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18/07 2008

Vorbereitungen zum 4. Baltic Sprint Cup auf Hochtouren


Trockenfutter und Tiefdruckgebiete

 

 Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee wird am Sonnabend (19. Juli) um 15 Uhr auf der Lübecker Bucht eigenhändig den ersten Startschuss zur ersten Etappe des vierten internationalen Baltic Sprint Cups (BSC) abfeuern. Es ist der erste sportliche Höhepunkt der 119. Travemünder Woche, auf der dann noch bis zum darauffolgenden Sonntag (27. Juli) mehr als 200 Wettfahrten in 29 Bootsklassen zu sehen sind. 56 der insgesamt 61 gemeldeten BSC-Yachten dürften sich auf dem Weg von Travemünde ins 216 Seemeilen entfernte Karlskrona (Schweden) spannende Positionskämpfe liefern.

Sie packen Segel und stauen Proviant, studieren Wetterdaten und beraten die Strategie. Im Ostseebad Travemünde sind mittlerweile alle 56 Hochseeyachten vom Fahrtenschiff bis zur Hightech-Rennziege angekommen. Und die Segler haben vor dem ersten von vier Teilstücken über insgesamt 710 Seemeilen ins dänische Rønne noch alle Hände voll zu tun. Die Schiffe sind entlang der Trave verteilt und durch die großen Baltic Sprint Cup-Flaggen bestens zu erkennen. Dabei hat Organisationsleiter Henning Rocholl die meisten seiner Teilnehmer an der Travemünder Vordermole platziert, so dass auch Zuschauer die Vorbereitungen an Deck beobachten können. Lautstarkes Hallo und Wiedersehensfreude geben dabei den Ton an, denn viele der Segler kennen sich aus vorangangenen Baltic Sprint Cups. Nach der vielbeachten Premiere NORD/LB Baltic Sprint Cup 2005 wird nun zum dritten Mal um einen vom der dänischen Bank DnB NORD gestifteten Pokal gesegelt.

Auf dem Steg wird eine Kette gebildet. Die Crew der „Meu" vom Lübecker Yacht-Club reicht Kartons und Tüten weiter. Gerade ist der Einkauf für die erste Etappe eingetroffen. „Hauptsächlich Getränke und Snacks wie Cabanossi und Obst haben wir gebunkert", erklärt Skipper Alexander Dummer aus Lübeck. „Wir haben uns jetzt erstmal nur für die erste Etappe ausgerüstet, in Schweden wird dann nachgekauft, aber ein paar Konserven für den Notfall und ein Ration Spagetti sind schon an Bord", so Dummer, der mit 20 Jahren als jüngster Skipper ins Rennen geht. Einziges Goodie auf der limitierten Einkaufsliste: „Wir haben sieben Bier dabei, mit denen wir nach dem Zieldurchgang anstoßen", so Dummer. Als Vereinsschiff geht die Comfortina 38 für den Lübecker Yacht-Club mit einer Jugendcrew an den Start. Das Durchschnittsalter der Segler liegt etwa bei dem des Skippers. Da die Crew in dieser Zusammensetzung noch nicht gesegelt ist, wurde der Freitag noch für ein erstes Training genutzt, bevor es am Sonnabend ernst wird.

Klar siegorientiert geht es hingegen auf der brandneuen „guts'n glory" von Christopher Wuttke aus Bückeburg zu. „Unser Anhänger fährt auf dem Landweg mit, denn wir nehmen nur das Allernötigste an Bord. Schlafsäcke gibt's nicht. Wir sehen die Etappen als echte Sprints, die sind nicht lang", meint Co-Skipper Marcus Mattis aus Kiel. Und das Wetter lässt auch auf eine schnelle erste Reise hoffen. Vorhergesagt wurden starke bis stürmische westliche Winde. „Der Proviant muss so leicht wir möglich sein, wir haben also vor allem Trockenfutter an Bord, und eine neue Seewasserentsalzungsanlage", so Mattis.

Drei Stunde vor dem Start ist noch die Taufe von Wuttkes neuer Rogers 46 angesetzt, die als Mitfavoritin auf den Gesamtsieg gilt. „Für die erste Etappe wollen wir uns auf unsere Schwesterschiffe fokussieren. Da wir bisher noch keinen direkten Vergleich hatten, wird das sicher spannend, uns mit der ‚Danebury‘ und der ‚Yeoman XXXII‘ zu messen", gibt Mattis als Kampfansage aus. Am Abend zuvor wird aber erstmal anständig gefeiert. Die „SE Spezial Elektronik AG" von Eigner Wuttke „schmeißt" die große Start-up-Party im Travemünder Nobelhotel „Columbia", auf der Tiefensee den panbaltischen Regattaseglern persönlich eine gute Reise wünschen wird.

Tagsüber wurde auf den meisten Yachten noch fleißig repariert, gecheckt und ausgetauscht. Und immer wieder kam dabei ein Regenguss von oben. „Das Tiefdruckgebiet gibt schon mal einen Vorgeschmack auf die Wetter-Verhältnisse, die wir am Wochenende zu erwarten haben", meint Organisationsleiter Henning Rocholl von SAIL & RACE. Aber die Windrichtung stimmt: Bei kräftigem Südwestwind könnte die erste Etappe des Baltic Sprint Cups eine ganz schnelle Angelegenheit werden, für die heißesten Racer vielleicht in weniger als 24 Stunden zu schaffen.

Auf dem Weg zum Start präsentieren sich die gut 400 Hochseesegler am Sonnabend um 13 Uhr bei einer Auslaufparade mit ihren Schiffen. Dabei werden die Crews über eine Lautsprecheranlage vorgestellt und verabschiedet. Das ist von der Travepromenade aus gut zu beobachten.

Rocholl und auch Wettfahrtleiter Alan Green aus London freuen sich über die Rekordbeteiligung von insgesamt 61 Schiffen. „Davon starten 56 jetzt in Travemünde, die restlichen fünf kommen erst später hinzu", so Rocholl, der vor drei Jahren dem ersten Baltic Sprint Cup seine Handschrift gab. Mittlerweile ist die Regatta immer internationaler geworden. In diesem Jahr sind Yachten aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Großbritannien und Polen sowie der USA und den britischen Jungferninseln (BVI) dabei.

Die zweiwöchige Regatta führt über fünf Ostseeanrainerstaaten und wird zum ersten Mal in Deutschland gestartet. Aus Karlskrona geht es am Mittwoch über 190 Seemeilen weiter nach Klaipeda in Litauen, wo die rund 450 Seglerinnen und Segler das Sea Festival der Hafenstadt mitfeiern. Die dritte und kürzeste Etappe (111 Seemeilen) führt ins polnische Gdynia. In der Bucht von Gdansk kommt es dann zu einem weiteren Novum des Baltic Sprint Cups: Am 29. Juli sind dort zwei Kurzrennen angesetzt, die zusammen wie eine Etappe gewertet werden. Das Finale der 710-Seemeilen-Regatta (rund 1.300 Kilometer) startet am nächsten Tag über 171 Seemeilen nach Rønne auf Bornholm/Dänemark, wo am 1. August die Gesamtsieger gekürt werden.



Weitere Informationen und Fotos unter www.balticsprintcup.com.


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