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Launische Winde, launiges Team
06.10.2017
Weser-Herbst-Ragatta: Wenig Wind und zeitraubende Schleusung, aber ambitinierte Segler, hilfsbereite Motorboote und souveräne Wettfahrtleitung

Behalten stets den Überblick: (hinten, v.l.) Helge Berger, Till Mester, Hendrik Berger und (vorne, v.l.) Marion Berger, Marit Jung, Thara Meyer und Lisa Platz bilden den Kern des WHR-Organisationsteams. (Foto: Kölling)

Kein Bruch, aber auch kaum oder kein Wind – die Verlegung der Weser-Herbst-Regatta auf das erste September-Wochenende hat die größte Segelregatta im Revier in den milden Spätsommer befördert. Am Sonnabend musste der Start bis nach Harriersand verlegt werden. Am Sonntag auf dem Rückweg von Bremerhaven wurde vor Nordenham gestartet und etwa drei Meilen später schon wieder gezeitet: Der Wind war wieder eingeschlafen und die Tide kenterte.

„Das ist Segeln: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ Hendrik Berger hat am Sonntag um vier mit seinem Team im Grohner Yachthafen schon wieder Klarschiff gemacht. Der Leiter des Organisationsteams der Weser-Herbst-Regatta will den sportlichen Reiz an diesem Wochenende aber gar nicht so tief gehängt wissen: „Auf dem kurzen Bein heute mussten alle mächtig konzentriert sein. Leichtwindsegeln ist für alle an Bord eine echte Herausforderung.“

Eine Herausforderung ist inzwischen im Revier auch der Umgang mit Wettervorhersagen. Noch Mitte der Woche waren sich die Wetterpropheten der verschiedenen Dienste recht einig gewesen, dass zum Wochenende über der Weser bis Bremerhaven eigentlich immer Wind aus nördlichen Richtungen unterwegs sein sollte – Sonnabend schwächer mit zwei bis drei Windstärken, Sonntag jeweils um eine Windstärke mehr. Pustekuchen, es kam eher anders herum und sowieso ganz anders. Berger: „Am Sonnabend um zwölf Uhr hatten wir wirklich null Wind. Wir hatten aber schon die AP-Flagge gezogen und damit allen Booten die Startverschiebung signalisiert.“

Einige der 92 Teilnehmerschiffe versuchten denn auch, kurz hinter dem Kraftwerk Farge schon einmal die Vorsegel zu ziehen. Aber schnell ging es in einem Konvoi schaukelnder Großsegel weiter Richtung Elsfleth. Mit einer Wolkenfront frischte tatsächlich der Wind aus Nordwest auf. So ging es richtig sportlich für die Gruppe der Family Cruiser, der GFK-Klassiker und der Yardstick-Boote auf die Bahn. Am Rande des Fahrwassers lagen da schon die grauen Foliensegel der schnellen ORC-Racer wie ein Wolfsrudel vor der Jagd auf der Lauer. Wettfahrtleiter Till Mester spricht von kleinen Scharmützeln am Start. In der ORC-Gruppe B beharken sich die „Rothaut“ und die „Lola“, Mannschaften aus der Leistungsspitze des diesjährigen Regattafeldes der 92 Boote.

„Man muss wirklich sehen, wer bei uns alles mitsegelt: Ich hatte eine Meldung mit einem Baujahr 1964 dabei, und am anderen Ende der Skala hast du eine J 70, die es ja als Boot überhaupt erst ein paar Jahre gibt,“ so Till Mester. Der Wettfahrtleiter ist wie Organisationschef Hendrik Berger komplett happy mit dem Regattaverlauf, aber einmal mehr weniger mit dem Verhalten der Schleusencrew im Bremerhavener Fischereihafen: „Die haben die ganze Flotte mit drei Schleusungen über die kleine Kammer in der Fischereihafen gebracht. Das hat Zeit gekostet. Und alle waren so erst recht spät bei unseren Wulsdorfer Wassersportkameraden.“ Die Opti-Quatsch-Regatta wurde deshalb kurzerhand gecancelt und die volle Konzentration dem Treffpunkt mit der Rumverköstigung des Sponsors gewidmet.

Zur Party und der Preisverteilung freute sich das Seglervolk über das Fass Freibier, das Segelikone Rudi Lässig vom Wassersportverein Wulsdorf zu seinem 91. Geburtstag gesponsert hatte. Hendrik Berger: „Die Band Certain Souls hat dann bis zwei Uhr nachts immer im Wechsel mit dem DJ Musik gemacht.“ Die Feier aufräumen, Frühstück vorbereiten, alles abbauen, auf die Boote, und um acht Uhr wieder starten – das Organisationsteam hat in der Nacht zum Sonntag teilweise gar keinen Schlaf bekommen. Till Mester: „Es ist so toll in diesem großen Team und dass so viele Hände helfen. Das macht für mich den Spaß auch aus. Und immer wieder gibt es eben dann auch Lob von den Teilnehmern, wie gut alles organisiert worden ist.“

Am Sonntag Nachmittag kommen immer wieder auch Motorboote rein in den Grohner Yachthafen, die Jollen ohne Motor im Schlepptau haben. Merke: Segler und Motorbootfahrer haben in dieser Yachthafengemeinschaft von vier Vereinen kein Problem miteinander, wie Till Mester lachend bestätigt: „Ich kann mich gar nicht erinnern, dass wir in den Vorjahren schon einmal so viele Begleitboote hatten. Die Motorboote waren großartig und haben immer wieder geholfen, die Segler ohne Motor in der Flaute das entscheidende Stückchen weiter zu bringen.“

Allen konnte geholfen werden – außer einem: „Der Skipper des Jugendkutters „John Albrecht“ wollte sich partout nicht auf den Haken nehmen lassen, obwohl da vor Brake die Tide schon kenterte. Er hat dann schlicht die Ruder ausbringen lassen, und so sind die dann über die Ziellinie gepullt,“ grinst Hendrik Berger. Sein Vater und Regattapressesprecher Helge Berger kommt als letztes Begleitboot mit seiner starken Hanseat 37 in den Hafen und wird festgemacht. Das Start- und Zielschiff hat auch noch die letzten Nachzügler heil nach Hause gebracht. Es geht noch einmal um die Teilnehmerzahl 92. Man wollte eigentlich im Vorfeld immer bei über hundert gemeldeten Schiffen bleiben. Das war das erklärte Ziel. Hendrik Berger: „Man steckt in den Leuten nicht drin. Wir registrieren, dass nicht so viele mitmachen, wenn es einige Tage vorher wie dieses Mal eben auch so unbeständiges und schlechtes Wetter gab.“ Helfen soll bei der Bootsakquise aber der neue feste Termin. Till Mester: „Das erste September-Wochenende wird der feste Regattatermin bleiben. Das können sich die Leute gut merken.“ Zur 49. Weser-Herbst-Regatta im nächsten Jahr wird das noch einmal geübt, dann kommt die Jubiläumsregatta. Mester: „Dafür sollten wir uns dann schon noch einiges ausdenken - und dann einfach mal 130 gemeldete Boote anpeilen.“ (Volker Kölling)

 

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