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Gut in Schuss, die Alten
16.04.2018
Kutter- und Museumshavenverein Vegesack zeigt sich auf der Jahreshauptversammlung zufrieden mit seinem Flottenstatus

Frühlingserwachen: Feine Schätzchen warten im Vegesacker Hafen auf den Saisonstart. Dann werden die Schiffe des Kutter- und Museumshaven Vereins wieder als Botschafter ihres Heimathafens ausschwärmen und bei zahlreichen Veranstaltungen die Blicke von See- und Sehleuten auf sich ziehen. (Foto. Kölling)

Schiffe kommen, Schiffe gehen: Es rüttelt sich gerade einiges zurecht an den Stegen des Vegesacker Hafens. Harry Hanse könne die „Atlantic“ aus gesundheitlichen Gründen nicht weiterführen, hat Rolf Noll, 1. Vorsitzender des Kutter- und Museumshavenvereins Vegesack, jetzt anlässlich der Jahreshauptversammlung in Thieles Speicher in seinem Bericht vor rund vierzig Zuhörern ausgeführt. Der gelbschwarze Zweimaster soll nun wie auch der Colin-Archer „Pax“ verkauft werden.

Da ist der zweite Vorsitzende des Vereins, Carsten Rendigs, mit seiner „Geo. Gleistein“ schon zwei Schritte weiter: Der alte Hafenschlepper ist in die Niederlande verkauft. Und von dort kommt auch das neue Schiff von Rendigs, die Motortjalk „Vrouw Christine“: „Ich wollte mit meiner Frau jetzt mit dem Schiff auch einmal auf längere Reisen gehen. Und die Tjalk ist schlicht zwei Meter länger und innen auch deutlich wohnlicher.“ Seine Fotos zeigen den Komfort, wie man ihn in einer netten 40-Quadratmeter-Wohnung an Land finden würde, nur eben ohne Blick auf das Wasser.

Rendigs „Vrouw Christine“ sollte aber nicht verwechselt werden mit dem roten Plattbodenschiff unter der Plane, das von der Brücke geschaut gleich vorne links im Hafen liegt. Rolf Noll: „Da begrüßen wir die „Souvrän“ von Jörg van Laaten. Unter der Plane versteckt sich eine schicke Tjalk, ein Neuzugang in unserem Museumshaven.“ Van Laaten sei übrigens nicht, wie der Name vermuten lassen könne, ein Niederländer. Noll: „Der kommt von hier, der wohnt direkt in der Bremer Neustadt.“

Ein etwas größeres Kapitel könnte die Überholung der „BV II Vegesack“ durch ihre ehrenamtliche Stammcrew füllen: Im Frühjahr hatte der alte Vulkan-Heringslogger noch neue Masten von der Bültjer-Werft an der Ems bekommen. Im Winter konnte die Crew auf der Elsflether Werft vorne ins Schiff schauen, weil ganze Stahlplatten der Bugpartie ausgetauscht werden mussten. Inzwischen schwimmt die „BV II“ wieder im Museumshaven.

Ganz tief in den Innereien musste die MTV-Crew der „Vegebüddel“ wühlen. Rolf Noll erzählt von Verholmanövern im Schleppverband und dem Ausbau des Motors auf der Bootswerft Winkler gegenüber an der Lesum und einer aufwändigen Motorüberholung der Maschine mit dem Prädikat „historisch“. Noll: „Da freue ich mich einfach, dass es zu gelingen scheint, dieses historische Schiff wieder auf Revierfahrt zu schicken.“

Fast glimpflich fiel dagegen die Restauration des Kutters „Orion“ aus. Der habe lediglich ein paar neue Planken erhalten. Die „Kormoran“ hingegen hat einen neuen Eigner bekommen: Horst Benkenstein, echtes Urgestein der Vegesacker Schifferszene, hat sein Schiff an den neuen Besitzer Roland Hauser verkauft. Rolf Noll spricht von einem Verkauf aus Altersgründen, ist andererseits aber sicher, dass Benkenstein Vegesack nicht komplett den Rücken zukehren wird: „Die beiden haben vereinbart, dass Horst den neuen Besitzer noch auf ein paar Fahrten begleitet und ihn praktisch in das Schiff einweist – wobei der Neue natürlich auch fahren kann.“

Bei einem genauen Blick auf den Weserkahn „Franzius“ sieht man die Arbeiten am Rumpf: Das gerade als Partnerschiff des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer ausgezeichnete  Plattbodenboot hat Unterwasserschiff und Rumpf neu gemalt bekommen und auch noch für fünf Jahre die neue Klasse geschafft – so etwas wie den Schiffs-TÜV. Auch der rote Kirchen-Zweimaster „Verandering“ hat einen für fünf Jahre gültigen neuen Stempel in den entsprechenden Schiffspapieren. Allerdings musste hier bei den Arbeiten für die Klasse gleich auch noch ein Wellenschaden repariert werden, berichtet Rolf Noll.

Über das bloße Reparieren sind sie im Förderverein für den ehemaligen DGzRS-Versuchskreuzer „Bremen“ inzwischen hinaus: Deutlich lässt sich erkennen, dass das Schiff wieder über die Heckaufnahmemöglichkeit  für das sogenannte Tochterboot verfügt. Die „Bremen“ war seinerzeit die erste DGzRS-Einheit, an der das bis heute erfolgreiche Tochterbootprinzip der Retter als Konstruktion ausprobiert wurde. Im nächsten Schritt, bestätigt Noll, soll nun das leider verschwundene alte Tochterboot der Urgroßmutter moderner Seenotrettungskreuzer nachgebaut werden. Noll: „Da stehen sie kurz vor einer Beauftragung und haben auch schon Geld eingesammelt, soweit ich weiß.“ Ihre auf der Malaika-Werft gebaute neue Heckklappe soll die „Bremen“ schon in den kommenden Wochen bekommen.

Schon vor dem Bericht zum Flottenstatus ist Rolf Noll mit den anderen Schiffern auch das Jahr 2017 durchgegangen: Auf Moonlightfahrten nach Farge, bei der Pappbootregatta, dem „SeeStadtFest“, der Party zu 125 Jahren Weser-Yacht-Club, beim Festival Maritim – überall hatte der Kutter- und Museumshaven mit Schiffen und Crews seine Finger im Spiel. Wenn es weit raus ging, waren Vegesacks schwimmende Botschafter bei den Krabbentagen in Hooksiel, bei den Schippertagen in Carolinensiel und mit den „großen“ Traditionsschiffen natürlich auch bis tief in die Ostsee hinein unterwegs.

Und es sieht nicht so aus, als würden Vegesacks wassermobile „Stadtmöbel“ 2018 weniger im Einsatz sein: Auf dem Plan steht als erstes eine gemeinsame Aktion des Vereins am 28. April – eine Konvoifahrt zur Eröffnung der „temporären Kneipe Golden City“, die diesmal am Lankenauer Höft aufgebaut werden soll. Am ersten Juniwochenende wollen die Skipper wie schon 2017 wieder einen Pendeldienst zum Denkort Bunker Valentin anbieten. Und möglichst viele Kollegen will Rolf Noll auch noch überreden, ihn zur 40-Jahr-Feier der Freunde von der Schiffergilde in Bremerhaven zu begleiten. (Volker Kölling)

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