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Auf der Barfußroute um die Welt
27.07.2017
Gerda und Bernhard Schulz mit ihrer „La Estrella“ von Freunden und WSV-Mitgliedern auf Langtörn verabschiedet

Gerda und Bernhard Schulz kurz vor der Abreise Richtung Süden. Ihre 9,50 Meter lange „La Estrella“ wird in den nächsten Jahren ihr Zuhause sein. (Foto: Dörte Salverius)

Für Gerda und Bernhard Schulz aus Wilhelmshaven erfüllt sich ein Traum. Anfang Juni hat das Ehepaar die Leinen seiner Segeljacht „La Estrella“ losgeworfen – und sein altes Leben hinter sich gelassen. Sie wollen warmen Gefilden entgegen segeln, Kurs Spanien, auf der Barfußroute (durch tropische oder subtropische  Gebiete) über den Atlantik, und wenn es sich ergibt auch weiter, vielleicht um die Welt. Da haben sich die beiden nicht festgelegt.  In den nächsten drei bis fünf Jahren jedenfalls soll die „La Estrella“ ihr Zuhause sein.

Zum Abschied gab es für Gerda (60) und Bernhard (56)  Schulz  einen großen Bahnhof. Arbeitskollegen, Freunde und die Sportfreunde des Wassersportvereins WSV Hooksiel, dem das Paar seit zehn Jahren angehört, erwarteten die „La Estrella“ an der Hooksieler Schleuse, um der kleinen Crew Lebewohl zu sagen.

„Den Traum, einmal auf Langfahrt zu gehen, träumen wir schon seit zehn oder 15 Jahren“, erzählt Bernhard Schulz am Tag vor der Abfahrt. Konkret beschäftigten sich die beiden Segler seit 2015  mit dem Gedanken, zumal sich für den 56-Jährigen die berufliche Situation änderte: Der Berufssoldat konnte in den Ruhestand gehen. Damit eröffnete sich die Möglichkeit, den Traum zur Realität werden zu lassen. Ehefrau Gerda kündigte bei ihrer Firma, in der sie als Bauzeichnerin beschäftigt war,  die Mietwohnung in Wilhelmshaven wurde aufgegeben, und für die letzten zwei Monate vor dem geplanten Start zogen die beiden auf die „La Estrella“ nach Hooksiel. „So konnten wir uns schon einmal an das Bordleben gewöhnen“, lächelt Gerda Schulz. Sicher kein unwichtiger Gedanke, denn die Jacht bietet unter Deck nur acht Quadratmeter Lebensraum.

Die Monate vor der Abreise waren anstrengend. Ein Hausstand wollte aufgelöst und das Boot für den großen Törn vorbereitet werden. Außerdem wurde noch die Geburt eines Enkelkindes abgewartet. „Wir haben am Schiff einiges verstärkt und erneuert“, so Bernhard Schulz. Ein neuer Motor sei eingebaut und für den Notfall zusätzlich ein Außenborder angeschafft worden. Die Windselbststeueranlage, ein Iridium-Satellitentelefon, eine Seenotbake, die bei einer Havarie Standortsignale aussendet, und verschiedene Ersatzteile waren für die beiden bei der Ausrüstung besonders wichtig. „Wir haben uns an die Devise gehalten: So einfach wie möglich, so wenig Elektronik wie möglich“, sagt Bernhard Schulz  und seine Frau ergänzt: „Sogar unsere Ankerwinde ist mechanisch“. So will die „La Estrella“-Crew technische Probleme an Bord möglichst gering halten.

Für das leibliche Wohl kamen kurz vor der Abreise noch  Konserven, Mehl zum Brotbacken sowie frisches Obst und Gemüse an Bord. Kleidung nimmt weniger Raum ein. „Wir sind auf Wärme eingestellt“, sagt die 60-jährige Seglerin, die sich mit ihrem Mann in der Führung des Bootes abwechseln wird.

Gerda und Bernhard Schulz segeln schon seit etwa 25 Jahren. „Wir haben damals mit einer fünf Meter langen Jolle auf dem Lauwersmeer in den Niederlanden angefangen“, erinnern sich die beiden, die ursprünglich aus dem Surfsport kommen. Vor 14 Jahren  kauften sie die „La Estrella“, eine Konstruktion der Firma  Sparkman & Stephens. Mit   9,50 Metern Länge wird sie eher zu den kleinen Jachten gehören, die über den Atlantik segeln. „Mit so einem Schiff auf eine solche Reise zu gehen, ist eher ungewöhnlich“, meint denn auch der 56-Jährige, „aber wir haben großes Vertrauen in die ,La Estrella’“. Für Gerda Schulz ist noch ein anderer Aspekt wichtig. „Wenn einer von uns beiden mal ausfällt, lässt sich das Boot auch alleine händeln“.

Doch daran wollen die Segler  erst einmal nicht denken. Sie erwartet jetzt ein Urlaub auf der Barfußroute, und wo es schön ist, wollen sie bleiben. Ziel sei die Karibik, „und dann schauen wir, wie es weitergeht, vielleicht in den Pazifik“, hält das Paar  den Verlauf der Reise offen. Das Lauwersmeer, Ostende in Belgien, von Brest über die Biskaya, Spanien/Portugal, eventuell Marokko und dann die  Kapverdischen Inseln, so lauten die nächsten Stationen. Von dort geht es dann über den Atlantik, bester Zeitpunkt sind die Monate Dezember und Januar. „Aber das ist noch offen“, so das Ehepaar.

Für die beiden  geht es bei der Langfahrt nicht nur darum, dem norddeutschen Winter zu entfliehen. „Wir sind neugierig auf andere Länder und Menschen. Wir freuen uns darauf, auch mal über tiefes Wasser zu segeln, den Atlantik zu erleben und ohne große Verpflichtungen die Seele baumeln zu lassen“, antworten Gerda und Bernhard Schulz auf die Frage, was für sie den Reiz eines solchen Törns ausmacht. „Und das Reisen mit dem Segelschiff hat uns immer gefallen“ – auch in diesem Punkt ist sich  das Paar vom WSV Hooksiel einig.

 

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