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Das Geschäft brummt
01.03.2018
Bremer Bootshändler und Aussteller ziehen positive Bilanz der boot 2018

Ralf Hartwig (HW Bootscenter, Weyhe): „Die Leute geben heutzutage eine Unmenge an Geld aus für ihre Freizeit. Ein Auftritt in Düsseldorf ist ein Muss, wenn man international mitspielen will“. (Foto: Kölling)

Es werden wieder Yachten gekauft – je größer, desto besser. Dem entsprechend zufrieden sind die Bremer Bootshändler mit der internationalen Wassersportmesse „boot“ in Düsseldorf. Die Bilanz bei vielen Zubehörspezialisten fällt etwas weniger euphorisch aus. Aber alle sind sich einig: Düsseldorf ist noch einmal internationaler geworden, und das B2B-Geschäft blüht. 

Ralf Hartwig ist gedanklich schon bei der Frage, wie er im nächsten Jahr eine 23 Meter lange Galeon-Yacht noch irgendwie in die Superyachthalle 6 gemogelt bekommt. Mehr Platz gibt es in der ausgebuchten Halle nicht, hat ihm die Messeleitung frisch mitgeteilt. Diesmal hat er mit einem 1000 Quadratmeter Stand für den HW Bootscenter den größten Auftritt eines Bremer Messeplayers am Rhein. Mit sechs Schiffen ist es schon dieses Mal eng, denn 600 Quadratmeter davon sind eben schon für den Komplex mit der großen Lounge samt Restauration, für Besprechungszimmer und die Büros reserviert – ein Edelfirmensitz für neun Tage. Aber der Aufwand lohnt sich offenbar: „Die Leute geben heutzutage eine Unmenge an Geld aus für ihre Freizeit. Und solch ein Auftritt hier in Düsseldorf ist ein Muss, wenn man international mitspielen will“, sagt der Motoryachtspezialist. Sein Flaggschiff dieses Mal ist eine Galeon 640 Fly mit ausfahrbaren Balkonen für mehr Platz an der Bordbar. Hartwig: „Heute geht es auf dem Wasser um Lifestyle. Den Typ Bootsfahrer, der nur fahren will mit einem Fahrtenschiff, den gibt es heute nicht mehr.“

Die Kundschaft von Albert Drettmann fährt ohnehin mit Crew. Als Händler für Majesty Yachts aus Dubai hat der Hemelinger eine 31,70 Meter lange Superyacht in Halle 6 karren lassen, fünf dieser Schiffe sind gerade zeitgleich in Bau, verrät er und strahlt über beste Geschäfte: „Es lief ja für Jahre alles nur noch reduzierter. Aber im Moment habe ich das Gefühl, dass die tollen Zeiten wiederkommen: Alle geben Geld aus, und alle sind gut gelaunt.“ 35 Leute hat Drettmann an seinem Stand beschäftigt, seine Frau Claudia mitgezählt. Die Beratung der Kunden geht schnell ins Detail. Die Leute kaufen ein Serienschiff, erwarten aber auch etwa bei der „Majesty 100“, dass noch ganz viele individuelle Wünsche für die 5,5 Millionen Euro eingebaut werden. Passen die irgendwann nicht mehr selbst in diese Bootsgröße, muss halt die Nummer größer bestellt werden. Drettmann: „Wir können in Dubai momentan bis 53 Meter bauen – und das zu einer Qualität in einem Preis-Leistungsverhältnis, das dreißig Prozent unter dem der Mitbewerber liegt.“

Wer etwas ganz eigenes und kein Serienschiff will, kann sich eine Halle weiter einen Termin bei Immo Lüdeling und Tim Ulrich geben lassen. Die beiden Yachtkonstrukteure von „beiderbeck designs“ mit Sitz im alten Speicher von Vegesack sind praktisch ununterbrochen in Meetings mit Menschen, die sich ihr ganz eigenes Schiff bauen oder ihre alte Superyacht auf den Kopf stellen lassen wollen. Tim Ulrich: „Die ‚boot‘ läuft für uns gerade allerbestens. Wir werden das Refit für die „Rising Sun“, eine 140-Meter-Superyacht, machen und sitzen gerade noch in Gesprächen für den Bau einer 25-Meter-Motoryacht.“

Beim 140-Meter-Schiff zu helfen würde auch Holger Simon vom Bremer Unternehmen Kaefer Schiffsausbau interessieren. Simon und seine Kollegen sind am Gemeinschaftsstand „Deutsche Yachten“ zu treffen, wo sich auch die Fassmer Werft aus Berne und die Bremerhavener Konstruktionsschmiede Judel/Vrolijk & Co präsentieren. Holger Simon: „Für uns sind die meisten hier gezeigten Schiffe zu klein. Deshalb sind wir vor allem zum Netzwerken auf der ‚boot‘. Hier trifft man alle und macht auch internationale Kontakte.“

Das kann Albert Schweizer von Incidences Segel aus Vegesack bestätigen, der besonders viele Franzosen auf der Messe ausgemacht hat: „Auf dem Pariser Bootssalon werden die Premieren neuer Yachten weniger wie bei vielen anderen Messen auch. Alle Hersteller konzentrieren sich auf Düsseldorf. Hier musst du heute hingehen, wenn du neue Boote sehen willst.“ Das eigene Geschäft – der Verkauf hochwertigster Lösungen für den Vortrieb durch den Wind – läuft gerade so zufriedenstellend für Schweizer: „Die Branche ändert sich: Es gibt immer weniger Vollblutsegler, aber viele Quer- und Neueinsteiger. Die erwarten heute auch auf dem Segelschiff, dass alles vollautomatisch passiert, es bequem ist und sie sich keine Gedanken machen müssen. Da wird es für uns Segelmacher dann manchmal schwierig.“

Heide Giese-Bothe von Gleistein Ropes aus Blumenthal bietet am Gemeinschaftsstand mit den Bremer Kollegen von Beilken Sails und Hahnfeld Masten Ratsuchenden Seglern deshalb gleich das komplette Programm vom Deck bis zur Mastspitze an. Mitunter stehen die Kunden in Scharen vor dem Stand: „Und dann gucken wir uns plötzlich wieder an und fragen uns, ob die Messe vergessen hat, die Tore zu öffnen. Es ist sehr unterschiedlich in diesem Jahr.“ Positiv sieht sie, dass wie Gleistein praktisch alle Hersteller von Wassersportartikeln inzwischen auch direkt selbst auf der Messe vertreten sind: „Das bringt Tiefe in die Beratung. Und es ist auch gut für den B2B-Austausch untereinander.“ Wie aufs Stichwort taucht ein italienischer Gleistein-Händler am Stand auf, um sich von Heide Giese-Boote die neuesten Seile aus der Yachtkollektion zeigen zu lassen.

Andreas Meyer und Michael Rohde von Rock´n´Roll-Shipping aus Elsfleth hingegen haben sich für die Messe getrennt: Meyer berät Kunden In Sachen Yachtelektronik am Stand des Herstellers Furuno, Rohde bringt mit den Kühlaggregaten von Dometic die Kälte auf die Boote. Michael Rohde erlebt die Messebesucher im Bereich Ausrüstung als etwas verhaltener im Vergleich zu den Vorjahren, weil am Ende weniger bestellt werde. So wie die beiden Yachtdienstleister der Elsflether Hunte-Marina auf der Messe an Hersteller-Ständen beraten und verkaufen, lädt auch der Wassersportartikel-Großhändler Bukh Fachhändler aus ganz Norddeutschland ein, für das Messegeschäft den großen Stand des Ausrüsters zu benutzen. Hier trifft man Heiner Imhoff aus Lesumbrok genauso wie den Bremerhavener Yachtausrüster Wilhelm Janssen. In diesem Jahr nimmt Plastimo mit seinem Sortiment von der Rettungsinsel bis zur Kinderrettungsweste viel Platz auf dem Stand ein: Man darf zum Beispiel staunen, wie wenig Platz doch in einer Rettungsinsel ist, die offiziell für sechs Personen zugelassen ist.

Noch etwas anders ist das Messe-Konzept des großen Bremer Wassersport-Versandhauses SVB. Am Stand der Neustädter lassen sich wie bei Bukh einzelne Artikel beispielhaft begutachten. Die Fachverkäufer übernehmen dann  mit dem neuen Katalog des Unternehmens in der Hand die Beratung der Kunden. Bestellt wird dann in der Regel in Ruhe zu Hause, nachdem man sich die Auswahl aus 16.000 Wassersportartikeln auf 560 Seiten noch einmal in aller Ruhe angesehen hat.

Sich auf jeder Messe neu zu erfinden, Neues neu zu präsentieren, ist eine Herausforderung an die Kreativität: Da kommt man in diesem Jahr nicht an Ulrich Schürgs „Elan GT 5“ vorbei, einer Deckssalon-Segelyacht mit gutem Speedpotential. Für die perfekte Präsentation hat „Elan“ beim Ausstellungsschiff den Kiel weggelassen und das 13,20 Meter Traumschiff in ein Wasserbecken gestellt. Schürg: „Das hat es so vorher hier noch nie gegeben.“ Der Lesumer Yachthändler muss sich eigentlich in Düsseldorf zwischen sechs Ständen zerreißen, auf denen Boote der von ihm in Deutschland vertretenen Marken zu sehen sind – von Blauwasseryachten für die Weltumsegelung von „Discovery Yachts“ oder den Alu-Hubkielern von „Allures“ bis hin zum Lifestyle Katamaran „Bali 4.0“ von Catana. Sein Eindruck vom Messegeschäft: „Tendenziell läuft es besser als in den Vorjahren.“

Auch bei seinem Grohner Kollegen Klaus Tietze von Catsale brummt das Geschäft. Und das, obwohl der die Trimarane von „Neel“ und die Hochsee-Highspeed-Katamarane von „Outremer“ gar nicht live und anfaßbar in der Halle 15 präsentiert. Mehrrumpfboote sind im Kommen, und neue Ideen in diesem Sektor werden viel bestaunt. Tietzes Tochter Guiletta Scheer zeigt stolz eine frische Auszeichnung für den Trimaran „Neel 51“. Klaus Tietze: „Oben auf den drei Schwimmern hat der Eigner sein Schlafzimmer praktisch hinter der Panoramascheibe und guckt aus dem Bett über seine Füße hinweg auf das Wasser.“ Die sechs Meter breite Schiebetür zwischen Cockpit und Salon lässt sich komplett zur Seite schieben, so dass ein riesiger Lebensraum entsteht: „Cockloon“ heißt dafür die Wortschöpfung der französischen Werft für die Verbindung von Cockpit und Salon. Der Lifestyleaspekt hat offenbar auch die Fachjury der europäischen Yachtmagazine überzeugt, glaubt Klaus Tietze: „Und nebenbei segelt die Neel auch noch richtig gut und schnell: Die legt sich am Wind auf eine Seite, hebt den einen Schwimmer zappelig in die Luft und zischt richtig ab.“ Der Titel „European Yacht of the Year“ ist jetzt noch ein Argument für den Kauf des Dreibeins, so man denn 800.000 Euro für sein nächstes Boot übrig hat. (Volker Kölling)

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