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Erfolgsgeschichte Elisabethfehnkanal
12.04.2017
Verein zur Rettung des Kanals ist zufrieden: Gemeinde Barßel übernimmt Betrieb der Schleusen und Brücken – Infrastruktur entlang des Wasserweges wird ausgebaut

Die Kanalstrecke bei Dreibrücken in der Nähe der geplanten neuen Steganlage. (W. Deutsch)

Das Schicksal des Elisabethfehnkanals (EFK), des einzigen noch in Betrieb befindlichen Fehnkanal Deutschlands, hat sich zum Guten gewendet. Und das, nachdem es mit der Schließung für die Schifffahrt endgültig negativ besiegelt zu sein schien, da die Schleuse Osterhausen baufällig war und der Bund die Mittel für Sanierung oder Neubau im Haushalt gestrichen hatte. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hatte bekanntgegeben, dass der Kanal bei Barßel stillgelegt und nicht länger als Bundeswasserstraße unterhalten werden sollte. Für die Sportschifffahrt hätte das das endgültige Aus für das Befahren dieser einmaligen Wasserstraße bedeutet.

Diesem Beschluss aus Berlin wollten die Einwohner entlang des Kanals sich nicht beugen. Der Vergleich David gegen Goliath liegt nahe oder man erinnert sich mit einem Augenzwinkern  an den erfolgreichen Widerstand eines kleinen gallischen Dorfes gegen die riesige gut organisierte römische Übermacht. Doch wie man weiß, waren sowohl David als auch die Bewohner des kleinen gallischen Dorfes überaus erfolgreich; für die EFK-Streiter waren die sozialen Netzwerke zweifellos eine große Hilfe bei der Gewinnung einer riesigen Zahl von Unterstützern.

Eine Bürgerinitiative zum Erhalt des Kanals wurde Ende Oktober 2012 gegründet. Über eine neue Facebook-Seite solidarisierten sich sehr schnell Bürgerinnen und Bürger aus der Region mit dem Anliegen (bis heute gab es über 3.600 „Gefällt mir!“). Darüber hinaus haben weit über 8.000 Menschen, die nicht bei Facebook unterwegs sind, per Unterschrift ihre Unterstützung signalisiert. Neben diesen rund 12.000 Bürgerinnen und Bürgern haben auch eine ganze Reihe von Vereinen und Institutionen sich klar hinter die Bürgerinitiative gestellt und unterstützen diese tatkräftig. Walter Eberlei, Vorsitzender des Vereins „Rettet den Elisabethfehnkanal“: „Im September 2013 haben wir einen Verein gegründet, um die Grundlage dafür zu schaffen, langfristig Lobbyarbeit für den Elisabethfehnkanal zu betreiben. Der Verein hat inzwischen mehr als 600 Mitglieder. Vier lange Jahre hat es gedauert. Vieles stellte sich als viel schwieriger heraus als zunächst vermutet. Man kann sich kaum vorstellen, welch mühsames Unterfangen es für eine Bürgerinitiative am beschaulichen Elisabethfehnkanal ist, die erfolgreiche Argumentationslinie gegen eine professionelle Ministerialbürokratie in Berlin zu entwickeln und diese letztlich gegen alle  Widerstände durchzuhalten.“

Doch jetzt könne man zufrieden auf das Jahr 2016 zurückschauen und hoffnungsvoll auf 2017 blicken, so Eberlei. Alle Weichen für den Bau der Schleuse sind gestellt. Und auch die Finanzierung steht jetzt endlich. Im kommenden Jahr kann der Bau beginnen. Zur Saison 2018 könnte die neue Schleuse in Betrieb genommen werden. „Wir werden auch die letzten erforderlichen Schritte beharrlich und vor allem gemeinsam gehen“, so der Vereinsvorsitzende.

Dieter Murra ist als Mitglied im Vereinsvorstand für die Belange der Wassersportler zuständig. Er berichtet, dass es zügig vorangeht mit der Übernahme der Schleusen- und Brückenbedienung des Kanals auf den Landkreis und die Gemeinde Barßel. Für den Betrieb des Kanals war eine wichtige Voraussetzung, dass der Landkreis Cloppenburg die Schleuse Osterhausen in sein Eigentum übernommen hatte. Dadurch konnte schließlich der Auftrag zum Neubau dieser Schleuse erfolgen.

In dem rund 15 Kilometer langen Verlauf des EFK gibt es vier manuell bediente Schleusen mit Nutzlängen zwischen 21,2 und 27,6 m sowie Breiten zwischen 4,65 und 5,5 m. Die Durchfahrtshöhe unter den geschlossenen sieben Klappbrücken, über die der Kanal gequert werden kann, beträgt unter zwei, teilweise unter einem Meter.

Nach Angaben des Bürgermeisters von Barßel hat die Gemeinde bereits drei Mitarbeiter (Voll/Teilzeit) für die Bedienung der Schleusen und Brücken des Elisabethfehnkanals eingestellt, weiß Murra. „Die Kosten für diese Mitarbeiter übernimmt der Landkreis. Diese neuen Mitarbeiter und ein weiterer aus dem Bereich Bauhof werden nun vom WSA Meppen für ihre künftigen Aufgaben geschult. Damit verfügt die Gemeinde Barßel künftig über vier ausgebildete Schleusen/Brückenbediener. Zusätzlich können die Mitarbeiter vom Campingplatz für  Schleuse und Brücke Osterhausen eingesetzt werden.“ Gegenwärtig liegen noch keine offiziellen Angaben zu den Bedienzeiten der Schleusen und Brücken vor. Die Bootsfahrer hoffen jedoch auf flexiblere Durchfahrtszeiten als die bisher am Kanal üblichen.

Auch die Infrastruktur am Wasserweg wird in diesem Jahr ausgebaut. Dieter Murra: „2017 werden zwei neue Stege mit Stromanschluss im EFK gebaut: Der vorhandene Steg in Elisabethfehn  Dreibrücken wird von jetzt 20 m auf 50 m verlängert. Der zweite Steg mit ca. 20 m Länge wird in Elisabethfehn Süd gebaut. Für diese Maßnahmen stehen 105.000 Euro  an Investitionsmitteln zur Verfügung. Die Stege sind für Wasserwanderer zum Übernachten interessant. Tankstelle, Apotheke und Supermarkt können auf kurzem Weg zu Fuß erreicht werden.“

Vom  Küstenkanal aus gesehen befindet sich vor der ersten Hebebrücke steuerbords die Steganlage des Bootsclubs Kamperfehn mit allen erforderlichen Versorgungseinrichtungen. Nach der zweiten Hebebrücke findet der Bootsfahrer den Anleger mit Kran (bis zu 25 Tonnen) der Siemer Jachtservice Hunte-Ems GmbH. Nach Fertigstellung der Steganlagen in Elisabethfehn stehen künftig an beiden Seiten des Kanals gute Übernachtungsmöglichkeiten für Boote auf dem Elisabethfehnkanal zur Verfügung.

Die Gemeinde Barßel wird in Kürze die neuen Bedienzeiten der Brücken und Schleusen bekannt geben. Bis dahin sollten sich Skipper vor dem Befahren des Kanals über die entsprechenden Zeiten und Kontakte im Internet informieren unter: www.wsa-meppen.de/amtsbereich/efk/index.html (wd)                       

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