Logo
SVG News
Schwimmendes Winterdomizil
21.02.2018
Birte Lämmle und Nico Strangemann leben und arbeiten das ganze Jahr über an Bord ihrer „TamTam“

Kuscheliger Lebensmittelpunkt: Birte Lämmle und Nico Strangemann haben sich an Bord ihrer „TamTam“ häuslich eingerichtet. (Foto: Oberstech)

Auf dem Steg liegt der erste Schnee, und Hagelkörner trommeln auf das Deck der „TamTam“. Aber in der holzvertäfelten Kajüte der Yacht ist es gemütlich und kuschlig warm.

Seit zweieinhalb Jahren leben Birte Lämmle und Nico Strangemann bereits an Bord und haben es nicht bereut. Ihre „TamTam“ haben sie in Frankreich gekauft und in die Lloyd Marina nach Bremerhaven überführt, um hier zu überwintern.

Angefangen hat alles 2015, als beide mit der ersten „TamTam“,  einer knapp über neun Meter langen Albin Ballad, aufgebrochen sind. Geplant war zunächst nur eine einjährige Auszeit, die das Bremer Segelpaar über verschiedene Häfen im englischen Kanals bis nach Cameret-Sur-Mer in der  Bretagne führte. Anschließend wollten sie eigentlich wieder eine Wohnung suchen. „Aber wir haben einfach keine passende gefunden“, sagt Birte Lämmle (37). „Außerdem haben wir uns wohl doch schon sehr an ein Leben auf dem Boot gewöhnt“, ergänzt Nico Strangemann (41). Der Entschluss war schnell gefasst: „Wir leben und arbeiten weiterhin an Bord und brauchen dazu ein größeres Boot.“

Die neue „TamTam“, eine First 375, 11,30 Meter lang und 3,80 breit, haben sie zu einem günstigen Preis in Cherbourg gefunden. Allerdings waren umfangreiche Überholungs- und Umbauarbeiten nötig, von denen die meisten in Eigenarbeit erledigt wurden. Im August begann die Rückreise in die Weser. Ohne besonderen Zeitdruck, denn in Bremen warteten keine besonderen Verpflichtungen oder ein ungeduldiger Arbeitgeber. Die „TamTam“ ist nicht nur schwimmendes Zuhause, sondern auch Büro und Arbeitsplatz. Birte Lämmle arbeitet als selbstständige Kommunikationsdesignerin, und Nico Strangemann ist Mediengestalter. Ihre Arbeitsmittel sind Computer und Internet.

 „Wir sind darum keine Aussteiger, sondern Umsteiger“, betont Birte Lämmle. Das Leben auf dem Boot verbindet Arbeits- und Privatleben in einzigartiger Weise. „ Obwohl wir an Bord arbeiten, ist das Leben auf dem Boot aber immer  auch wie Urlaub,“ so Nico Strangemann. Den beiden geht es nicht ums Meilenfressen, um in möglichst kurzer Zeit ferne Ziele zu erreichen. „Wir wollen langsam unterwegs sein, damit wir überall da länger bleiben können, wo es uns gefällt“, sagt Birte Lämmle. In vielen Häfen habe man Freunde gefunden und Kontakte geknüpft. „Vom Boot aus nimmt man außerdem viele Orte anders und intensiver wahr als sonst“, so die Erfahrung von Nico Strangemann.

Seit 15 Jahren lebt das Paar schon zusammen.  Segeln und Bootsleben haben sie schon als Kinder auf den Booten der Eltern kennengelernt. Später standen dann andere Interessen im Vordergrund. Erst  über das gemeinsame Surfen und die damit verbundenen VW-Bus-Touren durch ganz Europa sind beide wieder auf den Geschmack für ein Leben an Bord gekommen.

Der Alltag an Bord im Hafen gestaltet sich eigentlich nicht viel anders als in einer Wohnung. Nur das Ambiente ist komplett anders: Das Wasser gluckert beruhigend unter dem Rumpf, das Boot bewegt sich sanft schaukelnd im Wind, und frische Seeluft kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit tanken. Der große Küchenbereich mit Spüle, Backofen und Kühlschrank lässt kaum Wünsche offen. Toilette und Dusche sind auch vorhanden, und außer dem Hauptsalon stehen drei Kabinen zur Verfügung. Die neu eingebaute Umluftheizung sorgt für angenehme Wärme in der komplett neu isolierten Kajüte.

Natürlich dauern viele Dinge einfach  länger als an Land, so beispielsweise das Einkaufen oder Wäschewaschen im Servicegebäude des Hafens. Und zu basteln und zu reparieren gibt es auch immer etwas. Aber die  Verlangsamung und Unmittelbarkeit scheinbar banaler Handlungen führt gleichzeitig zu einer intensiveren und bewussteren Wahrnehmung des Alltäglichen.

Aber wie klappt das enge Zusammenleben auf knapp zwölf Quadratmetern? Offenbar besser, als man denken könnte: „Durch die Enge gehen wir viel rücksichtsvoller miteinander um und  haben eigentlich weniger Auseinandersetzungen als früher an Land“, sagt Nico Strangemann. „Obwohl man auf unserem neuen Boot sogar Türen hat, mit denen man mal richtig knallen könnte.“ (Otto Oberstech)