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Mit Improviastion ins Winterlager
08.12.2017
Belegschaft der Hunte-Marina meistert Unwägbarkeiten des ersten Betriebsjahres mit Erfinderreichtum, freundlichen Helfern und viel Zuversicht

Exponierte Lage: Die Hunte-Marina liegt in direkter Nachbarschaft zur Elsflether Werft Die großen Werftkräne halfen beim Einlagern der Privatboote aus. (Foto: Kölling)

Hinten fahren noch die Bagger, vorne, auf dem asphaltierten Hof, steht Schiff an Schiff: Ohne einiges Improvisationstalent wäre es wohl nichts geworden mit dem ersten Betriebsjahr 2017 der Hunte-Marina. Gut, wer eine Werft als Nachbar und Gesellschafter hat: Weil der Slipp unbenutzbar blieb, holten die Kollegen der Elflether Werft die knapp 60 Yachten einfach mit den schweren Werftkränen an Land.

Klaus Deden hat seinen großen Katamaran in den vergangenen sieben Jahren immer weiter renoviert und Roland Bolles von der Elsflether Werft sogar Fotos und Skizzen gemacht, wie man seinen zweibeinigen Segler aus dem Wasser hochhieven und dann vorsichtig an Land lagern muss: „Ich habe mir bei diesem Manöver auf einem anderen Werftplatz schon einmal ein Loch ins Schiff fahren lassen. Das ist nicht so ohne.“ Sechs Mann mit Helmen hat Vorarbeiter Bolles eingeteilt, ihn selbst eingerechnet. Sie verteilen die breiten Krangurte an genau vorbestimmten Stellen an dem Schiff – da wo innen Schotts quer verlaufen und die Konstruktion besonders stabil ist. Bald hängen die sechs Tonnen der „Catalac 10.34“ Meter über dem Wasser in der Luft und tropfen das Huntewasser zurück in den Fluss

Bolles hat Verständnis für die etwas schwierige Kundschaft: „Natürlich ist das etwas anders als unser Tagesgeschäft mit den grauen Schiffen und den anderen Berufsschiffen.“ Mit der weißen Flotte müsse man sensibler umgehen und sich mehr auf die Wünsche der Eigner einstellen: „Für die sind die Boote wie eigene Kinder, das haben wir in den vergangenen Wochen schon begriffen. Und natürlich ist da mancher dabei, der sein Leben lang auf sein Boot gespart hat. Da ist man dann halt empfidlicher.“

Der Vorarbeiter muss wieder an sein Walkie-Talkie und den Kranführer oben in der Kanzel einweisen, wie er den Katamaran abstellen muss. Auf den Spezialhubwagen wird für das Boot mit seinen zwei Kielen eine Balkenkonstruktion gesetzt. Es geht um Zentimeter, bis der Kat dann mit großen Keilen endgültig festgesetzt ist. Boote bis 25 Tonnen Gewicht schafft der orange-blaue Kran an dieser Pier. Das mit 16 Meter größte Motorboot mussten sie allerdings mit dem großen 50-Tonnen-Werftkran auf der anderen Seite der Anlage an Land hieven, erzählt Mara Lüddens, die Projektbeauftragte der neuen Hunte-Marina: „Früh war klar, dass die Slippbahn nicht fertig werden würde und wir improvisieren müssen wie bei fast allen Dingen in diesem Jahr. Die Jungs von der Werft haben sich richtig reingekniet und teilweise von 6.30 bis 17.30 Uhr durchgehend gekrant.“ Der blonden Frau kann von den Männern im Blaumann ohnehin keiner etwas abschlagen, bis die 55 Boote an ihrem Platz sind: 16 in der isolierten Halle und 39 draußen im Freilager.

Michael Rohde von „rock-n-roll-shipping“ kommt auf seinem E-Roller angeflitzt, um auch bei diesem Boot zu helfen. Alle machen Witze über sein Fortbewegungsmittel, aber der Yacht-Spezialist lacht nur gutmütig zurück: „Ohne das Ding wären hier aber richtig Kilometer zu Fuß zusammen gekommen: Die Boote müssen ja alle mit dem Hubwagen einmal hinten um die Werft herum bis auf unser Grundstück transportiert werden. Das läufst Du nicht, wenn Du schlau bist.“ Er und sein Kompagnon Andreas Meyer sind mit vielen Eignern von der Bootswerft Deters in Berne in die neue Hunte-Marina umgezogen und haben das Yacht-Know-How mitgebracht. Rohde: „Hier am Kran treffen wir manche Eigner mitunter auch zum ersten Mal und können dann gemeinsam durchgehen, ob wir etwas an ihren Booten erledigen sollen.“ Möglich ist generell alles, von der neuen Lackierung bis zur Montage, von Ausrüstung und Elektronik.

Werftchef Klaus Wiechmann kommt zum vorletzten Yachten-Kranen in diesem Jahr dazu. Wie ist er eigentlich als Werftchef auf die Idee gekommen, jetzt auch noch eine eigene Winterlager-Marina zu gründen? Wiechmann grinst breit und erzählt von seinen eigenen Schwierigkeiten, im Revier westlich der Weser einen Liegeplatz an Land für sein eigenes Boot zu finden. Ob er eine Bedarfsanalyse gemacht hat? Sein Grinsen wird noch breiter: „Natürlich! Auf einem DIN-A-4-Zettel am Küchentisch in zehn Minuten. Aber im Ernst: Wir haben hier ein wunderschönes Revier und praktisch keine Servicemöglichkeiten für Yachten. Das ändern wir gerade.“ Anfangs habe er sich nur das letzte Wassergrundstück im Industriegebiet rund um die Werft sichern wollen. Dann sei die Idee mit der Full-Service-Marina gekommen.

Michael Rohde erzählt davon, dass wohl schon im kommenden Jahr der Hubwagen die Boote direkt auf der Rampe hinter dem Marina-Grundstück aus dem Wasser ziehen wird: „Aber da wird auch noch eine Wand in den Fluss hinein gebaut, damit man die Boote geschützt vor der Strömung herausholen kann.“ Klaus Wiechmann will außerdem an seinem neuen Grundstück entlang auch die Werftkaje verlängern: „Aber man macht sich gar keine Vorstellungen, wen man dafür alles um Erlaubnis fragen muss, nur um seinen Betrieb zukunftsfähig zu halten.“

Klaus Dedens Katamaran „Goldwing“ ist inzwischen fertig mit seiner Süßwasserbrause. Den Bewuchs der langen Saison hat ein Werftarbeiter im Ölzeug mit dem Hochdruckreiniger vom Rumpf des Schiffes abgestrahlt. Dann geht der letzte 500-Meter-Törn des Jahres los – huckepack auf dem Hydraulik-Hubwagen bis zum endgültigen Stellplatz auf dem Hof. Deden will weiter an seinem Boot bauen. Kriegen eigentlich diese Marina-Pioniere einen Rabatt? Mara Lüddens überlegt kurz: „Die Stromzähler sind noch nicht geliefert worden. Deshalb ist der Strom im ersten Jahr kostenlos. Das ist also praktisch der Rabatt.“ In den 47 Euro pro Quadratmeter Boot in der Halle und den 27,50 Euro für das Freilager ist neben dem Waschen der Boote und dem Kranen auch das Mastenlager schon inklusive. Mit der neuen Stromstation wartet Mara Lüddens auch noch auf das neue Zugangssystem für die Marina: „Wir werden noch ein paar Wochen weiter improvisieren. Aber so wird uns im Winter wenigstens nicht langweilig.“ (Volker Kölling)

 

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