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Ein Yachtzentrum für Elsfleth
19.09.2017
Arbeiten an der Hunte Marina gehen zügig voran – Winterlagerplätze für weit über einhundert Boote

Lagebesprechung (v.l.): Andreas Meyer und Michael Rohde von „rockn-roll-shipping“, Projektabwicklerin Mara Lüddens und Hunte-Marina-Geschäftsführer Günter Thielemann vor den Grundfesten der neuen 1000-Quadratmeter-Halle, in der bald mehr als 100 Boote überwintern sollen. (Foto: Kölling)

Elsfleth baut sich ein eigenes Yachtzentrum: Auf vier Hektar Fläche entsteht zur Zeit direkt neben der Elsflether Werft die Hunte Marina mit Winterlagerplätzen für weit über einhundert Boote. Eine 1000-Quadratmeter-Halle wird in diesen Tagen fertig gestellt. Der Hubwagen für Boote bis zu 47 Tonnen Gewicht ist gerade aus den Niederlanden angekommen. Damit hat das Weserrevier einen neuen Full-Service-Bootslagerplatz für Schiffe bis zu 20 Metern Länge.

Ein Bagger schabt geradezu vorsichtig Steine und Erde von den letzten nicht asphaltierten Flächen ab. Ein Arbeiter misst mittels Laser und Messlatte den Bodenaushub. Hunte-Marina-Geschäftsführer Günter Thielemann muss in die Geschichte des Grundstücks eintauchen, um die Arbeiten zu erklären: „Was hier jetzt passiert, hat eine ganz lange Geschichte: Die Firma Rüttgers hat hier früher Bahnschwellen mit einer Teerchemie getränkt. Deshalb musste das ganze Grundstück vor der weiteren Verwendung erst einmal saniert werden.“ Das Grundstück habe der Elsflether Grundstücksgesellschaft gehört, die es dann in die Hunte-Marina Elsfleth GmbH habe einfließen lassen, erläutert Tielemann. Er selbst ist als ehemaliger Chef des Jobcenters in Nordenham nun aus dem Ruhestand zurückgekehrt für eine neue spannende Aufgabe: „Der Plan zum Winterlagerbetrieb ist im vergangenen Jahr gereift. Im Vordergrund stand davor aber die Sanierung des Grundstücks, an der nun die alten genauso wie die neuen Besitzer beteiligt waren sowie eine lange Reihe von Institutionen und Behörden.“

In der Halle steht ein Kran und hievt ein Stück Seitenwand nach dem anderen in die Stahlgerüstkonstruktion. Projektabwicklerin Mara Lüddens freut sich: „Vor ein paar Tagen sah man hier noch nichts, und nun sind sogar die Wände fast schon fertig.“ Die drei Nachbarhallen sind fest an externe Betriebe verpachtet, erzählt sie. Aber für die tausend Quadratmeter Hallenfläche nimmt sie schon täglich Reservierungen von Menschen entgegen, die für ihr Boot im Winter ein Dach über dem Deck wünschen: „Verträge für 17 Boote habe ich schon. Da wird es also langsam eng.“

Aber draußen geht noch viel mehr. Dicht an dicht stehen auf den 7000 Quadratmetern des bereits asphaltierten Freigeländes einhundert professionelle Yachtlagerböcke. „Wir konnten all das aus dem Bestand der Deters Yacht- und Bootswerft in Berne bekommen, deren Besitzer aus Altersgründen den Betrieb eingestellt haben,“ erzählt Günter Thielemann (der Sportschipper berichtete). Es sei eine glückliche Fügung gewesen, dass dort der Betrieb genau zu einer Zeit eingestellt worden sei, in der man die Eröffnung der Hunte-Marina geplant habe. Und nicht nur die Infrastruktur der Deters-Werft zieht eine Viertelstunde Autofahrt Richtung Norden: Andreas Meyer und Michael Rohde von „rockn-roll-shipping“ sitzen im Moment fast täglich in Elsfleth mit am Tisch, um Thielemann und Lüddens bei der Detailplanung zu unterstützen. In den kommenden Wochen soll ihr Bürocontainer und ihr Lager auf die Reise gehen.

Günter Thielemann: „Die beiden mussten ebenfalls das Deters-Gelände verlassen. Bessere Partner für unser Vorhaben hätten wir nicht finden können. So kommen wir zu einem ganzheitlichen Angebot rund ums Boot in Kooperation mit unserer Seite, hinter der ja auch die Elsflether Werft steht.“ Andreas Meyer von „rockn-roll-shipping“ erklärt die geplante Arbeitsaufteilung: „Die Hunte-Marina bringt die Boote aus dem Wasser und ins Wasser, wäscht sie mit ihrer Slipcrew und kümmert sich um die Verträge und den Papierkram. Alle anfallenden Arbeiten rund ums Boot laufen dann über rockn-roll-shipping, also über uns.“ Meyer und Rohde sind Allrounder, was den Yachtservice angeht. Sie kümmern sich um die Yachtelektronik vom Kartenplotter bis zum Radarsystem genauso wie um das Bordklo oder die Heizung und den Kühlschrank an Bord. Meyer: „Wir polieren die Boote auch, warten und reparieren die Motoren oder sorgen für den richtigen Antifoulinganstrich.“

 

An der Stelle lohnt sich die Nachfrage, ob denn die privaten Bootsbesitzer überhaupt noch selbst Hand anlegen dürfen an ihren Schiffen? Tatsächlich werden die Spielregeln auf diesem gewerblichen Winterlagerplatz um einiges straffer sein als auf vielen Vereinsanlagen im Revier oder auch auf der Deters-Werft, was Meyer und Thielemann aber auch begründen können. Andreas Meyer: „Es wird so sein, dass der Eigner am Schiff noch bestimmte Sachen machen kann und bestimmte wie Antifouling streichen oder polieren noch auf bestimmten Flächen. Wir werden die Boote eng stellen, und so können wir es zum Schutz der anderen Boote nicht gestatten, dass da Leute ihre Schiffe sandstrahlen oder komplette Rümpfe abziehen.“

Zudem würden die gesetzlichen Auflagen für den Umgang mit Antifoulingfarben immer mehr verschärft. Meyer: „Da muss der Boden vollkommen abgedeckt sein beim Streichen und die Boote vollkommen eingehaust. Dazu muss man mit Lüftern  und Absauganlagen und entsprechendem Arbeitsschutz arbeiten.“ Es gehe um einen sauberen Platz und eine saubere Halle für alle. Auch wenn Günter Thielemann nach eigenen Worten kein ausgewiesener Wassersportmann ist, kann er sich schon denken, dass das bei vielen Kunden ein Umdenken erfordert: „Aber am Ende haben alle etwas davon – nämlich ein sauberes Boot. Keiner muss sich mehr ärgern. Wir werden da anfangs sehr strikt sein, damit sich da gar nicht erst etwas einschleift.“

Grundsätzlich verspricht das Viererteam an der Hunte ein hohes Maß an Orientierung an den Kundenwünschen. Tielemann weiß, dass auf der Deters-Werft auch auf den Booten übernachtet wurde. Die Hunte-Marina aber wird nachts abgeschlossen sein: „Wir überlegen aber, für Kunden, die einen weiten Weg hinter sich haben, günstig Schlafplätze in Wohnwagen anzubieten.“ In einige Jahren werden die Boote in der Hunte-Marina auch Stegplätze belegen können. Die Elsflether Werft plane ohnehin eine Kajenverlängerung. Dabei werde die Marina einen Vierzig-Meter-Steg am Wasser bekommen, der sich später noch auf sechzig Meter verlängern lasse, so Thielemann. Vorrangig ist für Thielemann aber die Slipanlage und der Bau des Waschplatzes für die Boote: „Die Slipanlage existiert schon mit allen nötigen Genehmigungen. Wir prüfen aber gerade, ob wir sie ins Wasser hinein nicht noch verlängern können.“ Klappe das alles nicht zu diesem Saisonende, greife man auf die Möglichkeiten der Werft nebenan zurück: „Wir arbeiten an einem Plan B.“

Der Hubwagen, der die Boote die Böschung rauf und runter schleppen soll, ist gerade mit Roland Bolles von der Elsflether Werft aus den Niederlanden angekommen: Sechs Tonnen wiegt das Arbeitsgerät, das nicht höher ist als ein Lamborghini, im Gegensatz zu dem Sportwagen aber 47 Tonnen Druck von oben auf die sechs Hydraulikstempel aushalten kann ohne zu zerbrechen. Bolles: „Nicht so nah an den Rädern fotografieren. Die neuen liegen schon dahinten. Die tauschen wir morgen noch aus.“ Stichwort Morgen: Wo will die Hunte-Marina in drei Jahren stehen?

Thielemann erzählt von der Möglichkeit für eine zweite Winterlagerhalle, vom Neubau einer dritten mit Werkstätten und Lagern für „rockn-roll-shipping“, Sozialräumen und der Verwaltung: „Aber jetzt im ersten Jahr üben wir erst einmal und werden sehr genau darauf schauen, was unsere Kunden möchten. Danach richten wir uns dann aus.“ Die Kommunikation zu vielen der neuen Kunden steht ohnehin über Andreas Meyer und Michael Rohde. Der meint: „Viele der alten Deters-Kunden haben schon gesagt: Gut, dass ihr mit umzieht. Dann wissen wir schon, wer uns helfen kann.“ Michael Rohde erzählt von einem spontanen Grillabend mit alten Kunden am Tag zuvor.  Andreas Meyer will ohnehin den gemeinsamen Spaß am Boot und der Arbeit daran auch als Geist auf den neuen Standort übertragen: „Es geht uns nicht nur ums Geld, sondern um Spaß an einer interessanten Aufgabe.“ (Volker Kölling)

www.hunte-marina.de

 

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