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Reichlich Redebedarf
15.02.2018
Bremens Bürgermeister Carsten Sieling zu Gast beim Neujahrsempfang des Kutter- und Museumshafen-Vereins Vegesack

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling zu Gast beim Neujahrsempfang des Kutter- und Museumshafen-Verein Vegesack. Unter den Gästen war auch Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt (links). (Foto: Christian Kosak)

Carsten Sieling hat viel zu lesen. Einem Dokument wird der Bremer Bürgermeister in nächster Zeit seine besondere Aufmerksamkeit widmen: der neuen Sicherheitsrichtlinie (Siri) für Traditionsschiffe. „Ich werde mich da reinhängen“, sagt Sieling gegenüber dem Sportschipper. Die Traditionsschifffahrt dürfe nicht beschränkt werden, „sie ist für Bremen ein wichtiges Thema.“ Sieling muss eingestehen, dass sich das kleinste Bundesland in der Diskussion über die Siri in den vergangenen Monaten eher zurückgehalten habe.

Die Siri, von der in Vegesack die BV2 „Vegesack“, die „Verandering“ und der Weserkahn „Franzius“ betroffen sind, ist nur eines der Themen, die die Mitglieder und Unterstützer des Kutter- und Museumshafen-Vereins Vegesack beschäftigen. Auch die Verschlickung von Deutschlands erstem künstlich angelegtem Hafen, der anstehende Hochwasserschutz und die Neugestaltung des Hafenumfeldes – die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes sowie der Abriss und Neubau von Teilen des Einkaufszentrums Haven Höövt – gehören dazu. Sie sind denn auch beim Neujahrsempfang des Vereins Anfang Januar im Vegesacker Thiele-Speicher zur Sprache gekommen.

Sehr zur Freude der Besucher sind Sieling und Michael Harjes, in der Senatskanzlei zuständig für die Koordination der Arbeit der Stadtteilbeiräte, persönlich erschienen. Dies ist für den Vereinsvorsitzenden Rolf Noll und seine Mitstreiter aus mehreren Gründen wichtig. Dass der Bürgermeister nach Vegesack gekommen sei, zeuge von einem guten Stück „Wertschätzung“ der Vereinsarbeit. Denn was den im Verein engagierten Menschen fehle, ist „hier und da ein positives Echo“, sagt Noll in seiner Begrüßung. Damit spielt er auf das eher negative Image Bremen-Nords bei den Vertretern von Politik und Verwaltung an.

Sielings Abstecher nach Bremen-Nord ist den Aktiven aber auch deshalb wichtig, weil sich der Bürgermeister selbst ein Bild vom Thiele-Speicher machen kann. Hintergrund: Im vergangenen Jahr trug sich die Stadtgemeinde Bremen als Besitzerin der Immobilie unter anderem mit dem Gedanken, den Nutzern eine Miete in Rechnung zu stellen, die aus Sicht der Vereine inakzeptabel ist. Auch eine ganz andere Nutzung als durch die Vereine war hier und dort im Gespräch. Begründet wurde dies mit notwendigen umfassenden Sanierungs- und Brandschutzmaßnahmen.

Der Beirat und das Ortsamt Vegesack konnten das Ansinnen der Verwaltung im letzten Moment abwenden. Darauf weist Ortsamtlseiter Heiko Dornstedt in seiner kurzen Ansprache hin. Sieling seinerseits bekennt: „Ich bin erstaunt, wie viele Vereine hier unter einem Dach zusammenarbeiten.“ Nicht nur für die Schiffer ist der Speicher Heimat. Auch der Fechtclub Bremen-Nord  (FCBN) trainiert im ersten und zweiten Obergeschoss. „Es ist das Haus Vegesacks“, sagt Sieling anerkennend, „es ist ja auch ortsbildprägend.“

Noll, Dornstedt und Vegesacks Beiratssprecher Jürgen Hartwig liegen auch die Lösung des Hafenschlick-Problems und der anstehende Hochwasserschutz am Herzen. Der von den beiden Bundesländern Bremen und Niedersachsen gemeinsam auf den Weg gebrachte „Generalplan Küstenschutz“ sieht vor, dass die Uferkante rund um den Vegesacker Hafen um 70 Zentimeter erhöht wird.

Doch angesichts der Bedeutung des Vegesacker Hafens könne das Thema nicht mit der sprichwörtlichen Brechstange angegangen werden. Dies machten die Mitglieder des Vegesacker Beirats im vergangenen Jahr mehrfach deutlich. Sie forderten Kreativität und Augenmaß. Ortsamtsleiter Dornstedt nimmt den Faden beim Neujahrsempfang wieder auf: „Das ist etwas, woran wir gemeinsam arbeiten müssen.“ Es gehe nicht an, dass „man hinter einer erhöhten Spundwand einen Hafen vermutet.“ Viele Leute in der Runde nicken zustimmend.

Auch das Thema Hafenschlick spricht Noll an. Zwar seien Lesum und Weser gut schiffbar, doch den Skippern mache die Ein- und Ausfahrt aufgrund der Ablagerungen zu schaffen. Schuld daran sind laut Noll Einschwemmungen der in den Hafen mündenden Schönebecker Aue sowie die Oberflächenentwässerungen. Der Vereinsvorsitzende berichtete dem Bürgermeister von seinen Gesprächen mit Fachleuten: „Das muss einmal richtig ausgebaggert werden, und dann ist Ruhe.“ Die dann wieder eingeschwemmten Sedimente könnten in der Zukunft aus dem Hafen gespült werden. Das Ausbaggern indes ist bislang am fehlenden Geld gescheitert.

Insgesamt zeigt sich Noll an diesem sonnigen Sonntagvormittag zufrieden mit dem vergangenen Jahr. Auch wenn der Draht in Richtung Bremen-Stadt nicht so heiß sei, funktioniere immerhin die Zusammenarbeit der Vereine in Bremen-Nord und Bremerhaven, zum Beispiel mit der „Schiffergilde“ recht gut. Auch mit der Wirtschaftsförderung klappe es hervorragend, „insbesondere mit der Abteilung Tourismus“. Alles in allem hätten sich die Vegesacker „im Revier recht gut verkauft“, freut sich Noll. Gerne erinnert er an den Boots- und Schiffsflohmarkt im Frühjahr mit über 1.000 Besuchern und an die Moonlightfahrt als besonderes Angebot bei der „Langen Nacht der Museen“. (Ulf Buschmann)