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Klassenzimmer im Leuchtturm
04.02.2018
Der Leuchtturm als verlässlicher Freund der Seeleute ist heute ein nostalgisches Klischee. Dennoch wird er auch weiterhin als unverzichtbarer Orientierungspunkt benötigt, ja es entstehen auch noch neue Leuchtfeuer, so 2012 an der Jade und an der Elbe. Gleichwohl prägen Leuchttürme als markante, architektonisch unvergleichlich schöne Bauwerke das Bild unserer Küste. Jeder Turm ist für sich gesehen einmalig, von der Stellung, der Bedeutung und Farbgebung. Der „Sportschipper“ stellt in lockerer Reihenfolge die schönsten Leuchttürme an Nord- und Ostsee vor. In dieser Ausgabe: der Leuchtturm Hörnum auf Sylt. .- von Theo Kruse

Serienbau und doch einmalig: der Leuchtturm in Hörnum auf Sylt. (Foto: Theo Kruse)

Der Leuchtturm in Hörnum auf Sylt ist ein Serienbau – Grundsteinlegung vor 111 Jahren

Die Grundsteinlegung des Leuchtturms Hörnum aud Sylt jährt sich im Januar zum 111. Mal – ein schöner Anlass, um dieses Bauwerk vorzustellen, das einerseits als Serienbau nahezu baugleich ist mit den Leuchttürmen am Westerheversand, auf Pellworm und Arngast im Jadebusen, dennoch aber einige Besonderheiten aufzuweisen hat. Wohl einmalig ist seine Nutzung als Schule des kleinen Hafenortes an der Südspitze von Sylt. Von 1914 bis 1933 war im Leuchtturm das einzige Leuchtturm-Klassenzimmer der Welt beheimatet. In der kreisrunden Klasse wurden zwei bis fünf Schüler unterrichtet.

Die vier bauähnlichen Leuchttürme stammen aus einer Gussform. Die Stahlplatten, so genannten Tübbinge, wurden in der Isselburger Hütte gegossen und an der Baustelle miteinander verschraubt. Der Betonsockel ist 60 Zentimeter stark. Der eigentliche Turm besteht aus 600 einzelnen Gusseisenplatten. Das Laternenhaus ist eine Stahlkonstruktion mit einem Kupferdach. Der Turm ist 33,50 Meter hoch und steht auf einer 16 Meter hohen Düne, so dass die stattliche Feuerhöhe von 48 Metern über dem Meeresspiegel erreicht wird.

Das Seefeuer ist 20,1 Meilen weit zu sehen. Der Turm sichert hauptsächlich die Fahrrinne zwischen Sylt und Amrum und dient als Orientierungsfeuer bei der Ansteuerung der nordfriesischen Inselwelt. Damals war Sylt noch eine echte Insel und nur per Schiff zu erreichen. Hörnum war der wichtigste Fährhafen für die Inselbewohner und ihre Sommerfrischler. Der Hindenburgdamm, der die Insel der Schönen und Reichen mit dem Festland verbindet, wurde erst 20 Jahre später, 1927, eingeweiht.

Das Leuchtfeuer wurde anfangs mit Petroleum betrieben; erst 1948 erhielt der Turm einen Stromanschluss und damit eine elektrische Beleuchtung. Der rote Turm trägt ein weißes Band und zwei Galerien. Er verfügt über eine Drehspiegel-Optik, die alle neun Sekunden zwei Blitze aussendet. Am 8. August 1907 wurde er in Betrieb genommen. 800 Meter südlich des Leuchtturms befand sich früher noch ein Unterfeuer, um Schiffen den Weg durch das Hörnumtief zu weisen. Das Unterfeuer wurde mehrfach umgebaut. Nachdem 1979 nach einer Sturmflut das Gebäude auf den Strand stürzte, wurde ein Neubau errichtet. Er bestand aus einem roten Stahlturm mit weißem Band und war 20 Meter hoch. Im November 2013 wurde das Unterfeuer nach einer weiteren Sturmflut abgerissen.

Der Leuchtturm Hörnum ist zur Besichtigung geöffnet. Auch heiraten kann man hier. Das Trauzimmer befindet sich im siebten Geschoss und kann neben dem Leuchtturmwärter, dem Standesbeamten und dem Brautpaar nur maximal sieben Gäste aufnehmen. Wer an diesem außergewöhnlichen Ort den Bund für das Leben schließen möchte, muss mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 330 Euro rechnen (neben den üblichen Gebühren für eine Eheschließung).

● Info: www.hoernum.de

Position:

54 Grad 45 ′ 14,5″ N

08 Grad 17′ 31,7″ E

 

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