Logo
SVG News
Drei-Stunden-Regel fällt
07.07.2017
Nationalparkverwaltung informiert über künftige Befahrensverordnung – Soltwaters: „Wir sind positiv überrascht“

Bleibt auch künftig erlaubt: Trockenfallen im Watt, soweit es sich nicht um Schutzgebiete handelt. (Foto: Kruse)

 

Die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer informierte Mitte Juni in Wilhelmshaven über den zwischen den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen abgestimmten Entwurf für die Befahrensregelung in den Nationalparks der Nordsee.

Arndt Meyer-Vosgerau, stellvertretender Leiter der Nationalparkverwaltung, erläuterte die Vorgeschichte dieser Verordnung mit langer Vorgesichte. So gelte die 1992 erlassene Vorschrift mit der Drei-Stunden-Regel im Nationalpark nach dem Zuschnitt von 1986. Inzwischen habe sich aber die Ausdehnung des Nationalparks in das Küstenmeer hinaus vergrößert. Nun sollen die Vorschriften einheitlich und übersichtlich zusammengefasst werden. Kernpunkt ist der Wegfall der Drei-Stunden-Regel. Somit darf im Nationalpark überall und zu allen Zeiten gesegelt und gefahren werden. Ausgenommen sind besondere Schutzgebiete für Seehunde, Vögel oder Seegras. Die Geschwindigkeitsgrenzen sind für Segler und Fahrer der meisten Motorboote (Verdränger) ohnehin nicht relevant.

Der Bundesverkehrsminister hat einen ersten Vorstoß der Länder vor gut zehn Jahren abgeblockt. Nun aber muss der Bund auch für seinen Zuständigkeitsbereich – die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ), den sogenannten Entenschnabel – Regelungen treffen, fordert die Europäische Union. Insofern möchte der Bund jetzt das Gesamtpaket auf den Weg bringen.

„Wir machen hier nur die fachlichen Vorschläge. Was das niedersächsische Umweltministerium und der Bundesverkehrsminister davon übernehmen, wissen wir nicht“, erklärte Meyer-Vosgerau. Aus Kreisen der Wassersportler war angeregt worden, sogenannte Interessentenfahrwasser auszuweisen, die flachgehende Boote und Seekajakfahrer nutzen. Diese Anregung hat die Nationalparkverwaltung aufgenommen und eine Reihe von oft genutzten Routen durchs Watt ausgewiesen. Diese Fahrwasser sind nicht bezeichnet und gründen sich meistens auf die nautische Erfahrung der Wattfahrer. Erlaubt bleibt auch das Trockenfallen im Watt, soweit es sich nicht um Schutzgebiete handelt. Die Ausdehnung der Schutzgebiete – dabei wird künftig nicht mehr unterschieden zwischen Robben-, Vogel- oder Seegrasschutzgebieten – wurde teils vergrößert, teils verkleinert. Einige Gebiete konnten wegfallen, weil sich morphologische Verhältnisse geändert haben. „Uns schwebt vor, die Zuschnitte der Schutzgebiete regelmäßig zu überprüfen. Sie sollten jeweils etwa zehn Jahre gültig sein“, sagte Meyer-Vosgerau. Das Kiten ist im Nationalpark verboten und wird nur an 17 ausgesuchten Spots und an touristisch genutzten Strandbereichen erlaubt.

„Es kam nicht so schlimm, wie befürchtet“, zog der Reviervertreter Jade, Hans-Jürgen Leiß, ein erstes Fazit. Er wird als Mitglied des Nationalpark-Beirates auch in diesem Gremium den Fortgang der  Dinge verfolgen.

„Wir sind positiv überrascht“, sagte die 1. Vorsitzende von „Soltwaters“ e.V., Iris Bornhold. Viele Anregungen aus ihrem Kreis seien aufgenommen worden. Bei Detailfragen bestehe noch Gesprächsbedarf. „Aber im Großen und Ganzen können wir damit leben“, so die Chefin der Interessengemeinschaft der Wattfahrer.

Wie genau und wie schnell es weitergeht, konnten die Vertreter des Nationalparkverwaltung nicht sagen. Sie werden in Kürze ihre Karten mit den Koordinaten der künftigen Schutzgebiete dem niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel zuleiten. Das Umweltministerium wird dann in Berlin die Gespräche mit dem Bundesverkehrsministerium fortführen – Ausgang und Ende offen. (tk)

Dieses und vieles mehr aus Ihrer Region lesen Sie im Sportschipper, dem Fachmagazin für Bremen und umzu. Das Abo lohnt sich. Ganze 1,50 Euro kostet das Heft, das dann jeden Monatsanfang in Ihrem Briefkasten liegt. Tel: 0451-898974, gewerbe(at)sport-schipper.de