Logo
SVG News
Großes Finale mit schwerem Gerät
11.08.2017
WV Blumenthal: Nach vielen Monaten ist die Spundwandbaustelle Geschichte – Wasserbauer und Vereinsmitglieder haben zum Abschluss die Pfähle gerammt – Jetzt soll der Alltag wieder einziehen

Schweres Gerät für imposante Pfähle: Die Wasserbauer aus Stadland leisten Millimeterarbeit. (Foto: Kölling)

 

Das Restaurant Bootshaus über dem Wassersportverein Blumenthal ist mit seiner Hochveranda jetzt viele Monate die Zuschauertribüne für die Spundwandbaustelle gewesen. Jetzt gab es das Finale: Die Wasserbauer der Firma Thieling haben die Pfähle für die Steganlage des Vereins in den Grund gerammt – mit den Wassersportlern in Blaumännern als Monteure auf den Schwimmstegen und in Arbeitskähnen.

Bootshaus-Wirtin Wenke Tydeks hat ihre Speisekarte mit Baustellenfotos verziert: die Spundwand-Ramme im Sonnenuntergang. Bilder von Schnee und Eis und einer zugefrorenen Baustelle. Den Arbeitsponton nennt sie liebevoll „Hergen“: Die Wasserbauer der Baustelle kennt sie alle: „Die waren alle schon mal zum Essen hier. Überhaupt war ich erstaunt, wie hart meine Gäste im Nehmen waren. Da ist keiner weg geblieben wegen der Baustelle. Eher im Gegenteil: Es gab ja doch viele spannende Tage, an denen es etwas zu schauen gab.“

So wie an diesem Sonnabend ab sieben Uhr morgens: Die Blumenthaler Wassersportler hoffen, dass die Rammaktion mit ihrer Anlage daran glatt läuft. Baustellenpolier Markus Benzmann von der Firma Thieling Bau aus Stadland sieht keine Alternative: Er macht keinen Hehl daraus, dass man die neuen Pfähle für den Hafen nur mit der Anlage daran rammen kann, wenn der Verein nicht später alle der viereckigen Stahlkonstruktionen der Stegschlösser umbauen will: „Wir setzen die Pfähle normalerweise nach Koordinaten, wenn noch keine Anlage vorhanden ist. Aber da gibt es immer gewissen Rammtoleranzen. Da wäre die Wahrscheinlichkeit doch hoch, dass die Anlage danach nicht ohne weiteres an die Pfähle passt und man alles neu baut.“

Jeder der dicken Eisenpfähle mit der gelben Mütze ist 24 Meter lang. Benzmanns beweglichster Bootsmann balanciert auf dem Stegschloss mit einer großen Wasserwaage herum und hält auch immer wieder eine Messlatte mit einem Pieper daran hoch. Er zeigt unter den Pfahlbau des Bootshauses: „Da hinten steht ein Laser, mit dem wir das ganz genau einmessen.“ Die Kollegen auf Schwimmponton „Hergen“ helfen beim Messen noch nach der guten alten Art und zeigen dem jungen Kollegen mit Daumenzeichen, wie er die Wasserwaage anlegen muss. Alle paar Minuten legt der Rüttler oben am Kopf des Seilbaggers wieder los. Das Wasser fängt an zu vibrieren und der Pfahl schiebt sich wieder ein paar Meter in den weichen Grund. Zu hören ist fast nichts – verglichen mit den Rammarbeiten an der Spundwand. Polier Benzmann grinst und schaut sich in dem grünen Hafen um: „Das hat ja heute kaum etwas mit Arbeit zu tun. Da müsste ich meinen Leuten ja eigentlich fünf Euro Kurtaxe dafür berechnen, dass sie hier sein dürfen.“

Aber klar gab es auch reichlich Knuff in den vergangenen Monaten: 150 Meter lang ist die Spundwand allein im Blumenthaler Hafen. Befestigt ist sie zusätzlich mit Steinschüttungen auf dem Grund. Nur mit dem Neubau der höheren Wand ist der Schutz gegen die Hochwasserereignisse der nächsten einhundert Jahre gewährleistet. Draußen vor dem Hafen sind noch einmal 200 Meter Spundwand fertig. Aber dort hat sich die Weser gewehrt, wie Benzmann erzählt: „Es stimmt: Wir hatten dort hinten am Knick ein großes Rammhindernis, das uns wirklich aufgehalten hat.“ Erst mit Tauchern und Unterwasserbaggerei konnte es weitergehen mit „Hergen“ und seiner Ramme. Wochen waren vergangen.

So stehen die Blumenthaler Wassersportler nicht Ostern, sondern mitten im Hochsommer in Blaumännern in ihren Arbeitsbooten und auf den Schwimmstegen. Gut zwanzig Mann sind dabei, die Verschraubungen mit schweren Schraubenschlüsseln neu zu setzen und die letzten Stegschlösser neu zu positionieren. Mittenmang kniet Jens Tydeks in einem Arbeitsboot. Der Mann der „Bootshaus“-Wirtin und erste Vorsitzender des Wassersportvereins Blumenthal findet an der Arbeit heute eigentlich nur den Zeitpunkt ungewöhnlich: „Das hier ist ja eigentlich auch unser normales Saisongeschäft. Deshalb weiß eigentlich auch jetzt jeder genau, was zu tun ist.“

Dabei bringen die neuen Pfähle auf ihren neuen Positionen auch Vorteile für den Wassersport. Jens Tydeks: „Wir haben uns beim vorderen Steg zwei Meter mehr Platz in der Boxengasse gegönnt. Wir durften aus Gründen der Statik nicht die alten Löcher nehmen. Da bot sich das an.“ Und der Wellenbrecher mit seinen Pfählen sei jetzt soweit Richtung Hafeneingang verschoben worden, dass man eines Tages sogar über die Anschaffung eines weiteren Schwimmsteges nachdenken könne. In jedem Fall wird sich der Nachwuchs mit den Jollen erst einmal über die Vergrößerung der geschützten Wasserfläche freuen.

Im vergangenen Jahr lagen in der Blumenthaler Hafenanlage 55 Boote. Die stehen jetzt entweder noch in der Halle oder haben in anderen Weser- und Lesumhäfen „Asyl“ bekommen. Tydeks: „Da haben uns in dieser Situation einige befreundete Vereine sehr geholfen.“ Die Grohner hätten ähnliche Baustellenprobleme mit einer Hafensperrung vor etlichen Jahren ja auch schon einmal mitmachen müssen und seien in ähnlicher Lage gewesen. Und noch eine Sache sei mit der Verlängerung der Bauarbeiten einher gegangen. Jens Tydeks: „Wir hatten so die Zeit, mit dem Spülspezialschiff ‚Hol Deep‘ den Hafen weitgehend von Schlick zu räumen. So kommen wir jetzt endlich auf die verbriefte Solltiefe des Hafens, die uns immer versprochen worden ist.“ Das seien achtzig Zentimeter Wasser bei Niedrigwasser. Schiffe mit Tiefgang hätten so ab sofort ein deutlich erweitertes Zeitfenster zum Anlaufen und Auslaufen des Blumenthaler Hafens: Bei 1,5 Meter Tiefgang etwa bis zwei Stunden vor Niedrigwasser und schon wieder eine Stunde nach Niedrigwasser, weil das Wasser ja erheblich schneller wiederkomme als ablaufe. 

Allein die neuen Jahrfreiheiten zu erleben, kann scheinbar kaum einer erwarten: Tydeks und seine Männer kriegen an diesem Sonnabend überhaupt kein Ende und stellen den Heimathafen in einem Rutsch wieder komplett her. Nach kurzer Beratung montiert der Trupp auch noch die Fingerstege an die Anlage. Um 18 Uhr sind alle in mehrfachem Sinne fertig. Die Boote können zurückkommen. Und „Hergen“? Der gibt bis Mitte der folgenden Woche seine Abschiedsvorstellung – wenn er für die Wassersportler noch den Wellenbrecher mit seinen Pfählen vor den Hafenausgang zur Weser stellt. (Volker Kölling)

 

 

Diese und vieles mehr aus Ihrer Region lesen Sie im Sportschipper, dem Fachmagazin für Bremen und umzu. Das Abo lohnt sich. Ganze 1,50 Euro kostet das Heft, das dann jeden Monatsanfang in Ihrem Briefkasten liegt. Tel: 0451-898974, gewerbe(at)sport-schipper.de

 

 

 

 

Diese und vieles mehr aus Ihrer Region lesen Sie im Sportschipper, dem Fachmagazin für Bremen und umzu. Das Abo lohnt sich. Ganze 1,50 Euro kostet das Heft, das dann jeden Monatsanfang in Ihrem Briefkasten liegt. Tel: 0451-898974, gewerbe(at)sport-schipper.de

 

 

 

 

Diese und vieles mehr aus Ihrer Region lesen Sie im Sportschipper, dem Fachmagazin für Bremen und umzu. Das Abo lohnt sich. Ganze 1,50 Euro kostet das Heft, das dann jeden Monatsanfang in Ihrem Briefkasten liegt. Tel: 0451-898974, gewerbe(at)sport-schipper.de