsminister will neue Sicherheitsauflagen mit Millionenprogramm für deren Umbau und Ausbildung der Crews unterstützen – Bestandsgarantie für alle Schiffe

Rosigere Zeiten in Sicht? Die Signale aus dem Bundesverkehrsministerium in Richtung Traditionsschifffahrt lassen hoffen. (Foto: © Rico K. - Fotolia.com)

 

Was lange als Sargnagel für die Flotte der deutschen Traditionsschiffe beklagt worden ist, könnte sich jetzt als Rettungsprogramm für so manches schwimmende Denkmal mit Investitionsstau entpuppen: Das Bundesverkehrsministerium will die neuen Sicherheitsauflagen für Traditionsschiffe mit einem Millionenprogramm für deren Umbau und die Ausbildung der Crews flankieren. Außerdem gibt es eine Bestandsgarantie für alle Schiffe. Ein Einlenken gab es im Ministerium auch beim Tempo der Neuregelungen: Erst zum Januar 2018 soll die neue Verordnung kommen.

Die Windjammerparade zur Kieler Woche am letzten Juni-Wochenende hatte ein Loch in der Formation, das kein Zufall war: Die Gemeinsame Kommission für Historische Wasserfahrzeuge (GSHW) hatte als Dachverband der deutschen Traditionsschiffe den Dreimaster „Thor Heyerdahl“ ganz bewusst weit vor das Feld der über siebzig teilnehmenden Schiffe gesetzt. In den Takelagen der Schiffe wehte der Trauerflor vor einem Riesenpublikum an Stränden und Kajen. Die Eigner und Trägervereine fürchteten zu diesem Zeitpunkt schlicht um die Zukunft ihrer Schiffe, da einige der Zeugen der maritimen Geschichte Europas den neuen Anforderungen der sogenannten Schiffssicherheitsverordnung (SchSVO) nicht würden standhalten können. Es ging um 110 Traditionsschiffe an Nord- und Ostsee und in den Flüssen, die so manchem Hafen erst ein Gesicht geben.

GSHW-Vorsitzender Jan-Matthias Westermann hatte am 20. Juni in Berlin bereits mit noch mehr Aktionen gedroht, sollte die Verordnung wie geplant zum 1. Juli vom Bundesverkehrsministerium in Kraft gesetzt werden. Westermann hatte aber schon in einem Gespräch mit hochrangigen Vertretern aus dem Ministerium auf Arbeitsebene gemerkt, dass sich Berlin intensiv mit den Änderungswünschen aus der Traditionsschifferszene auseinandersetzen wollte. Und der für die Schifffahrt zuständige Ministerialdirektor Reinhard Klingen war schon so weit gegangen, eine grundsätzliche Bestandsgarantie für jedes Traditionsschiff abzugeben. Westermann: „Dazu kam grünes Licht zu einer anderen Sache, die uns ganz wichtig ist: Dass bei den weiteren Gesprächen mit dem Ministerium zur Verordnung immer auch die Berufsgenossenschaft See (BG See) als ausführende Stelle mit am Tisch sitzt.“ Man war misstrauisch, dass klare Abmachungen mit Berlin von den Schiffsprüfern vor Ort „falsch verstanden“ werden könnten.

Die Berliner Beamten stimmten zu und sprachen sich auch für einen Ombudsmann plus Stellvertreter aus, der alle strittigen Fragen nach Schiffsprüfungen gemäß der neuen Verordnung klären soll. Sogar Namen wurden schon genannt. Westermann „Wir haben dazu Vertraulichkeit abgesprochen. Aber ich kann für den GSHW sagen, dass wir die Ernennung dieser in Frage kommenden Person sehr begrüßen würden.“ Allen ist klar: Es wird zu Aufregern kommen, wenn die BG See bauliche Veränderungen für erforderlich hält und Eigner und Vereine sich gegen die Umbauten wehren, weil sie die Historie der Schiffe zerstören. Westermann und die Seinen sind jedenfalls hochaufmerksam: „Für jedes Traditionsschiff  wird ein Zertifikat erstellt, und wir werden jede Prüfung genau begleiten. Wird durch den Zustand des Schiffes natürlich die Sicherheit der Besatzung und der Gäste gefährdet, muss man schauen, was man machen kann.“

Am Rande der Gespräche sei von einem Topf mit zwanzig Millionen Euro gesprochen worden, aus dem Umbauten und Crewtrainings gefördert werden sollen. Westermann hat gerechnet und auf fünf Jahre fünfzig Millionen Euro verlangt. Der Betrag bleibt letztlich offen. Westermanns wiederholter Bitte, mit der Verordnung noch die nächsten Treffen der neuen Arbeitsgruppe abzuwarten, um deren Ergebnisse noch in das Werk mit einzuarbeiten, entsprachen die Beamten erst einmal nicht.

Das überlassen sie ihrem Chef: Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), verkündete am 30. Juni das Inkrafttreten der neuen Vorschriften erst für den 1. Januar 2018. Bis dahin soll die neue Arbeitsgruppe zweimal getagt haben. Der Cuxhavener Bundestagsabgeordnete bestätigte auch die Ernennung eines Ombudsmannes für Streitfragen, ebenfalls ohne Namen zu nennen. Zu Summen in Fördertöpfen kam von Ferlemann erst einmal noch nichts. Jan-Matthias Westermann ist als GSHW-Vorsitzender trotzdem zufrieden mit diesem Etappensieg für den Erhalt der Flotte.

Bremens Häfensenator Martin Günthner (SPD) begrüßte das Umdenken im Bundesverkehrsministerium ebenfalls ausdrücklich und verwies auf den Druck der norddeutschen Küstenländer auf Berlin in der Angelegenheit: „Endlich hat das Bundesverkehrsministerium eingelenkt. Das ist der richtige Weg. Nun kann eine konstruktive Lösung für den Erhalt und die Zukunft der Traditionsschifffahrt erarbeitet werden.“

Nicht ganz so positiv beurteilen die Bremer Grünen die aktuelle Entwicklung. Ihre Fraktionsvorsitzende Maike Schaefer, selbst Seglerin, sprach nur von einem Aufatmen für die Saison 2017. Der drohende Untergang der Traditionsschifffahrt sei damit aber noch nicht abgewendet. Die finanzielle Unterstützung für Umbauten sei nur ein Teilaspekt der künftigen Verordnung. Maike Schaefer: „Die deutlich höheren Auflagen für die ehrenamtlichen Crews sind gar nicht vom Tisch. Bleibt die Sicherheitsrichtlinie so bestehen, müssten die ehrenamtlich Aktiven immer wieder sehr zeitaufwändige und teure Lehrgänge absolvieren.“ Grundsätzlich beklagte sie den Geist der Verordnung, der die Vorschriften für die Traditionsschifffahrt an vielen Stellen mit denen der Berufsschifffahrt gleichsetze. (vk)

 

 

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