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Klein, aber oho
27.12.2017
Jollensegeln mit allem Komfort: Jürgen Sandkuhl hat eine Rentnerbank für seinen Holzopti entwickelt

Bitte Platz nehmen: Tüftler und Jollensegler Jürgen Sandkuhl ist mit seiner Rentnerbank zufrieden. Eine Holzbank hat er mit beidseitigen Steuerknüppeln ausgestattet und sie mit einem Seilwerk über Umlenkrollen mit der Pinne verbunden. (Foto: Stubbe/Schierenbeck)

Mit siebzig muss noch lange nicht Schluss sein mit dem Jollensegeln. Das hat sich zumindest Jürgen Sandkuhl (76) vom Segelsportverein Wiking in Weyhe gesagt, um umgehend an die Konstruktion einer echten Rentnerbank für seinen Holzoptimisten zu gehen. In diesem Herbst ist die Konstruktion auf dem Wieltsee in Dreye erprobt worden. Jetzt träumt der Maschinenbauingenieur im Ruhestand von einer Seniorenregatta gegen Gleichgesinnte.

„Vor Jahren habe ich mir beim Segeln mit einem Opti so die Knochen verdreht, dass ich mir überlegt habe, welche Einbauten man machen müsste, um in Fahrtrichtung bequem zu sitzen und trotzdem akzeptabel segeln zu können,“ erinnert sich der Tüftler, der in seinem Berufsleben unter anderem bei Siemens schon an einigen Patententwicklungen mitgearbeitet hat. Gleichzeitig nach hinten mit dem Arm an der Pinne lenken und nach vorne die Schot bedienen, das ging einfach nicht mehr so gut.

Vor zwei Jahren legte Jürgen Sandkuhl los und verbrauchte einiges von den Holzresten, die er vom Bootsbau noch in der Halle hatte. Eine Holzbank stattete er mit beidseitigen Steuerknüppeln aus und verband sie mit einem Seilwerk über Umlenkrollen mit seiner Pinne. Der ganze Einbau sollte von Anfang an nur so groß sein, dass er sich bequem noch in einem Minivan transportieren ließe, so die Überlegung. Sandkuhl: „Die Konstruktion ist schnell einsetzbar und wird am Boden der Jolle am Schotauge mit einem Bändsel gesichert. Man kann damit so losfahren.“ Nur die Pinne ist für die Konstruktion angepasst. Ansonsten bleibt das Boot unverändert.

Sandkuhl geht mit seinem Seilzugsystem voller Umlenkrollen das erste Mal aufs Wasser und merkt schnell: Das Sitzen ist bequem. Kommt der Baum in Wenden und Halsen durch, muss er eben den Kopf ein wenig mehr einziehen als käme er mit dem Po ohne Sitzbank bis auf den Jollenboden. „Aber ich bin früher lange auf einer Olympiajolle gesegelt: Da musste man sich auf den Bauch legen, wenn man eine Wende fahren wollte.“ Allerdings ist ihm seine Lösung Nummer eins im Seilbetrieb zu schwergängig im Lenkverhalten. Er konstruiert ein leichtgängiges Hebelwerk und ist beim nächsten Probeschlag auf dem Wasser ganz zufrieden.

„Die Steuerknüppel links und rechts in Oberschenkelhöhe wirken wie eine übliche Pinne: Legt man den Knüppel nach links, dreht die Jolle nach rechts. Man könnte es theoretisch aber auch genau mit der Lenkwirkung umgekehrt bauen“, überlegt der 76-Jährige. Neben Rentnern hat er auch jüngere Leute mit Handicap als Zielgruppe im Visier. An einer Patentanmeldung seiner Entwicklung ist Sandkuhl nicht interessiert: „Patente habe ich in meinem Berufsleben schon genügend gesammelt. Auch die Honorarfrage für einen etwaigen Gebrauchsmusterschutz stellt sich für mich nicht. Wer die Konstruktion nachbauen möchte, könnte ja vielleicht für unsere  Jugendabteilung im SV Wiking spenden.“

Derweil sinnt dessen erster Vorsitzender Klaus Osterholz bereits darüber nach, einen echten Senioren-Opti-Wettbewerb „Opti 60 plus“ auf dem Wieltsee inklusive Regatta zu organisieren. Sandkuhl: „Vielleicht finden sich ja auch noch andere ähnliche oder sogar bessere Senioren-Opti-Modifikationen.“ Wer seine Skizzen zu seiner Rentnerbank einsehen möchte, kann mit Jürgen Sandkuhl über folgende Mail-Adresse in Kontakt treten: juergenleeste@gmail.com (Volker Kölling)

 

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