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In den besten Jahren und mit eigener Köchin
30.10.2017
Nordlichter von Theo Kruse Der Leuchtturm als verlässlicher Freund der Seeleute ist heute ein nostalgisches Klischee. Dennoch wird er auch weiterhin als unverzichtbarer Orientierungspunkt benötigt, ja es entstehen auch noch neue Leuchtfeuer, so 2012 an der Jade und an der Elbe. Gleichwohl prägen Leuchttürme als markante, architektonisch unvergleichlich schöne Bauwerke das Bild unserer Küste. Jeder Turm ist für sich gesehen einmalig, von der Stellung, der Bedeutung und Farbgebung. Der „Sportschipper“ stellt in lockerer Reihenfolge die schönsten Leuchttürme an Nord- und Ostsee vor. In dieser Ausgabe: der Leuchtturm Kiel.

In diesem Sommer feierte der Leuchtturm Kiel seinen 50. Geburtstag. (Foto: Kruse)

Kiel verfügt über den einzigen Leuchtturm Deutschlands mit Lotsenstation

 

Ein Leuchtturm, der vielen Segler bekannt ist, konnte in diesem Sommer seinen 50. Geburtstag feiern: der Leuchtturm Kiel. Er ist der einzige deutsche Turm, der über eine Lotsenstation verfügt. Hier werden die Lotsen für Schiffe, die in Richtung Kiel fahren, eingesetzt. Gleichzeitig steigen die Fördelotsen hier aus, wenn sie Schiffe aus dem Nord-Ostsee-Kanal bzw. der Kieler Förde heraus geführt haben. Der Turm ist Leit- und Orientierungsfeuer für die Zufahrt in die Kieler Förde, den Kiel-Flensburg-Weg, den Kiel-Ostsee-Weg und den Kiel-Fehmarnsund-Weg und warnt mit roten Sektoren vor den Untiefen Stollergrund, Gabelsflach und Klevenberg.

Am 5. Juli 1967 ging der neue Leuchtturm in der Kieler Förde in Betrieb. Er wurde damals als Ersatz für das Feuerschiff Kiel gebaut und kostete zehn Millionen Mark. Zuvor hatten auf dieser Position Feuerschiffe den Weg in die Segelhauptstadt gewiesen. Das letzte Feuerschiff dieser Station startete nach seiner Dienstzeit eine zweite Karriere als Dreimastbark „Alexander von Humboldt“ und wurde vor allem durch einen Bier-Werbespot mit grünen Segeln populär.

Der 33,5 Meter hohe Turm liegt knapp vier Meilen nordöstlich des Leuchtturms Bülk am Ausgang der Kieler Förde und rund elf Meilen von den Innenförde entfernt. Das besondere an diesem Leuchtturm sind die Unterkunftsmöglichkeiten. Neben dem Wachraum, der eine lückenlose Überwachung des Verkehrstrennungsgebietes ermöglicht, gibt es fensterlose Schlaf- und Aufenthaltsräume für die Lotsen sowie eine Küche mit Meerblick, in der eine „turmeigene“ Köchin Mahlzeiten rund um die Uhr zubereitet. Auch Techniker des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Lübeck finden dort während  der Wartungsarbeiten Unterschlupf. Und auch der Deutsche Wetterdienst unterhält eine Station im Leuchtturm.

Vor gut zehn Jahren stand die Existenz des Leuchtturms Kiel auf dem Prüfstand. Das Bundesverkehrsministerium wollte das Bauwerk eigentlich aufgeben. Angesichts des Fortschritts in der Radar- und Nachrichtentechnik schien der Leuchtturm nicht mehr gebraucht zu werden. Doch 2008 entschied man sich gegen den Abriss, denn für die Lotsen und ihre Versetzboote gab es keine geeignete Station an Land.

Die Fundamentform wurde aufgrund von Modellversuchen bei der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffsbau in Berlin entwickelt. Die 50 Meter langen Schenkel stehen im rechten Winkel zueinander. Im Schutz der Molen können so die Lotsenversetzboote auch bei stärkerem Seegang anlegen und liegen.

Beim Bau des Leuchtturmes vor gut 50 Jahren wurde eine völlig neue Bauweise angewandt, die Schwimmkastengründung. Man schleppte drei gewaltige, in Mönkeberg an Land hergestellte Beton-Schwimmkästen über den vorbereiteten Untergrund, versenkte sie zentimetergenau, füllte sie mit Sand und setzte den vorgefertigten Aluminiumturm mit einem Schwimmkran obendrauf.

Das Leuchtfeuer ist automatisiert und wird von der Verkehrszentrale in Travemünde fernüberwacht. Mittels einer Gürtelleuchte wird die Kennung Gleichtakt weiß-rot-grün, Wiederkehr sechs Sekunden, erzeugt. Die Tragweite des Feuers beträgt für weißes Licht 17,6 Meilen. Der Leuchtturm wird über ein Unterwasserkabel, das am Leuchtturm Bülk endet, mit Energie versorgt. Bei Stromausfall stehen zwei Notstromaggregate bereit.

Die sichere nächtliche Ansteuerung des Reichkriegshafens Kiel war der Marine und der Schifffahrt bereits Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Anliegen. Seit 1892 lagen daher an den Stationen Stollergrund, Bülk und Gabelsflach drei bemannte Feuerschiffe vor Anker. Diese wurden 1922 durch das Feuerschiff „Kiel“ ersetzt.

Das entscheidende Argument für den Bau des Leuchtturms Kiel war damals  die Wirtschaftlichkeit. Lagen die Personal- und Unterhaltungskosten des Feuerschiffes bei 1,2 Mio. DM pro Jahr, so kalkulierte man für einen Leuchtturm mit 250.000 DM pro Jahr.

„Als Fels in der Brandung hat der Turm 50 Jahre zuverlässig und zur Zufriedenheit Aller seinen Dienst verrichtet“, sagte Dipl.-Ing. Henning Dierken. Amtsleiter des WSA Lübeck anlässlich des runden Leuchtturm-Geburtstages.

Position:

54° 30‘ N,          10° 16‘ E

 

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