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Saubere Sammelleidenschaft
12.10.2017
Rund 50 Freiwillige sammeln reichlich Müll auf Wangerooge – „Soltwaters“ zum zweiten Mal aktiv

Üble Mischung: Flaschen, Netze, Plastik, Sonnenbrillen – die Bilanz der Müllsammler von Wangerooge ist ernüchternd. (Foto: Iris Bornhold

Wattsegler sind jetzt im Osten der Insel Wangerooge zu Müllsammlern geworden, wo in den streng geschützten Ruhezonen des Nationalparks selten ein Mensch seinen Fuß auf den Sand setzt. Rund 50 Freiwillige haben dabei vor allem Netze, Glas und Eisenteile gefunden. Eingeladen hatten die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, der Mellumrat e.V., die Gemeinde Wangerooge und der Seglerverband „Soltwaters“ als Interessenvertretung der Wattfahrer.

Nipptide bei halbem Mond bedeutet für die flach gehenden Schiffe fast einen halben Meter weniger Wasser in den Watten. Als die Soltwaters-Vorsitzende Iris Bornhold am Freitag Abend mit ihrem flach gehenden Trimaran in der blauen Stunde beim alten Anleger auf der Ostseite von Wangerooge ankommt, hat trotzdem schon eine ganze Flotte der „Soltwaters“-Mitglieder die Anker geworfen. Bis zum Morgen werden es 23 Boote sein, von denen die meisten dort trockenfallen, wo die Insel einst ihren alten Fährhafen hatte. Aus Hooksiel bringen zwei Motorboote noch einmal zehn weitere Freiwillige an den Strand.

Gerd Scheffler hat die Aktion für „Soltwaters“ koordiniert und einen genauen Ablaufplan vorbereitet. Im Vorjahr hat der Verein zum ersten Mal auf der „verbotenen“ Insel Minsener Oog dem Nationalpark und dem Mellumrat beim Aufräumen geholfen. Auf Wangerooge plant Scheffler wieder, die Freiwilligen in zwei Gruppen aufzuteilen. Zwei Schlauchboote übernehmen den Shuttledienst von Boot zu Boot und bringen die Müllsammler an den Strand. Scheffler: „Eigentlich wollten wir auch im Westen der Insel sammeln, aber der ist momentan ja praktisch eine riesige Baustelle.“ Also teilen sich die Gruppen in die Seeseite und die Wattseite auf.

Schnell ist klar, dass es in diesem Jahr nicht die 18 000 Strandmüll-Teile werden, die man noch das Jahr zuvor auf der unbewohnten Insel gefunden hat. Für Norbert Hecker als Gebietsbetreuer bei der Nationalparkverwaltung ist das ein gutes Zeichen dafür, dass die seit einiger Zeit permanent aufgestellten Müllsammelboxen an den Stränden Wirkung zeigen: „Da erleben wir schon einige Wanderer, die auf ihren Touren aus freien Stücken aktiv werden und Müllfunde dort entsorgen.“

Iris Bornhold ist barfuß auf der Südroute unterwegs und wundert sich, dass sie hier viel mehr Glasfunde machen als noch das Jahr zuvor auf dem Strombauwerk Minsener Oog: „Wir sind zu Dritt hintereinander gegangen, und der Letzte hat immer noch Scherben im Sand gefunden.“ Auch Metallteile landen hier zuhauf in den Sammeltüten. Norbert Hecker weiß, dass hier im Südosten der Insel nicht nur der alte Fährhafen, sondern auch das Bünger Heim aufgegeben worden ist. Er hat sich vorgenommen: „Wir werden hier mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt noch in diesem Jahr im Rahmen einer größeren Maßnahme den Bauschutt aus dem Watt entfernen.“

Die Nordgruppe rund um Gerd Scheffler findet auf der Seeseite der Insel gleich vier Netze: „Eins war fast vollkommen vom Sand verschluckt. Wir mussten ganz schön buddeln, um das zu bergen.“ Styroporkisten der Fischerei gehören hier auch noch zu den Fundstücken, dazu Massen an unvergänglichen Zigarettenkippen und kleinen Kunststoffteilen, die für die Tierwelt auf und vor den Inseln besonders gefährlich sind. Iris Bornhold ist sich sicher: „Da, wo wir entlang gegangen sind, ist der Insel-Osten jetzt wirklich sauber.“ Wobei Norbert Hecker ihr dazu nur für den Moment Recht geben kann: „Der Sand weht viel Müll zu. Und so wird durch die Frühjahrsstürme doch immer wieder allerhand freigelegt.“ Grund genug also, solche Sammelaktionen zu wiederholen? Früher galt das Verhältnis zwischen den Wattseglern und den offiziellen Naturschützern gelinde gesagt als problematisch. Aber der Mann der Nationalparkverwaltung hat nichts dagegen: „So kommen wir vom Nationalpark auch einmal mit den Wattseglern ins Gespräch. Und nichts ist doch besser, als wenn man miteinander redet.“ Das passiert am Abend der Sammlung auch noch auf den Booten der „Soltwaters“-Flotte – vom Anker am alten Anleger vor Wangerooge-Ost. Die meisten verlassen erst am Sonntag mit der Morgentide das traumhafte Fleckchen Wasser – das jetzt ein bisschen sauberer ist als tags zuvor. (Volker Kölling)

 

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