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„Alex II“ auf neuem Kurs
17.03.2017
Bremerhavener Bark segelt aus der Karibik entlang der US-Küste nach Kanada

All hands on deck: Anfassen ist ausdrücklich erwünscht auf der „Alex II“. (Quelle: DSST)

Kurs Kanada - die Bremerhavener Bark „Alexander von Humboldt II“ befindet sich zurzeit in der Karibik. Nach einer ausgiebigen Erkundung des Traumreviers und einem Abstecher zu US-Häfen will der Dreimaster 150 Jahre Kanada als unabhängige Föderation beim Windjammertreffen „Rendez Vous“ im Sommer mit 40 anderen Großseglern feiern. Auf der weltgrößten Wassersportmesse „boot“ in Düsseldorf hat die Besatzung über die kommenden Abenteuer informiert. Noch sind Kojen frei - auch für die Transatlantikregatta vom 30. Juli bis zum 2. September. Crewmitglieder im Landeinsatz: Wer in grünen Takelhemden neun Tage auf der „boot“ Werbung für sein persönliches grünes Traumschiff macht, hat nicht selten sogar Urlaub dafür beantragt, erzählt Markus Spiecker vom Aktionsteam der „Alexander von Humboldt II“: „Man kann heute auf vielen Segelschiffen mitfahren. Aber was die Alex II immer noch einmalig macht, sind die Menschen darauf und die Kameradschaft, die auf einem Törn entsteht.“ Das klappe binnen weniger Tage mit Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen. An Bord zählt der Doktor oder der Geschäftsführer nicht mehr extra, sondern das, was er in die Bordgemeinschaft einbringt. Selbst der Kapitän auf der Brücke arbeitet hier ehrenamtlich. Zu den 54 zahlenden Gästen sagt man nicht Passagier, sondern Trainee, weil alle ganz nach dem eigenen Vermögen mit anpacken und das Windjammersegeln lernen. Wer will, darf unter Anleitung auch bis in 39 Metern Höhe auf dem Großmast arbeiten und riesige Segel ein- und auspacken.

Aber kann man mit so einer zusammengewürfelten Mannschaft mit Menschen zwischen 14 und 75 Regatten mitsegeln? „Wir glauben, dass wir schnell genug sind“, lächelt Wolfgang Arlt, Mitglied der Deutschen Stiftung Sail Training, der Eignerstiftung hinter dem Schiff, voller Vorfreude. Und schließlich hat der angehende Mitfahrer ja auch die Wahl. Es muss nicht zwangsweise um die Wette gehen: Am 4. Februar etwa kann man ja auch in Marigot auf St. Martin einsteigen und das reine Karibikprogramm mitmachen - natürlich immer mit Aktivsegeln und ohne Stewards. Trinidad und Curacao sind weitere Karibikdestinationen, die die „Alex II“ ansteuern wird, bevor es Mitte März nach Kolumbien geht und weiter über Panama nach Mexiko und Kuba. Havanna soll am 27. April erreicht werden Die Kuba-Törns bis zum 7. Mai sind laut Wolfgang Arlt schon fast ausgebucht: „Aber es springen immer Leute ab. Es lohnt sich, sich auf die Warteliste zu setzen.“ Die rund eintausend Mann Stammcrew haben den neuen Törnplan als erstes zu sehen bekommen und nur wenige Lücken offengelassen. Die Trainee-Plätze sind etwa zu 40 Prozent im ersten Run vollgelaufen. Erfahrungsgemäß füllten sich die Crewlisten erst so richtig im Frühjahr, so Arlt, der so auch den schicken „boot“-Messeauftritt des Bremerhavener Dreimasters begründet. Was die Werber am Stand kaum in Worte fassen können, ist das Spektakel, das das Schiff und die Mitsegler nach dem US-Hafen Charleston im britischen Hamilton auf Bermuda und in Boston erwartet: Hamilton ist der erste Hafen des Rendez-Vous-Rennens der weltgrößten Jugendsegelorganisation Sail Training International. Rund um den 18. Juni sind die 3000 Segler der erwarteten vierzig Schiffe dann in Boston auf Straßenparaden unterwegs. Es wird Landprogramme mit Konzerten und Crew-Wettkämpfe und erste Preisverteilungen geben.

Von Boston nach Summerside/Prince Edward Island in Kanada segelt es sich dann ohne Wettrennen gemütlich in Flottillen, die sich automatisch ergeben. Gaspé, Sorel-Tracy und Quebec - die Törns bieten die seltene Möglichkeit, Kanadas Atlantikküste von See kommend im Sommer kennenzulernen - zur Zeit, wenn im St-Lorenz-Strom die Wale kalben. Nach den Feierlichkeiten in Halifax soll es dann am 30. Juli den Startschuss zur Atlantiküberquerung geben. Einen Monat Zeit hat der Dreimaster, sich getragen nur von den 1390 Quadratmetern Fläche der 24 Segel bis ins französische Le Havre zu bewegen. Vielleicht ist ja vier Jahre nach Indienststellung der „Alexander von Humboldt II“ sogar mal ein Treppchenplatz in Le Havre drin. Wenn nicht, würde es DSST-Vorstand Wolfgang Arlt auch nicht stören, mit anderen Preisen ausgezeichnet zu werden: „Wir haben bei den vergangenen Regatten in der STI-Flotte immer mindestens den Preis für die besten Kostüme auf den Crew-Paraden oder die fröhlichste Mannschaft bekommen. Das schaffen andere Schiffe nicht.“ (vk)

 

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