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Großartige Gemeinschaftsleistung
12.05.2017
Von langer Hand geplant, mit viel Manpower umgesetzt: WV Hemelingen hat den dritten Abschnitt seiner sehr aufwändigen Hafenrenovierung abgeschlossen

Denkwürdiger Moment: Der tausendste Pfahl. (Fotos: hfr)

In der Wintersaison 2016/17 hat der Wassersport-Verein Hemelingen (WVH) den dritten Abschnitt einer sehr aufwändigen Hafenrenovierung umgesetzt. Was zunächst unmöglich erschien, wurde sorgfältig geplant, durch viele aktive Helfer umgesetzt und präsentiert sich nun als gut begehbare, Rollator- und Kinderwagen-freundliche Anlage.

Der WVH-Bremen, einer der älteren Wassersportvereine in Bremen, hat sein Revier an der Mittelweser. Zwei große Hafenbecken bieten für Motor- und Segelboote genügend Platz, sodass von hier aus so manche wunderbare Ausfahrt in Richtung Ober- oder Unterweser ihren Anfang nehmen kann. Doch die stabile Spundwand aus Eisen, klassischer Hafenbau, war in die Jahre gekommen. Löcher in den Eisenelementen und Sandverschiebungen an der oberen Kante der Spundwand sorgten für sorgenvolle Gesichter bei Vorstand und Hafenmeister. Einige erinnerten sich noch lebhaft an die Kosten, die seinerzeit das zweite Hafenbecken verursacht hatte und scheuten schon im Vorfeld die Aufwendungen. So dauerte es eine Weile, bis man sich zum Handeln durchringen konnte. Doch es ging schließlich um die Sicherheit der Sportskameradinnen und -kameraden und um die Sicherstellung eines reibungslosen Ablaufes beim Wassersport.

Der erste Schritt war eine detailliertere Planung. Eine Hafenbegehung der besonderen Art folgte. Mit Badehose bekleidet, erklärte sich Jochen Bertrand, Mitglied des erweiterten Vorstandes, bereit, die Hafenspundwand in Augenschein zu nehmen. Begleitet wurde die wassernahe Betrachtung von Arbeitsdienstleiter Gerd Wendt und dem Umweltbeauftragten Fietje Judel, die weiterhin auch Ansprechpartner für das Projekt bleiben sollten. Ja, es gab einiges zu tun. An Renovierung war nicht zu denken, es musste schon eine Sanierung werden. Und schon sah man die Felle einer halbwegs kostenverträglichen Instandsetzung im wahrsten Sinne des Wortes davonschwimmen. Was war also zu tun? Alle Vereinsmitglieder wurden aufgefordert, Ideen und Vorschläge einzureichen. Klar war, dass eine klassische Spundwand, errichtet mit Nassbagger, Rammen u.v.m. finanziell nicht zu realisieren war. Gott sei Dank begann gerade die neue Wassersportsaison, und alle Ausflügler konnten sich in anderen Häfen kundig machen. Zur Wintersaison musste eine Lösung her! In der folgenden Wintersaison wurden viele zusammengetragene Ideen vorgestellt, besprochen, abgewogen und geprüft. Schließlich entschied sich die Mitgliederversammlung für das System Prolock Sigma der Firma Profestru aus Holland.

Das System besteht aus einer Paneele, 50 cm breit, welche die eigentliche Spundwand bildet. Das wellenförmige Profil aus recyceltem PVC Material hat zwei Hohlkammern, in einer der Kammern wird ein Pfahl zur Stabilisierung eingebracht. Die Spundwand wird rückverankert. Das klingt sehr einfach und lässt sich auch tatsächlich mit Manpower umsetzen. Die Paneele wird 50 cm tief in den Boden gerammt, dann folgt mit 150 cm Rammtiefe der Pfahl. Diese Kombination aus Rammen und Spülen kann mit „kleinem Handwerkszeug“ (keine Bauramme) umgesetzt werden. Als Ramme dient ein Presslufthammer. Die Spundwand wird oben mit 12x12 cm Hartholz gegurtet, und im Abstand von 4 m erfolgt an Land die Rückverankerung. So wird die Wand zusätzlich gegen das Kippen gesichert. Soweit der Plan – nun wurde zur Tat geschritten. Die erwarteten Materialkosten hielten sich dabei mit etwa 110 Euro je laufender Meter Spundwand plus Mwst. und etwa 15 Euro je Anker und Befestigung im Rahmen. 

Begonnen wurde im Winter 2014/2015 mit der Nordseite des Hafens. Zunächst mussten der Hafen vorbereitet werden, z.B. durch das Entfernen der Stege. Hier war jede/r Liegeplatzinhaber/in selbst gefordert. Neben einem erweiterten Arbeitsdienst von ca. 15 Stunden der Liegeplatzinhaber/innen konnte die Arbeit mit der freiwilligen und zum Glück immer aktiven „Rentnerband“ des WVH beginnen. 250 m Spundwand wurden unter größtem körperlichem Einsatz erneuert. Das Team arbeitete sich wasserseits über einen Ponton, und an Land auf matschigem Winterboden Meter für Meter voran. Eine beachtliche Leistung. Mit der neuen Spundwand veränderte sich die Position des Gehwegs vor den Liegeplätzen. Die Erdarbeiten, das Aufnehmen des alten, 50 cm breiten Plattenweges, um Raum für die Ankerstangen zu schaffen, gab der WVH in Auftrag. Der neue Weg wurde gleich auf 150 cm verbreitert und sogar mit einem roten Sicherheitsstreifen (rote Steine) versehen. Hier ist jetzt die Position der Festmacher, die nach einer gut durchdachten Konstruktion erstellt wurden. Die vorbildliche Planung durch Gerd Wendt und Fietje Judel sorgte für einen reibungslosen Ablauf. Der Einsatz der Sportskameraden war unermüdlich, und das Wetter spielte mit wenig Regen eine große Rolle bei der erfolgreichen Umsetzung der Pläne. Mit ca. 170 Euro plus Mwst. pro Meter für Spundwand, Plattenleger und Erdarbeiten wurde das Projekt umgesetzt. Die Vereinsmitglieder sparten in der kommenden Saison weder an Lob noch an Bewunderung für alle aktiven Beteiligten.

Jedem, der die Windrose kennt, ist nun natürlich klar, dass dem Norden gegenüber der Süden liegt, und damit war auch klar, was dies für die Saison 2015/2016 bedeutete. Die Südseite des Hafens war sogar noch maroder als die Nordseite, und so wurde nach einem Kassensturz gleich weiter gemacht. Hier musste die Krananlage mit berücksichtigt werden, was wirklich nicht einfach war. Die Arbeitsliste hing aus, viele Wochenenden wurde eingeplant, und die Arbeiten für 190 m Spundwand inklusive Slipp- und Krananlage begannen. Diese Saison hatte es allerdings wettertechnisch in sich. Mit Dauerregen und kalten Winden standen die Vereinsmitglieder unter den wachsamen Augen von Gerd Wendt und Fietje Judel im Hafen und leisteten ihren zusätzlichen Arbeitsdienst. Alles war ein wenig anstrengender, aber auch dieses Projekt wurde erfolgreich abgeschlossen. Spundwand, Erdarbeiten und Plattenweg überzeugen jeden Besucher.

Als dann jedoch der erste Vorsitzende den Hafen zwei in Augenschein nahm, stellte sich heraus, dass die Mitglieder noch einmal aktiv werden mussten. Die Ostseite, dort wo auch die Optis für die Ausbildung der Kinder liegen, war als nächstes dran. Hatte man zu Beginn gehofft, dass hier noch ein wenig Zeit für finanzielle und körperliche Erholung blieb, musste man nun doch noch einmal aktiv werden. Der Schatzmeister gab grünes Licht. Das System von Prolock Sigma hatte zuverlässig funktioniert. Mit von der Partie war bei allen Projekten Krüger Verladetechnik GmbH und auch die Tischlerei Ulrich.

An der Ostseite gab es dann ein weiteres Highlight: 900 Pfähle waren im Hafen eins in den Boden gebracht worden. Wo sollte wohl der tausendste Pfahl seinen Platz finden? Dies wurde selbstverständlich in einem Bildmotiv festgehalten. 105 m Spundwand, Erdarbeiten und Plattenweg. Eine tolle Gemeinschaftsleistung von Projektleitung und allen fleißigen Helfern. Es konnte wirklich niemand ahnen, dass dieses gemeinsame Projekt mit so vielen helfenden Händen so gut über die Bühne gehen würde. Die Ostseite hat noch ein kleines Extra bekommen: Die kleine Slipanlage für die Optis wurde im Rahmen der Hafensanierung ebenfalls erneuert. Der WVH konnte auf die tatkräftige Unterstützung der Firma Seekamp Metall bauen, aus der übrigens schon Vereinsmitglieder in vierter Generation im WVH sind. Sicherheit für die Kinder und eine neue, gut begehbare Slipeinlage sind das Ergebnis dieser produktiven Zusammenarbeit. Der große Arbeitseinsatz aller teilnehmenden Mitglieder hat sich gelohnt.

Weitere Pläne für die Zukunft: Die Windrose ist noch nicht vollständig, es fehlt noch der Westen. Hier warten noch 110 m Spundwand und sicher auch die eine oder andere neue Überraschung. Jahre des Wassersports sind ins Land gezogen, seit der Sanierungsbedarf des Hafens festgestellt wurde. Mittlerweile sind die Arbeiten bis auf die an der Westseite abgeschlossen. Viele Liegeplatzinhaber/innen haben aktiv an den Umbaumaßnahmen teilgenommen, freiwillige Helfer, die Rentnerband des WVH und auch die Projektleitung sowie Gerd Wendt und Fietje Judel haben keine Mühen gescheut, um die Umsetzung voranzutreiben. Eine großartige Gemeinschaftsleistung, gekrönt von einem großartigen Ergebnis. Der Vereinsvorstand bedankt sich bei allen Helfern. (Ursula Niemann)

 

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