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Ein frisches Bett für die alte Dame
14.05.2018
Saugbagger beseitigt kubikmeterweise Sand aus Unterwasser-Spundwandkasten, um Grundberührung der „Schulschiff Deutschland“ zu verhindern

Schweres Geschütz: Ein Spezialbagger sorgt dafür, dass die „Schulschiff Deutschland“ keine Grundberührung bekommt. (Foto: Kölling)

Für den Dreimaster „Schulschiff Deutschland“ wird das Bett frisch gemacht: Das Unternehmen Heuvelman Ibis aus Leer hat kubikmeterweise Sand aus dem Unterwasser-Spundwandkasten gesaugt, in dem das Schiff mit seinen gut fünf Metern Tiefgang liegt. Durch die Arbeit des Saugbaggers ist verhindert worden, dass Vegesacks Wahrzeichen eine Grundberührung erfährt und Schaden nimmt. 107 000 Euro zahlt die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Bremen (WFB) für diese Unterhaltungsbaggerung.

Das Heck der alten Dame ist ihre Problemzone. Von der Sohle der Lesum ragt um das Schiff herum die unsichtbare Unterwasserwand drei Meter in die Höhe. Der meiste Sand lagert sich achtern um das Ruder des Vollschiffs und in dem Bereich direkt hinter der Unterwasserspundwand. Gunnar Neimke, Projektsteuerer für die WFB, rät, sich den Verlauf der Spundwand gedanklich vom letzten Dalben in einer Linie in spitzem Winkel zum Ufer vorzustellen – in Richtung Lesumponton gesehen: „Wir haben ja jetzt über die Jahre unsere Erfahrungswerte und wissen, dass sich das Sediment hier hinten besonders stark absetzt.“ Das Problem: Reicht die Sandablagerung erst einmal hoch bis zur Spundwandkante, läuft der Kasten ganz schnell mit Sand voll. Neimke: „Der Schiffsbetriebsmeister Ingo Müller-Fellmett lotet regelmäßig die Wassertiefen am Heck. Da dürfen wir mit dem Baggern nicht erst solange warten, bis das Heck bei Niedrigwasser schon aufsitzt.“ Das – da ist er sich sicher – würde der 90 Jahre alte, genietete Stahlrumpf nicht lange aushalten.

Praktischerweise muss das ostfriesische Baggerunternehmen mit dem Baggergut keine großen Ausfahrten machen. Gunnar Neimke: „Nicht einmal dreißig Meter weiter an der Längsseite von Schiff und Spundwand brauchen wir das Material, weil da an der Engstelle die Lesum an Strömungsgeschwindigkeit zulegt und die Flusssohle angreift.“ Mit 250 Kubikmeter  Baggergut rechnen die WFB-Experten laut Ausschreibung in dem Spundwandkasten. Dazu sollen auch noch einmal 1200 Kubikmeter Material zwischen Schiffsheck und dem Lesumponton verschwinden. Auch da gilt laut Neimke: „Wir ziehen die Sedimente einmal um die Ecke herum.“ Er hat inzwischen einen genauen Blick darauf, was Deutschlands kürzester Fluss wann so alles in sich trägt: „Wenn im Grohner Yachthafen oder am Sperrwerk gespült wird, merken wir das hier. Und das gilt ähnlich auch für Zeiten mit schweren Stürmen oder extremen Wasserständen. Dann kommt hier mehr Sediment an.“

Claus Jäger, langjähriger Vorsitzender des Deutschen Schulschiffvereins, hat sich über die Zeit an die regelmäßigen Baggereinsätze gewöhnt. Er erinnert sich aber auch, dass sie eigentlich gar nicht nötig sein sollten: „Vor der Verlegung der ‚Schulschiff Deutschland‘ an die Lesum hat eigens das Franzius-Institut die hier herrschenden Strömungsverhältnisse untersucht. Was hier passiert, sollte damals eigentlich gar nicht möglich sein.“ Sein Schiffsbetriebsmeister belege mit den regelmäßigen Lotmessungen den Istzustand und damit das, was sich immer wieder in der Liegemulde des Schulschiffs ansammle: „Gerade das Wasser von der Wümme trägt viel Sediment in die Lesum ein. Das setzt sich dann hier im ruhigeren Wasser ab. Und wird nicht gebaggert, schwappt hinten über die Kante noch mehr Sand in die Mulde.“

Gunnar Neimke weiß, dass die Baggerei im Spundwandkasten für die Baggerführer der schwierigste Job ist. Über die Jahre hat man es immer wieder auch mit Schaufelbaggern versucht: „Aber diese Firma mit diesem Saugbagger hatten wir schon einmal im Einsatz und waren geradezu erstaunt von den guten Ergebnissen mit dem Gerät.“ Mit Echolot und digitaler Karte lasse sich dort unten am Lesumgrund ziemlich punktgenau arbeiten. Eine Woche sind für die Arbeiten veranschlagt – und damit ist das Bett der „Schulschiff Deutschland“ laut Claus Jäger dann für die nächsten zwei Jahre gemacht. (vk)

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