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10.03.2017
boot Düsseldorf: Bremer Aussteller verzeichnen Aufschwung der Wassersport-Branche

Gute Stimmung: Andrew Winkley und das Team vom Großhandel Bukh Bremen. (Foto: Kölling)

Zufriedene Bremer Händler - auf der weltgrößten Wassersportmesse „boot“ in Düsseldorf kündigt sich nach Jahren der Marktschwäche ein Aufschwung an. Unter der Woche waren die 17 Hallen mitunter so voll wie früher nur am Wochenende. Die Bilanz: 1800 Aussteller aus siebzig Ländern locken 242.000 Besucher an. Und die Menschen laufen nicht nur, sie kaufen wieder. Dabei glänzen die Boote durch Größe, Bauart und mit vielen pfiffigen neuen Lösungen - auch bei den Bremer Ausstellern.

Marco Meier vom HW Bootscenter aus Weyhe kann sich neben dem an seiner Yacht interessierten russischen Pärchen bequem an der Bar der „Galeon 460 Fly“ anlehnen. Er steht dabei praktisch auf der Reling der rund 14 Meter langen Motoryacht made in Polen, die im Hafen zur Seite aufgeklappt das Deck enorm verbreitert: „Und die Sitzbank achtern lässt sich ähnlich auch noch in eine große Liegewiese verlängern. So einen Platz haben Sie sonst nur auf einem 80-Fuss-Boot.“ Der Mann, der den Kunden neun Tage lang Urlaubsgefühl vermitteln will, ist in Dreye der Werkstattleiter von Ralf Hartwigs Bootscenter. Aber er kann auch verkaufen: Tags zuvor hat er das Ausstellungsschiff im Wert von 857.000 Euro an ein Ehepaar aus der Gegend um Bremen vermittelt.

Meiers Boss Ralf Hartwig ist schlicht „happy“ über die Entscheidung, mit seinem polnischen Hersteller Galeon in fast eintausend Quadratmeter Ausstellungsfläche in der Superyachthalle 6 investiert zu haben. Es sind die richtigen Menschen zu ihm gekommen und einige haben Kaufverträge unterschrieben. Ein Drittel des Riesenstandes nimmt ein Loungebereich mit Dauercatering und den acht Büros ein. 500.000 Euro stecken in dem Messeauftritt. Das 56 Fuß lange Flaggschiff der Werft wurde von Danzig als Decksfracht nach Antwerpen und auf eigenem Kiel über den Rhein nach Düsseldorf gebracht. Hartwig: „Wir haben hier so gut verkauft: Nächstes Jahr kommen wir mit 64 Fuß. Das steht schon fest.“

Früher waren Albert und Claudia Drettmann aus Hemelingen regelmäßig unter den Ausstellern mit der größten Yacht auf der „boot“. Diesmal sind sie mit einem 140-Quadratmeter-Stand, aber ohne Boot dabei und berichten von ihrer neuen Werftkooperation mit „Gulf Craft“ in Dubai. Die 1982 gegründete Werft baut dort pro Jahr mit 1200 Mitarbeitern rund 400 Boote. Allerdings sind davon nur rund vierzig Prozent Yachten der Marken „Majesty“ für Edelyachten und „Nomad“ für Exploreryachten. Albert Drettmann: „Ein toller Betrieb, in den man mit weißer Hose rein, aber auch wieder rausgeht. Sie machen dort so gut wie alles selbst in einer beeindruckenden Qualität und sind in der Region schon sehr bekannt.“

Drettmanns  haben auf der „boot“ zur Halbzeit mit ihrem Team schon eine 110-Fuss-Majesty verkauft, eine 65-Fuss-Nomad und eine Zusage auf einen 43-Meter-Bau von einem alten Kunden in der Tasche. Neben den Ordern Richtung Golf gibt es auch Neuigkeiten für Drettmanns Geschäftsaktivitäten. Der Showroom und die Hallen des Unternehmens sollen auf der ehemaligen Bremerhavener Seebeckwerft neu eingerichtet werden. Nur die Zentrale bleibt in Hemelingen.

Yachthändler Uli Schürg von Blue Yachting aus Lesum ist in Düsseldorf mit insgesamt sechs Ausstellungsschiffen dabei, meist aber auf einem 40-Fuss-Katamaran zu finden. Die „Bali 40“ aus der Catana-Werft in la Rochelle hat für „nur“ 400.000 Euro einige Raffinessen  zu bieten: Eine Terrasse mit Sitzgruppe auf dem Vorschiff und eine Heckwand, die man mit wenigen Handgriffen unter der Decke des Sonnenschutzes befestigt und so Licht und Luft im ganzen Schiff hat. Schürg bestätigt, dass diese Lösungen besonders den Einkäufern von Charterflotten gefallen.

Schürg ist mit Blue Yachting auch noch mit Schiffen der Marken „Elan“ und „Allure“ in Düsseldorf dabei. Der Aluminiumbau „Allure 45.9“ ist eine Weltpremiere und das perfekte Einrumpfboot für die Weltumseglung mit der Familie. Die Deutschlandpremiere der „Elan GTS“ hat eine extrem sportliche Deckssalonyacht enthüllt, gebaut in Slowenien zu einem sehr akzeptablen Preis.

Wer sich seine Multi-Millionen-Motor- oder Segelyacht aber doch lieber außerhalb aller Serienlinien bauen lassen will, schaute in diesen Tagen mitunter auch bei Immo Lüdeling und Tim Ulrich von „beiderbeck designs“ aus Vegesack in Halle 7a vorbei. Direkt vor der Messe haben die beiden Schiffskonstrukteure gerade das Zuwasserlassen einer 35-Meter-Motoryacht in Taiwan auf der Horizon-Werft verfolgt. Ein Detail: Große Seitenfenster und tief geschnittene Relingbereiche. Tim Ulrich: „Es geht darum, dass man im Sitzen das Wasser sehen kann. Die Schiffe werden heute immer größer, und wir schauen, was man mit diesem Raum an neuen Dingen anfangen kann.“ Das Interesse an ihrer Arbeit auf der „boot“ beschreibt Ulrichs Kompagnon Lüdeling fast überschwänglich: „Es könnte nicht besser sein als dieses Jahr.“

Wo Boote verkauft werden, sind auch die Zulieferer nicht weit: Der Segelmachermeister und Weltklassesegler Albert Schweizer mit Büro in Vegesacks Altem Speicher ist ständig in den Messehallen unterwegs, um seine Kunden zu treffen und zu beraten. Der Wassersportmarkt in Norddeutschland selbst ist aus seiner Sicht durch den demografischen Wandel immer noch eher am Stocken, aber in den Nischen lässt es sich prima leben: „Sie glauben nicht, wie viele deutsche Eigner mit großen Schiffen im Mittelmeer unterwegs sind, speziell in der Rennboot- und Klassikszene. Und die nutzen ihre Boote dort auch – was extrem gut ist für uns Segelmacher.“ Schweizer sieht ungebrochen auch den von Blue Yachting nachvollzogenen Trend zu Mehrrumpfbooten: „Viele Deutsche steigen um auf zwei oder drei Rümpfe.“

Das kann Andrew Winkley und Jens Ellermann von Bukh Bremen nur recht sein: Bei zwei Rümpfen verdoppelt sich für sie als Großhändler fast die Menge der nötigen Bootsausrüstung. Der Stand ist mit 420 Quadratmetern einer der großen in der Ausrüsterhalle. Von seinen 28 Herstellern greift sich Winkley mit Textron Motors einmal eine US-amerikanische Firma heraus, die ihren neuen Kleinstbootmotor mit 0,9 Litern Hubraum in Deutschland fertigen lässt: „Daraus holt der Motor 80 bis 150 PS, lieferbar mit Z-Antrieb oder Jetantrieb.“ Der Bukh-Stand ist etwas für Technikbegeisterte. Während der Messezeit arbeiten für den Betrieb aus dem Gewerbegebiet Industriepark bei  Grambke 50 Berater. Mit Heiner Imhoff aus Burg ist auch das Urgestein der Nordbremer Wassersportspezialisten mit dabei. Winkley lacht: „Wenn man mit seinem Bootsproblem nicht mehr weiter weiß, geht man zu Heiner Imhoff, und der hilft. Das ist immer noch so.“ Hier auf der Messe sei es dabei für die Kunden mal möglich, viel mehr Produkte als sonst im Laden vor dem Kauf in Augenschein zu nehmen.

Beim Großhändler Bukh bekommt man schon einen ganz guten Eindruck auch von den Produkten der Bremer Beleuchtungsspezialisten Aqua Signal. Gleichwohl präsentiert sich die Glamox Aqua Signal GmbH auch noch mit einem eigenen Messestand. Duygu Seren verkauft hier keine Beleuchtungslösungen, hat aber schon die Infos parat, wo in den Hallen Händler die Bremer Produkte verkaufen: „Wir hatten hier wirklich viele Endverbraucher mit sehr gezielten Fragen. Die sind hier dann schon richtig in der Beratung. Refit von Booten ist ein Riesenthema, und viele wollen wissen, was im LED-Bereich am Markt passiert ist.“ Sie zeigt dann neben den energiesparenden LED-Positionslichtern mit staatlicher Zulassung gerne auch die flexible Kabinenleuchte mit eigener USB-Steckdose für das Aufladen des Smartphones.  Duygu Seren hat festgestellt, dass viele Hersteller, die die Messe lange gemieden haben, mit ihren Ständen nach Düsseldorf zurückgekehrt sind: „Alle erwarten den Aufschwung – gerade auch im Bereich der Motorboote.“

Für welche Art Boot die Kunden kommen, kann Andreas Meyer und Michael Rohde von rock-n-roll-shipping aus Berne fast egal sein. Hauptsache, sie kommen in derartigen Scharen. Die beiden haben für die Messe bei ihren Herstellern angeheuert: Meyer für den Elektronikspezialisten Furuno und Rohde direkt am Stand daneben für die Kühlspezialisten von Dometic dabei. Michael Rohde zeigt, was an Bord inzwischen alles geht: Die Kompressor-Kühlschränke für den Bordbetrieb ähneln vom Aufnahmevolumen  immer mehr dem vom Kühlschrank zu Hause. Nur kühlen diese hier schneller hoch und verbrauchen dabei deutlich weniger Strom. Michael Rohde: „Man kann sogar wählen und einstellen, ob man damit nur tiefkühlen oder kühlen will und mit einer Zwischenwand beides möglich machen.“ Es soll doch heutzutage bitteschön bequem und bunt zugehen an Bord.

Das merken auch die Berater auf dem Bremer Gemeinschaftsstand von Gleistein Ropes, Hahnfeld Masten und Beilken Sails. Alexandra Buerfeind von Hahnfeld-Masten hat besonders viele Anfragen für Rollanlagen generell und für Komplettpakete, mit denen man die relativ leicht zu bedienenden Gennaker- und Code-O-Segel fahren kann: „Hier erfolgt ganz viel Beratung unsererseits. So viel wird hier von uns nicht verkauft. Für ein neues Rigg entscheidet man sich nicht mal so eben. Dafür gibt es zu viele Detailfragen zu klären. Aber hier beginnen viele Geschäfte mit dem ersten Kontakt.“

Jörg Müller-Arnecke von Beilken Sails freut sich, dass sich seine neue Segelversicherung langsam auf der Messe herumgesprochen hat: Drei Jahre Garantieverlängerung auf die zwei Jahre Grundgarantie – das traut sich laut Müller-Arnecke momentan noch kein Mitbewerber. Segel für Boote zwischen 30 und 50 Fuß gingen in diesem Jahr besonders gut.

Heide Giese-Bothe von Gleistein zeigt die neuesten Kreationen aus der Blumenthaler Seilerei: Bunt meliertes Spezialtauwerk, das ein bisschen an bunte Haarbänder von Hippiemädchen erinnert: „Wir haben gedacht, wir bringen mal etwas Farbe ins Spiel. Und die Leute auf der Messe mögen das“, lächelt Gleisteins Messechefin Giese-Bothe. Sie hat besonders gute Gespräche im B2B-Bereich mit potentiellen Geschäftspartnern gehabt: „Wir haben jetzt einen neuen Händler auf Zypern und sind mit anderen im Ausland positiv im Gespräch. Hier trifft sich wirklich die Welt.“

Andere gehen raus in die Welt – so das deutsche Team für den Red Bull YouthAmerica’s Cup (RBYAC), das einen neuen Namen trägt: Ab sofort segelt das bisherige Next Generation Team Germany als SVB Team Germany. Die Zusammenarbeit wurde am Stand des Bremer Spezialversenders für Yacht- und Bootszubehör auf der „boot“ offiziell bekannt gegeben. „Wir sind sehr glücklich, dass wir mit SVB einen starken Partner gefunden haben, der voll hinter uns steht“, begrüßte Skipper Max Kohlhoff den neuen Namenssponsor. Dank der Unterstützung von SVB startet das deutsche Nachwuchsteam vom 12. bis 21. Juni 2017 beim Youth America’s Cup vor den Bermudas, dem kleinen Bruder des traditionsreichen America‘s Cups, der dieses Jahr zum zweiten Mal von den Youngsters des internationalen Segelsportes im Alter von 19 bis 24 Jahren bestritten wird. Für den diesjährigen RBYAC haben sich zwölf Teams aus zwölf verschiedenen Nationen qualifiziert, die in Sechser-Crews auf der extrem schnellen Foiler-Version des AC45 Flügel-Katamarans über das Wasser fliegen.

„Die Kombination passt, denn auch bei SVB tritt ja das Nachwuchsteam jetzt an“, so Judith Stamann, die in den Spezialversand für Yacht- und Bootszubehör ihres Vaters Thomas Stamann eingestiegen ist. Der ergänzt: „Ich denke, es ist ein Riesenerfolg für den deutschen Segelsport, dass auch in diesem Jahr wieder ein deutsches Team beim Red Bull Youth America’s Cup antritt. Wir freuen uns sehr, die junge Crew unterstützen zu können!“, Und Steuermann Paul Kohlhoff steckte auch gleich die ehrgeizigen Ziele des Nachwuchs-Teams ab: „Wir wollen vor den Bermudas eine Top-Platzierung erreichen. Unsere neuen Sponsoren helfen uns, diesem Ziel deutlich näher zu kommen, denn sie ermöglichen uns eine bessere Vorbereitung“. Am SVB-Stand verteilte das Team am letzten Messesonnabend dann auch schon einmal vorsorglich Autogramme – echte Sammlerstücke, sollte es mit einem Sieg bei den Atlantikrennen klappen. (Volker Kölling)

 

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