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Ein ungleiches Paar
01.07.2017
Die Bremerhavener lieben ihren „Pingelturm“ und das „Minarett“

Der „Pingelturm“ ist der einzige deutsche Leuchtturm, der mit einer Nebelglocke ausgestattet ist. Bei verminderter Sicht erschallt ein akustisches Signal. (Foto: Kruse)

Bremerhaven war im 19. und 20. Jahrhundert meistens die letzte Station hunderttausender deutscher Auswanderer. 1892 entstand die Kaiserschleuse, um für die expandierenden Liniendienste des Norddeutschen Lloyd (NDL) gewappnet zu sein. Damals galt sie als das größte Schleusenbauwerk der Welt. Die 305 Meter lange und 55 Meter breite Kaiserschleuse wurde 2011 nach umfassendem Umbau und Vergrößerung neu eröffnet. Am 1. Mai 2011 wurde zur Einweihung ein maritimer Weltrekord aufgestellt: 327 Sportboote, begleitet von Windjammern und Themenschiffen, bildeten die bis dato längste Schiffskette der Welt. Das war einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde wert.

Beim Umbau der Kaiserschleuse blieb der Leuchtturm Kaiserschleuse erhalten. Er steht östlich an der Schleuseneinfahrt und heißt offiziell Kaiserschleuse Ostfeuer. Er ist der einzige deutsche Leuchtturm, der mit einer Nebelglocke ausgestattet ist und daher im Volksmund „Pingelturm“ genannt wird. Bei verminderter Sicht durch Benel erschallt die Glocke alle zehn Sekunden in schneller Folge. Der 15 Meter hohe Turm wurde 1900 im historisierenden Backsteinstil von Hafenbaumeister Rudolf Rudloff entworfen und ist der nördlichste Leuchtturm Bremerhavens. Seit 1984 steht er unter Denkmalschutz. Die reizvolle Architektur macht den Pingelturm zu Bremerhavens Liebling.

Auch das sieben Jahre zuvor in wesentlich schlichterer Bauweise errichtete Unterfeuer an der Einfahrt zum Neuen Hafen, volkstümlich „Minarett“ genannt, stammt vom Zeichenbrett Rudloffs. Als Unterfeuer zum 1854 von Simon Loschen erbauten Großen Leuchtturm wurde 1893 der 22,40 Meter hohe Turm an der Südseite der Einfahrt zum Neuen Hafen in Stahlskelettbauweise errichtet. Es entstand ein roter kegelförmiger Turm mit zwei weißen Bändern, einer Galerie und einer roten Kugel als Spitze. Wegen seiner eigenwilligen Form nannten die Bremerhavener das auffällige Bauwerk alsbald „Minarett“. Das Leuchtfeuer im Minarett ist in Höhe der Balustrade 10,35 Meter über dem Erdboden angebracht. Es steht 208 Meter vom Leuchtturm Bremerhaven, dem Loschen-Turm, entfernt. Zunächst mit Petroleum und nachfolgend mit Gas befeuert, wurde der Turm 1925 elektrifiziert und bereits 1942 automatisiert. Im November 1992 erfolgte eine Verlegung um 56 Meter in südwestlicher Richtung hin zum Mittelpunkt der neuen Seebäderkaje. Das mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Objekt hat seine Funktion als Leuchtfeuer beibehalten.

Pingelturm: 53°33,3`N  008°33,7`E

Minarett: 53° 33' N 008° 34' E

 

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