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Plastik statt Papier und viel teurer
22.02.2017
Eine Plastikkarte statt der vielen einzelnen Papierscheine mit dem Bundesadler drauf: Bei den Sportbootführerscheinen soll sich noch im Jahr 2017 einiges ändern.

Der Sportbootführerschein auf neuem Kurs. © JFsPic - Fotolia.com

Mit der neuen Verordnung wird sich dann die Prüfung zum Sportbootsführerschein See wohl auch im Ausland ablegen lassen. Einher mit ersten Infos zu den praktischen Neuerungen kommt aber auch eine schlechte Nachricht: Die Gebühren für die Wassersportführerscheine werden voraussichtlich um 15 bis 25 Prozent auf über 100 Euro steigen.

Betroffen sind bundesweit rund 65.000 Menschen, die jedes Jahr den Sportbootführerschein See oder Binnen machen. Mit den Funkzeugnissen und den weiterführenden Wassersportführerscheinen wie dem Seeschiffer- und dem Hochseeschifferschein kommt man in Deutschland jährlich sogar auf rund 75.000 Prüfungen für die amtlichen Ausweise. Ein großer Markt.

Der ADAC mit seiner breit aufgestellten Wassersportabteilung hat  rund um das Jahr 2010 um eine Überarbeitung der sogenannten Beleihungspraxis des Bundesverkehrsministeriums gebeten. 2012 gab es im Ministerium schon eine Expertenrunde. Bisher bilden immer Prüfer von drei Organisationen die jeweiligen Prüfungsausschüsse: Der Deutsche Segler-Verband, der Deutsche Motoryachtverband und die jeweils zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter (WSA). Laut Steffen Häbich, für Wassersport zuständiger Abteilungsleiter in der Münchener ADAC-Zentrale, muss das Ministerium noch über eine Bewerbung des ADAC entscheiden, auch Prüfer stellen zu dürfen: „In einem ersten Entwurf des Ministeriums für die neue Führerscheinverordnung ist der amtliche Prüfer des WSA aber auf jeden Fall schon nicht mehr dabei. Da wird sich die Zahl der Prüfer also auf zwei reduzieren.“

Wie die anderen Verbände und Institutionen rund um den Wassersport hat der ADAC zu dem ersten Verordnungsentwurf bereits seine Stellungnahme abgegeben. Lange hieß es, die Neuerungen könnten schon zum 1. April in Kraft treten. ADAC-Mann Häbich sieht in der Szene auch wenig Widerspruch gegen den Entwurf, eher offene Fragen. Die Plastikkarte soll Kreditkartenformat haben, aber wer sie herstellt und wie genau sie ausgegeben wird, ist laut Häbich noch offen: „Wer seinen Führerschein im Urlaub macht, möchte ihn nach der Prüfung ausgehändigt bekommen und nicht noch auf eine Bundesdruckerei warten, die ihm den Wochen später zuschickt.“ Technisch ließe sich das aus seiner Sicht verbraucherfreundlicher organisieren, indem Prüfer die Ausweise vor der Prüfung bereits hätten: „Fällt jemand durch, behält der Prüfungsausschuss den Schein noch ein, ganz einfach“, so Häbich.

Inhaltlich ändert sich im Lehrstoff und an den Prüfungen für den amtlichen Sportbootführerschein See und das Gegenstück Binnen nichts. Beide Verordnungen bleiben bestehen. Man bekommt nach Bestehen praktisch nur beide Scheine auf einer Karte bestätigt. Funkscheine oder die weiterführenden Scheine werden nicht darauf vermerkt, sondern auf eigenen Zertifikaten anerkannt – auch weil etwa für die Funkzeugnisse ein anderes Ministerium zuständig ist.

Für den Sportbootsführerschein See soll eine eigene Kategorie „unter Segeln“ eingeführt werden. Damit würde auf Bitten des Deutschen Segler-Verbandes praktisch eine Lücke bei den amtlichen Ausweisen geschlossen, die es bisher gegeben habe, meint Steffen Häbich: „Einen Sportbootführerschein Binnen unter Segeln gab es ja bereits. Die Idee hinter „See unter Segeln“ ist es, dem eigenen seglerischen Nachwuchs neben den Jüngstenscheinen und Segelgrundscheinen einen Weg zum amtlichen Führerschein in ihrem Sport aufzuzeigen.“

Wie dieser neue Sportbootführerschein See „unter Segeln“ vermittelt werden soll, wissen die Wassersportschulen noch nicht im Detail. Klaus Schlösser von Bremens „bootsausbildung.com“ betont aber, dass man auch weiterhin im See- wie im Binnenrevier „nur“ den Sportbootführerschein See oder Binnen „unter Motor“ braucht, um Motor- oder Segelfahrzeuge mit mehr als 15-PS auf dem Propeller zu steuern. Eine Längenbegrenzung für das Wasserfahrzeug gibt es bei See weiterhin nicht, beim Binnenschein darf das Boot laut Entwurf statt bisher 15 dann 20 Meter lang sein. Das sei an der Stelle auch das einzig strittige Detail, so Ausbilder Klaus Schlösser: „Mit der Längenerweiterung ist Mecklenburg-Vorpommern nicht so ohne weiteres einverstanden.“ Grundsätzlich würden für ihn  als Schule die Neuerungen keinen großen Unterschied machen. Für alle Scheine und Bereiche werde ohnehin alles modular unterrichtet.

Der Wassersportausbilder Schlösser sieht gleichwohl eine Welle von Neuanmeldungen auf sich und die Kollegen zukommen, wenn sich erst einmal die künftigen Prüfungsgebühren herumgesprochen haben. Nach seinen Worten hat das Finanzministerium die aktuellen Gebühren geprüft und für viel zu niedrig befunden. Von Steigerungen von bis zu 25 Prozent ist beim Verband der Deutschen Wassersportschulen die Rede, umgerechnet also von über einhundert Euro nur an Prüfungsgebühren. Dafür soll die Anmeldung zur Prüfung schneller gehen – in einer statt in zwei Wochen. Und wer durchfällt, muss sich auch nicht vier Wochen lang schämen: Bald kann man theoretisch ohne Sperrfrist schon am nächsten Tag erneut zur Prüfung gehen. (Volker Kölling)

 

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