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„Meine Waffe war das Wort“
02.11.2017
Holger Knauer, langjähriger Leiter der Gruppe Sportschifffahrt innerhalb der Bremer Waspo, geht in den Ruhestand – Dienstgruppe auf dem Prüfstand

Einer der letzten echten Typen in Uniform geht von Bord: Polizeihauptkommissar Holger Knauer gibt nach 35,5 Dienstjahren seine Dienstwaffe ab – ohne je einen einzigen Schuss abgegeben zu haben. (Foto: Kölling)

Er gibt als Polizeihauptkommissar nach 35,5 Dienstjahren seine Waffe ab, ohne je im Einsatz einen einzigen Schuss abgegeben zu haben. „Meine Waffe war das Wort“, sagt Holger Knauer. Mit dem langjährigen Leiter der Gruppe Sportschifffahrt innerhalb der Bremer Wasserschutzpolizei geht auch einer der letzten echten Typen in Uniform: Sie seien die Cops auf dem Wasser, sagt Knauer über seine bedrohte Einheit – Kontaktpolizisten und Vermittler und eben keine reinen Knöllchenverteiler.

Im Spind hängt am vorletzten Diensttag das letzte Uniformhemd fürs Foto. Die Wand hat er noch nicht abgeschmückt, auf dem Schrank stehen die Stander der Bremer Wassersportvereine in Reihe. Ein Foto „seines“ Polizeibootes „Bremen 15“ ist eines der größten gerahmten Bilder. Seine Abschiedsmail zeigt ihn vor einem Superjetski, ausgeliehen von Polizei-Kollegen aus dem Binnenland für die letzte Messe „Boatfit“.  Auf dreißig Vorträge haben er und seine Kollegen es in den Wintermonaten regelmäßig gebracht. Dazu kamen ungezählte Motorcodieraktionen. Knauer: „Im Sommer bist Du dann mit den Kollegen praktisch jedes Wochenende auf dem Wasser – überall dort, wo Menschen auf dem Wasser zusammen kommen, müssen wir absichern.“

All das indes reichte dem Rechnungshof-Controlling in diesem Jahr nicht aus, und die Papierlage sprach tatsächlich gegen Holger Knauer und seine Gruppe. Er hat daraus gelernt, dass man als Abteilung im Polizeidienst ein erkleckliches Maß an Anzeigen und Strafen für die Controller vorweisen muss: „Man wird anders controlled, und man muss als Leiter heute einiges anders machen, als ich es gemacht habe, um als Abteilung zu überleben.“ Die Worte „Sportschifffahrt“ und „Gruppe“ nehme innerhalb der Wasserschutzpolizei heute nach der Rechnungshofkritik niemand mehr gerne in den Mund. Immerhin – so sagt Knauer ohne Bitterkeit – werde die Arbeit fortgesetzt. Er glaubt allerdings, dass Bremen ein Einsatzzentrum für die Sportschifffahrt vorhalten sollte und diese Dinge nicht allein auf Bremerhaven konzentriert werden sollten: „Bremen hat nach wie vor sehr viele Wassersportvereine. Wir sind und bleiben hier ein maritimer Standort.“ (vk)

 

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