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Es hat gefunkt
21.11.2017
Deutscher Amateur-Radio-Club bezieht sein Vereinsheim auf dem MTV-Schlepper „Regina“

Ganz neue Töne an Bord: Die DARC-Funkamateure haben zum ersten Mal in ihrer 40-jährigen Vereinsgeschichte ein eigenes Vereinsheim vor Ort – auf dem MTV-Schlepper „Regina“. (Foto: Kölling)

Es hat gefunkt zwischen dem Verein Maritime Tradition Nautilus (MTV) und dem Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC): Der MTV-Schlepper „Regina“ am Nordende der Maritimen Meile in Vegesack ist zur „German Amateur Radio Station“ mit dem Rufzeichen DKOMTR geworden: Das „MTR“ am Ende steht für Maritime Tradition Regina. Damit haben die Funkamateure zum ersten Mal in ihrer 40-jährigen Vereinsgeschichte vor Ort ein eigenes Vereinsheim – und was für eins.

Jens Knorr zeigt stolz auf den Draht, der sich neuerdings über die gesamte Regina spannt: „Die neuen Antennen auf der Regina haben wir selbst gebaut. Das hier ist ein Dipol. So etwas gehört mit zum technischen Hintergrund in unserem Verein: Wir bauen ganze Sender, bauen alte um und betreiben sie dann.“ Knorr ist praktisch die menschliche Schnittstelle zwischen den beiden Vereinen: Er ist sowohl beim MTV als auch beim DARC stellvertretender Vorsitzender. Ein Glücksfall, finden bei der Neueröffnung des alten Vulkan-Schleppers als Funkstation alle Festredner vom MTV-Chef Thomas Rutka bis zum Vegesacker Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt unisono.

Wer zur eher maritimen Seite gehört und wer zu den Funkern, lässt sich am Bier- und Bratwurstwagen leicht erkennen: Die DARC-Mitglieder tragen gelbe Shirts mit ihren Rufzeichen und sprechen sich untereinander auch mit ihren Rufzeichen an: So hat oben auf der Brücke gerade Lars DY3BO über Kurzwelle auf dem 40-Meter-Band Kontakt zu einem britischen Amateurfunker aufgenommen. Auch sein junger Kompagnon hat jetzt keine Zeit, um Fragen zu beantworten: Die Feldstärke des Kontakts muss ausgewertet werden, und auf einer Meldekarte werden alle Daten inklusive der UTC-Zeit eingetragen und auf einer schicken Meldekarte der Regina dann an den Kollegen auf der anderen Seite des Ärmelkanals verschickt. Knorr: „Die QSC-Karten sind praktisch so etwas wie die Urkunde zu der Funkverbindung, die man gerade gehabt hat.“ Er selbst hat sich auch noch das Sonderrufzeichen DQ200Weser zuteilen lassen – im Gedenken an das vor genau 200 Jahren in Vegesack in Dienst gestellte erste deutsche Dampfschiff namens „Weser“.

Knorr, der selbst auf das Rufzeichen „Delta Kilo 2 Kilo Lima“ reagiert, betont aber auch die wissenschaftliche Arbeit, die das Netz der Mobilfunker bis heute leistet: Gibt es Sonneneruptionen oder andere atmosphärische Störungen, sind sie es, die fleißig Daten sammeln, was über den Köpfen der Menschen gerade genau stattfindet. Überhaupt, sagt Knorr, funken die Menschen heute so viel wie nie zuvor, es ist ihnen nur nicht klar: Jedes Handy ist ein Mobilfunkgerät. Knorr sieht sich und die Seinen zu den „normalen“ Mobilfunkern aber klar im Vorteil: „Viele wissen gar nicht, wie fragil die Mobilfunkerei in Wirklichkeit ist. Gerade mal zu Weihnachten und Silvester und bei Katastrophen heißt es dann, das Handynetz ist zusammengebrochen, wenn mal wieder die Bandbreite nicht gereicht hat.“ Amateurfunker hätten hingegen immer eine Möglichkeit, auf ein anderes Band auszuweichen und doch noch weiter zu kommunizieren: „Als wir vor einigen Wochen wieder starke Sonneneruptionen und sogar Nordlichter hatten, ging auf der Kurzwelle so gut wie nichts mehr. Die ganze Magnetosphäre war angeregt, aber per UKW kam man soweit wie sonst fast nie. Wir finden immer Wege.“ 

Mit der „Regina“ hat der DARC nun eine Station, die auch gefunden wird. Schon die Generalprobe vor der Eröffnung Mitte August lockte Spontanbesucher durch die Luke in den Schiffsbauch des Schiffes, dass von 1966 bis zum Jahr 1987 als Werftschlepper der Großwerft Bremer Vulkan im Einsatz war. 15.000 Euro an Spenden waren nötig, um den 100-Tonnen-Boliden und seinen Voith-Schneider-Antrieb wieder vorzeigbar zu machen. „Regina“ ist Technik- und Kulturdenkmal gleichermaßen und soll nun bald auch noch eine Ausstellung über die Entwicklung des Seefunks in seinem Inneren aufnehmen.

Thomas Rutka erinnert als MTV-Vorsitzender daran, dass die „Regina“ schon seit 1990 am nördlichen Ende des Stadtgartens in Vegesack hoch und trocken auf der Wiese steht. Die Funkamateure, so Rutka, passten zu dem Schiff: „Mit ihnen ist es gelungen, hier neues Leben reinzubringen. Wir sind überzeugt, dass dies auch dazu beiträgt, die Maritime Meile weiter aufzuwerten. Viele konnten es gar nicht erwarten, dass die Luken an der Regina wieder aufgehen.“ Heiko Dornstedt hat als Ortsamtsleiter dann auch gleich schon den Ausblick auf den nächsten neuen Baustein für die Maritime Meile parat: „Wir werden aus der Signalstation auch noch eine Gezeitenstation machen und dort die Pegelstände der Weser etwa in Bremerhaven und Brake anzeigen.“ Gleichzeitig solle im Stile des Universum-Science-Centers Menschen vermittelt werden, wie Tidenhub entstehe und was Ebbe und Flut so alles bewirkten. 

Während diese Gezeitenstation immer zu sehen sein wird, gibt sich die Funkstation auf der „Regina“ feste Öffnungszeiten für den Publikumsverkehr: Immer zweimal im Monat sonntags kann man sich als Besucher dort erklären lassen, wie das mit der Funkerei nun eigentlich genau funktioniert. Und am dritten Wochenende im August wird dann das „International Lighthouse and Lightship Weekend“ gefeiert, das Hochfest für die Menschen, die sich so gern mit ihren Rufzeichen ansprechen. (Volker Kölling)

 

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