Logo
SVG News
Bäderschiff rammt zwei Segeljachten
09.02.2018
Dramatisches Manöver im Hafen von Helgoland – Keine Verletzten

Die „Helgoland“ rammte mit ihrem Bug die „Circe“ aus Wilhelmshaven und beschädigte auch die zweite Jacht, die an der Ostmole lag. (Foto: Timo Sass)

„Um ein Haar wäre meine ‚Circe‘ auf den Hafengrund gesunken“, gibt sich Rechtsanwalt Timo Sass vom Wilhelmshavener Segelclub einige Tage nach seinem letzten Helgoland-Törn ein wenig erleichtert. Fast hätte die „Helgoland“ seine Jacht am Silvestertag im Hafen versenkt. Das 83 Meter lange Seebäderschiff trieb ohne Steuerung unkontrolliert durch das Hafenbecken und rasierte vor der Kollision mit zwei Sportbooten, die an der Ostmole vertäut lagen, mehrere Stahlpfähle der Mittelmole ab, an denen in der Saison die Schwimmstege geführt werden

Kurz vor 13 Uhr lief die erst zwei Jahre alte „Helgoland“ in den Südhafen ein. Das Bäderschiff, das die Hochseeinsel von Cuxhaven aus ganzjährig täglich anläuft, wollte an der Westmole des Südhafens anlegen und dazu über die Backbordseite drehen. „Eine Vorleine war schon an Land, aber als man die als Spring umsetzen wollte, gab es augenscheinlich Probleme. Dazu kam, dass in dem Moment wohl auch das Bugstrahlruder ausgefallen war. Es herrschte Südostwind aus westlicher Richtung mit 6, in Böen 7 Beaufort“, schilderte Timo Sass die Situation gegenüber dem „Sportschipper“. Die Besatzung des auf Helgoland stationierten Seenotrettungskreuzers „Hermann Marwede“ war bereits beim Einlaufen der Inselfähre auf Probleme an Bord aufmerksam geworden und hatte vorsorglich das Tochterboot „Verena“ ausgebracht. Die Bemühungen, mit Hilfe des Tochterbootes das Seebäderschiff an die Kaje zu bringen, schlugen fehlt. Schließlich gelang es, die Fähre an der Ostkaje festzumachen. Alle 78 Menschen an Bord der „Helgoland“ blieben unverletzt.

Zuvor hatte die „Helgoland“ aber mit dem Heck mehrere Doppelpfähle der Mittelbrücke abgeknickt und die beiden Segeljachten auf den Steg gedrückt. „Ich wollte gerade von Bord, als die ‚Helgoland‘ einlief. Schon beim Passieren der inneren Molenköpfe schien sie Ruderprobleme zu haben und touchierte die Pier, an der die ‚Hermann Marwede‘ liegt“, so Augenzeuge Timo Sass. Das Anlegen an der Westkaje habe dann nicht geklappt, und die „Helgoland“ trieb unkontrolliert durchs Hafenbecken auf die Boote zu.

„Zunächst drückte das Schiff meine Yacht mit dem Bug gegen den Schwimmsteg. Ich habe die ganze Zeit über geschrien, dass die Fähre lieber mit äußerster Kraft in die Pier fahren soll, anstatt mein Boot zu versenken. Ich bin dabei tausend Tode gestorben, die ‚Circe‘ ist mein ein und alles“, berichtet Timo Sass.

Nachdem die „Helgoland“ mit dem Bug die Ostmole gerammt hatte und von der „Circe“ abrutschte, schob sie sich vorwärts, wobei sie die massiven, einen halben Meter dicken Poller auf der Ostmole mit dem Bug verbog. Das Bäderschiff traf die „Circe“ so stark, dass sie etwa 45 Grad überholte und mit voller Wucht auf und gegen den Schwimmsteg gedrückt wurde. Der Steg stellte sich für kurze Zeit aufrecht. Das federte den immensen Druck auf die Yacht ab. „Danach rutschte noch ein auf dem Heck der ‚Helgoland‘ liegender massiver T-Träger der Mittelmole direkt neben mein Boot ins Wasser und verfehlte es nur knapp“, berichtet der Wilhelmshavener Segler. Auf der „Circe“ waren erstaunlicherweise zunächst nur geringe Schäden feststellbar. So wurden die Püttinge beschädigt, weil das Schiff die Oberwanten berührt hatte, aber das Rigg hielt Stand. Auf der anderen Jacht wurde der Radarmast durch den Stahlträger auf dem Heck der Fähre beschädigt.

„Weil mein Boot, eine IW 40, von äußerst stabiler Bauart mit zwei Zentimeter starkem Volllaminat und starken einlaminierten Stringern ist, passierte nicht so viel. Ich konnte das Boot anderntags sogar einhand nach Hooksiel zurücksegeln“, so Timo Sass. Gutachter werden aber in der Werft nun prüfen, ob durch den Ramming versteckte Strukturschäden eingetreten sind, die zunächst nicht sichtbar waren.

Wie es heißt, war der Kapitän des Seebäderschiffs mit dem Schiff mit dem modernen LNG-Antrieb noch nicht sehr vertraut, da er erst im November seinen Dienst bei der Reederei Cassens Eils angetreten hatte. Die „Helgoland“ kam nach dem Zwischenfall nach Cuxhaven ins Dock der Mützelfeldt-Werft. Den Liniendienst zur Insel hält zurzeit die „Funny Girl“ aufrecht. Die Ermittlungen dauern an und werden durch die Wasserschutzpolizeistation Helgoland geführt. Ob bis zur Saison die Schäden an der Mittelbrücke behoben sind und ob die Mittelbrücke wie gewohnt die gesamte Schwimmsteganlage aufnehmen kann, ist bisher noch unklar. (tk)

Dieses  und vieles mehr aus Ihrer Region lesen Sie im Sportschipper, dem Fachmagazin für Bremen und umzu. Das Abo lohnt sich. Ganze 1,50 Euro kostet das Heft, das dann jeden Monatsanfang in Ihrem Briefkasten liegt. Tel: 0451-898974, gewerbe(at)sport-schipper.de