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Daueraufreger Nordenham
03.03.2017
FSB: Mitgliedsbeiträge zur Hafengemeinschaft nagen an der Jahresbilanz

Ausgezeichneter Nachwuchs: FSB-Jugendobfrau Anna Lang übergibt den neuen, mit 500 Euro dotierten Titel „Coolste Jugendabteilung“ an Luca Pröschild und Alex Cordes vom Wassersportverein Hanse-Kogge. (Foto: Kölling)

Eigentlich steht der Fachverband Segeln Bremen (FSB) gut da: Der Haushalt ist wieder ausgeglichen, und auch der Wirtschaftsplan für das laufende Jahr 2017 geht glatt durch die Abstimmung der Jahreshauptversammlung in der Vereinsgaststätte des Segelclubs „Niedersachsen Werder“. Was die Stimmung einmal mehr trübt, sind die finanziellen Verpflichtungen für die Steganlage in Nordenham, die alle FSB-Vereine mit tragen.

Aber zuerst einmal spricht die Polizei: Norbert Kneifel von der Bremer Wasserschutzpolizei hat Informationen darüber mitgebracht, wie sich die kleine Reform seiner Truppe in der großen Bremer Polizeireform auswirkt. Anfangs sei noch darüber geredet worden, die Sportbootgruppe mit ihren vier Beamten komplett aufzulösen. Doch das sei vom Tisch, so Kneifel: „Nach dem heutigen Stand bleibt für Sie als Wassernutzer in Sachen Wasserschutzpolizei alles beim Alten.“

Wobei Norbert Kneifel das etwas relativiert, als er über den Besuch des Landesrechnungshofes bei der Wasserschutzpolizei berichtet: „Wenn die kommen, finden sie immer was.“ Moniert worden seien unter anderem die vielen Vortragsveranstaltungen der Wasserschutzpolizei auch im Winter – aus Sicht von Kneifel und seiner Kollegen die beste Präventionsarbeit, die man rund um den Wassersport machen kann: „Aber das werden wir jetzt reduzieren wie auch die Anzahl der Motorcodierungen. Auch wenn wir die ebenfalls für sinnvoll erachten.“ Grundsätzlich sollten die Beamten künftig mehr Zeit auf dem Wasser verbringen. Das wolle man so umsetzen und mit einem neuen Controlling-System auch dokumentieren.

Nach zehn Minuten kann sich Kneifel schon wieder am gut besetzten Tisch der Ehrengäste niederlassen. Ganz stark vertreten sind die anderen norddeutschen Seglerverbände jeweils mit ihren Vorsitzenden wie Andreas Völker vom Hamburger Segler Verband, Jens Brendel vom Segler-Verband Schleswig-Holstein, Bodo Hartmann vom Segler-Verband Mecklenburg-Vorpommern und Volker Radtke vom Segler-Verband Niedersachen. Ebenfalls mit am Ehrengästetisch: Norbert Köhler, Chef der Bremer Kanuten und Vorsitzender der Wassersportkommission Bremen, Dr. Torsten Stengel als Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Bremen, Andreas Vroom als Vorsitzender des Landessportbundes und zum ersten Mal Christian Zeyfang als neuer Leiter des Sportamtes Bremen.

Nach deren Begrüßung geht es dann bald um die beiden jüngsten Gäste am Ehrentisch: Luca Pröschild und Alex Cordes dürfen zu FSB-Jugendobfrau Anna Lang nach vorne kommen, um einen ganz neuen Preis entgegen zu nehmen. FSB-Vorsitzender Jochen Nagell hat die Bewerbung der Kinder und Jugendlichen vom Wassersportverein Hanse-Kogge gleich auch noch auf allen Tischen verteilen lassen: „Wir haben uns sehr gefreut, als wir das Werk bekommen haben. Einfach toll gemacht. Dafür haben sie sich die Auszeichnung ‚Coolste Jugendabteilung 2016‘ allemal verdient.“ Netter Nebeneffekt des Preises: Die Kogge-Jugendlichen haben jetzt 500 Euro mehr in ihrer Kasse.

Wilhelm (Winne) Stoess  spricht weiter über Geld – Job bedingt als Vorstand Finanzen: Der FSB Bremen hat im Jahr 2016 mit 39.000 Euro rund 9000 Euro mehr eingenommen als im Vorjahr, bedingt durch unerwartete 2000 Euro mehr an Mitgliedsbeiträgen und Zuschüssen sowie Spenden von Dritten. Im Bereich Leistungssport verbuchte Stoess die Opti-Arbeit mit rund 12.500 Euro als größten einzelnen Ausgabenposten. Die Verwaltungskosten beliefen sich auf 4100 Euro. Ohne die Aufwendungen für die Steganlage in Nordenham hätte der FSB 7800 Euro an Plus erwirtschaftet - und das inklusive einer Rücklagenbildung für ein neues Schlauchboot. Die 9624,36 Euro an Mitgliedsbeitrag zur Hafengemeinschaft in Nordenham lassen aber die sehr guten Zahlen fast wegschmelzen.

Ludger Lübbers vom Wassersportclub Ochtum fragt als Wortführer der Nordenham-Kritiker auch bei dieser Jahreshauptversammlung wieder nach dem Stand der Gerichtsverhandlung mit der Segelgemeinschaft der Universität Bremen (SUB), die aus den alten Verträgen zur Hafennutzung in Nordenham ausscheiden will. Das Grundproblem sieht so aus: Im FSB ist niemand mehr Fan der Hafenbeteiligung, die auf das Jahr 1982 mitten im Wassersportboom zurück datiert. Alle warten auf das Ende des Rechtstreits mit der SUB, um endlich grundsätzlich weiter zu kommen.

Nur sind nach Darstellung von FSB-Chef Jochen Nagell die Verträge und rechtlichen Grundlagen der Altvorderen offenbar so schwammig ausgestaltet, dass nun Anwälte und Richter Ordnung schaffen müssen. Das, so Nagell, werde jetzt absehbar am 19. April bei einem Gütetermin vor Gericht geschehen. Und danach schaue man dann, wie es weitergehen könne. Lübbers warnt in diesem Zusammenhang, bei den Nordenhamern auf die Abrechnungen zu achten, damit nicht auch noch der neue Kran mit seinen Kosten in die Umlage gehe. Dazu beruhigt der stellvertretende FSB-Vorsitzende Uwe Wendt die Runde: Der Kran in Nordenham trage sich durch seine Nutzer.

Auch in einem weiteren Punkt geht es um rechtliche Details – diesmal im Bereich des Baurechts: Norbert Köhler berichtet in seiner Funktion als Vorsitzender der Bremer Wassersportkommission von Problemen in Bremerhaven. Der einst mit europäischem Geld aus dem EFRE-Topf für den Wassertourismus finanzierte City-Port befinde sich praktisch in Auflösung. Drei Vereinen in einer Halle dort sei gekündigt worden, zwei weitere Winter-Hallen habe die Jaich-Marina praktisch aufgegeben, weil sie nicht lukrativ zu bewirtschaften gewesen seien, so Köhler. Auch wenn alle drei Vereine im Landesmotorbootsportverband LMB Mitglied seien, gebe es ein grundsätzliches Problem mit dem Sportstättenfördergesetz des Landes Bremen, das auch die Segler angehe.

Köhler: „Wären die Anlagen in einem Flächennutzungsplan oder einem Bebauungsplan als Sportstätten eingetragen gewesen, hätte Bremerhaven diese Flächen und Anlagen jetzt ersetzen müssen. Weil das Geld dafür aus touristischen Töpfen kam, stehen die Vereine jetzt dumm da.“ Sein dringender Rat an alle Vereinsmitglieder in der Runde: „Achten Sie darauf, dass Sie mit ihren Anlagen in den Plänen als Sportstätten eingetragen sind. Sonst stehen Sie vielleicht irgendwann vor ganz ähnlichen Problemen.“ (Volker Kölling)

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